Stolpersteine Deutschland XIV - 5.1.10
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 81. EL 2024 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Dieser Artikel untersucht, wie mit Stolpersteinen Erinnerungslernen im Re-
ligionsunterricht umgesetzt werden kann und wie Stolpersteine-Apps dabei
helfen können. Für den theoretischen Rahmen wird das biografische Lernen
als ein Teil des Erinnerungslernens verstanden, um den religionspädagogisch
spezifischen Beitrag hierzu herauszustellen. Dieser besteht im Gedenken an
konkrete Personen, die in der NS-Zeit zu Opfern gemacht wurden und de-
nen durch die Stolpersteine ihr Name und ihre Würde zurückgegeben wird.
Dabei werden auch einige Kritikpunkte an dem Kunstprojekt von Gunter
Demnig aufgegriffen. Diese dürfen in (religions)pädagogischen Kontexten
nicht übergangen werden, damit Stolpersteine als Orte der Erinnerung auch
für künftige Generationen und somit auch weiterhin für (religiöse) Bildungs-
prozesse relevant bleiben können.
SchlagwörterSchlagwörter
Biografisches Lernen, Erinnerungslernen, Lernen mit Apps, Religionsun-
terricht, religiöse Bildung, Stolpersteine
XIV - 5.1.10 Stolpersteine Deutschland: Eine App zum
Gedenken an Menschen, die niemals vergessen
werden dürfen – Nutzung in religionspädagogi-
schen Kontexten
[Stumbling Blocks Germany: An App to
Commemorate People Who Must Never be
Forgotten – for Use in Religious Education
Lessons]
Tobias Balle
Submitted March 18, 2024, and accepted for publication June 3, 2024
Editor: Maike Maria Domsel
SummarySummary
This article outlines how remembrance learning can be implemented in re-
ligious education using stumbling blocks and how apps to stumbling blocks
can support this process. Biographical learning is understood as a part of
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XIV - 5.1.10 Stolpersteine Deutschland 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
„Hier wohnte Ernst Benjamin Freudenthal; Jg. 1922; Deportiert 1941; Riga,
Salaspils; Erschossen Juli 1944, Riga-Kaiserwald.“ Diese Informationen sind
für jede:n unmittelbar zugänglich, wenn man in der Kölner Innenstadt, am
Friesenwall laufend – vielleicht unbeabsichtigt im Alltag oder die Stelle be-
wusst aufsuchend –, über den 10
× 10 × 10 cm großen Stein mit Messingplatte
im Boden stolpert. Mittlerweile dürfte fast jeder Mensch in Deutschland (un)
bewusst an einem Stolperstein vorbeigekommen sein, da inzwischen insgesamt
über 100
000 Stolpersteine in 1265 Städten und Gemeinden in Deutschland
so
wie 21 weiteren Ländern Europas verlegt wurden.
1
Seitdem Gunter Demnig das KunstDenkmal, wie er es selbst nennt, Mitte
der 1990er-Jahre begann, hat es sich in vielen Bereichen weiterentwickelt. Zu
nennen wären hier unter anderem die sogenannten Stolperschwellen, die seit
2006 verlegt werden, um an Orte erinnern zu können, an denen zu viele Men-
schen lebten, um allen einzelne Stolpersteine zu geben. Zum Beispiel in Wai-
senhäusern oder Krankenmordanstalten, wo viele zu Opfern der sogenannten
T4-Aktion wurden.
2
Zudem gibt es außerhalb des eigentlichen Kunstprojekts
Adaptionen wie die „Sprechenden Stolpersteine“ der Volkshochschule Wiesba-
den
3
oder Apps, mit denen der Stolperstein für eine Person und weiterführende
Informationen zu dieser gefunden werden können. Letztere können das Erin-
nerungslernen anhand von Stolpersteinen mit Schulklassen unterstützen
– aber
auch in der Erwachsenenbildung hilfreich sein, worauf hier jedoch nicht näher
eingegangen wird.
remembrance learning for the theoretical framework to highlight its specific
religious (pedagogical) contribution. This consists in the remembrance of specific individuals who were made victims during the Nazi era and whose names and dignity are restored through the stumbling blocks. Some criti-
cisms of Gunter Demnig’s art project are also addressed. These should not be overlooked in (religious) educational contexts so that stumbling blocks can remain relevant as sites of remembrance for future generations and thus continue to be relevant for (religious) educational processes.
KeywordsKeywords
biographic learning, learning with apps. religious education, remembrance
learning, Stolpersteine
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Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten
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