Armutssensibilität im inklusiven Religionsunterricht
[Poverty sensitivity in inclusive religious education]
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Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird herausgestellt, mit welchen Herausforderungen inklusiver Religionsunterricht konfrontiert ist, der sich als armutssensibel versteht. Dazu wird zunächst erörtert, wie sich Kinderarmut auf Bildungschancen auswirkt und wie dieser Zusammenhang religionspädagogisch diskutiert wird. Anschließend werden anhand des Konzepts der Inklusiven Religionspädagogik der Vielfalt (InReV) und des Ansatzes der Aufgeklärten Heterogenität mit Blick auf die sozioökonomische Dimension von Vielfalt Herausforderungen für den religionspädagogischen Inklusionsdiskurs ermittelt. Armutssensibilität erweist sich dabei als ein von Spannungsverhältnissen geprägtes Anliegen inklusiver Religionspädagogik. Zum Schluss wird skizziert, worauf bei der Gestaltung armutssensiblen Religionsunterrichts zu achten ist.
Schlagwörter: Armut, Kinderarmut, Inklusive Religionspädagogik, Vielfalt, Heterogenität, Religionsunterricht, Bildungsgerechtigkeit
Summary
This article highlights the challenges that inclusive religious education is confronted with when it comes to being sensitive to poverty. To this end, it first unpacks how child poverty affects educational opportunities and the way in which this connection is discussed in religious education. Subsequently, challenges for the inclusion discourse in religious education are identified using of the concept of Inklusive Religionspädagogik der Vielfalt (InReV) and the approach of Aufgeklärte Heterogenität with a view to the
Submitted March 05, 2022, and accepted for publication June 10, 2022 Editor: Thorsten Knauth
socio-economic dimension of diversity. Sensitivity to poverty turns out to be a matter of tension in inclusive religious education. Finally, it is outlined what to look out for when designing poverty-sensitive religious instruction.
Keywords: Poverty, child poverty, inclusive religious education, diversity, heterogeneity, religious education, educational justice
1 Vielfalt als Bereicherung? - Kritische Anfrage an ein Inklusionsnarrativ
Vielfalt als Bereicherung gilt als ein Leitmotiv von Inklusion und ist normativ geprägt von der Vorstellung egalitärer Differenz1 , nach der unterschiedliche Menschen gleichberechtigt in pädagogischen Kontexten interagieren. Vielfalt wird hierbei positiv besetzt und als gewünschter Zustand beworben. Dass ein solches Verständnis von Vielfalt den Erfahrungen und Lebensrealitäten einiger Schüler*innen nicht entspricht, wurde bereits und besonders im Zusammenhang mit sozioökonomischer Vielfalt kritisiert.2 Das Verständnis von Vielfalt als Bereicherung im Zusammenhang mit Kinderarmut läuft Gefahr, Leiderfahrungen zu bagatellisieren und zur Legitimation struktureller Ungerechtigkeiten beizutragen. Was in Bezug auf andere, insbesondere horizontal verstandene Differenzen als Narrativ schlüssig und empowernd wirkt, gerät auf der Ebene als vertikal bezeichneter Differenz an eine Grenze.3 Daher schließt sich die Frage an, wie armutssensibel mit dem Vielfaltsbegriff im religionspädagogischen Inklusionsdiskurs umgegangen werden kann und welche religionsdidaktischen Konsequenzen sich daraus ableiten lassen. Dazu wird im Folgenden Kinderarmut im Kontext des Religionsunterrichts betrachtet und anschließend analysiert, wie Vielfalt in den konzeptionellen Ansätzen Inklusiver Religionspädagogik der Vielfalt und Aufgeklärter Heterogenität verstanden wird, um herauszustellen, welche inklusionsbezogenen Herausforderungen mit einer armutssensiblen Perspektive einhergehen.
2 Kinderarmut - ein mehrdimensionales Phänomen
Der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Armutserfahrungen in Deutschland ist mit rund einem FĂĽnftel in den letzten Jahren recht stabil geblieben.4 Die damit verbundenen Benachteiligungen im Aufwachsen und vor allem Lernen sind hinreichend belegt.5 Ein Spezifikum von Kinderarmut besteht in der
Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen von der Versorgungssituation in den Haushalten, in denen sie leben. Neben finanziellen und materiellen Einschränkungen sind es vor allem soziale und kulturelle Teilhabebarrieren, die kindliche Armutslagen kennzeichnen. In der Kinderarmutsforschung haben sich daher Konzepte etabliert, die ein differenziertes und mehrdimensionales Verständnis von Kinder- und Jugendarmut ermöglichen. Exemplarisch seien hier der Lebenslagenansatz der AWO-ISS-Studien6 und das Spielräumekonzept von Chassé, Zander und Rasch7 genannt. Im zuerst genannten Ansatz wird Kinderarmut als von Deprivation gekennzeichnete Lebenslage in bis zu vier Versorgungsbereichen verstanden.8 Neben der materiellen werden dabei auch die …
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Der vollständige Artikel umfasst 18 Seiten
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