Bauschke, Der jüdisch-christlich-islamische Trialog

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Der jüdisch-christlich-islamische Trialog II - 4.2.17 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 51. EL 2017 1 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 13.03.2017  2. AK  Seite 1 II - 4.2.17 Der jüdisch-christlich-islamische Trialog Von Martin Bauschke Einleitung: Der Trialog im Übergang Am 1. April 2015 wurde unter großem Andrang die bislang weltweit einzig- artige Ausstellung „Ein Gott – Abrahams Erben am Nil“ im Berliner Bode- Museum eröffnet. Es wird das über weite Strecken friedliche Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen in Ägypten dokumentiert, von der Antike bis ins Mittelalter, ergänzt durch Filme, die das Miteinander heute beschreiben. Juden, Christen und Muslime bildeten über Jahrhunderte hinweg im Grunde eine gemeinsame monotheistische Kultur und Wertegemeinschaft in Ägypten. Seit jeher aßen Ägypter dasselbe Essen, trugen dieselbe Kleidung, verwendeten dieselben Gerätschaften im Alltag oder in den Gotteshäusern, arbeiteten in den- selben Werkstätten zusammen, waren gemeinsam demselben Lebens-, Arbeits- und Festzyklus unterworfen, die der Nil allen Bewohnern vorgab. Oft feierten sie ihre religiösen Feste (gegen den Willen der jeweiligen religiösen Autoritäten) zusammen, sie verehrten dieselben biblischen und koranischen Gestalten (z.  B. Josef, Mose, Erzengel Gabriel), sie pilgerten zu den Gräbern und Schreinen der Heiligen aller drei Religionen und erbaten deren Segen dort. Dieses Erbe einer gemeinsamen abrahamischen Kultur gelte es dem religiösen Fanatismus unserer Tage entgegenzusetzen, wurde in den Eröffnungsreden betont. 1, 2 In den vergangenen 100 Jahren ist allerdings vielerorts in Nordafrika, im Na- hen und Mittleren Osten die traditionelle, jahrhundertealte nachbarschaftliche Konvivenz von Juden, Christen und Muslimen verloren gegangen. Sie ist da- bei, womöglich auf immer zu verschwinden. Exemplarisch stehen dafür neben Ägypten und weiten Teilen Nordafrikas auch der Irak und neuerdings Syrien. Durch den Exodus, später die Vertreibung und Flucht zuerst der Juden und später auch von immer mehr Christen sind diese Gesellschaften mittlerweile immer stärker muslimisch dominiert bis fast ausschließlich muslimisch geprägt. Im Gegenzug zum allmählichen Verschwinden der jahrhundertealten abraha- mischen Konvivenz in den genannten Regionen wurde anderswo die Idee eines zu kultivierenden Miteinanders von Juden, Christen und Muslimen gleichsam von Neuem geboren, insbesondere in Europa und Nordamerika, aber etwa auch in Israel. Im Rückblick lässt sich sagen: Diese Idee ist im Wesentlichen ein Kind der Aufbruchsstimmung der 1990er-Jahre gewesen, als man den damals fest etablierten jüdisch-christlichen Dialog (seit den 1950er-Jahren) sowie den neueren christlich-islamischen Dialog (seit den 1980er-Jahren) zu einem Ge- spräch der Angehörigen aller drei Religionsgemeinschaften erweiterte, wofür --- Seite 1 Ende --- II - 4.2.17 Der jüdisch-christlich-islamische Trialog 2 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 13.03.2017  2. AK  Seite 2 sich dann sehr schnell national wie international der Begriff des „Trialogs“ (engl. trialogue) einbürgerte als verkürzte Ausdrucksweise für den trilateralen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Heute scheint es, dass dieser Trialog mittlerweile seinen Zenit womöglich überschritten hat. Deutschland ist seit der Jahrtausendwende zu einem immer beliebteren Einwanderungsland geworden. Infolgedessen und neuerdings auf- grund der starken Zunahme von Flüchtlingen aus den Krisenregionen Afrikas und Nahost ist die deutsche Gesellschaft multikultureller als je zuvor in ihrer Geschichte. Längst haben sich inzwischen auch andere Religionen in das in- terreligiöse Gespräch eingebracht – allen voran die Bahá’í und die Buddhisten. Man kann durchaus die Einschätzung wagen: Der Trialog hatte, jedenfalls in Deutschland, seine Blütezeit ungefähr von 1990 bis 2010. Mittlerweile ist dieser exklusive Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen nicht mehr so sehr gefragt, jedenfalls in solchen Regionen und vor allem in den Großstädten, wo es mittlerweile auch nennenswerte Angehörige anderer Religionen als nur die- ser drei gibt. Dies lässt sich schon daran erkennen, dass etliche abrahamische Initiativen – wie etwa das Abrahamische Forum (s. u.) oder JUGA in Berlin (s. u B Formen des abrahamischen Dialogs. Jüdisch-christlich-muslimische Exklusi- vitäten werden nun ihrerseits aufgebrochen, so wie der klassische Trialog in den 1990er-Jahren angetreten war, die damaligen bilateralen Exklusivitäten aufzubrechen. Mehr noch: Es wird nicht nur der Radius des Dialogs unter monotheistischen Religionsgemeinschaften erweitert (mancherorts sind nicht nur die Bahá’í, son- dern auch die Sikhs dabei), sondern der interreligiöse Dialog wird insgesamt multilateraler. Und er institutionalisiert sich dementsprechend multilateral. Dafür steht die Idee und Praxis eines „Rates der Religionen“, die bereits seit längerem besonders in England etabliert ist (engl. Council of Faiths, z. B. in Birmingham seit 1974, in Leicester seit 1986) und seit einigen Jahren auch in deutschen Großstädten Einzug hält (z. B. in Köln 2006, Frankfurt 2009, Bonn 2011), mancherorts auch „Forum“ statt „Rat der Religionen“ genannt (z. B. F 2010, Berliner Forum der Religionen 2014). Angesichts dieses Trends zur Multilateralisierung des interreligiösen Dialogs erscheinen neuere Versuche, den Dialog weiterhin exklusiv auf Juden, Chris- ten und Muslime zu beschränken, wie das etwa im Schweizerischen Rat der Religionen (seit 2006) faktisch der Fall oder in der Berliner Initiative House of One (s. u.) ebenfalls intendiert ist, als zwar prinzipiell begrüßenswert, doch zugleich als nicht mehr zeitgemäß. Der klassische Trialog soll damit nicht dis- kreditiert werden, und er wird sich in dieser Form sicherlich auch noch einige Zeit behaupten können. Doch wo heutzutage die Reduktion der interreligiösen Westarp Science – Fachverlage
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