Domsel, Der religionspädagogische Habitus islamischer Religionslehrer*innen. Eine rekonstruktive Studie zu kollektiven Orientierungsrahmen im Kontext (inter-)religiösen Lernens

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Rezension XVI - 7.6 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 85. EL 2025 1 XVI - 7.6 Der religionspädagogische Habitus islamischer Religionslehrer*innen. Eine rekonstruktive Studie zu kollektiven Orientierungsrahmen im Kontext (inter-)religiösen Lernens Maike Maria Domsel Die Dissertation von Şenol Ya ğdı schließt eine Forschungslücke innerhalb der islamischen Religionspädagogik, indem sie empirisch fundiert den religionspä- dagogischen Habitus islamischer Religionslehrkräfte in Österreich untersucht. Der Autor verbindet praxeologische Wissenssoziologie mit der dokumenta- rischen Methode (nach Bohnsack), um kollektive Orientierungsrahmen von Lehrkräften im Kontext (inter-)religiösen Lernens zu rekonstruieren. Bemer- kenswert ist der systematische Aufbau, der sechs Kapitel umfasst: Kapitel 1 (S. 1–14) skizziert Ausgangslage, Forschungskontext, Zielsetzung und Fragestellung. Besonders hervorzuheben ist der methodologisch reflek- tierte Zugang zum Habitusbegriff als Orientierungsrahmen jenseits normativer Zuschreibungen. Kapitel 2 (S.15–64) bietet eine historisch-systematische An- näherung an den Untersuchungsgegenstand. Dargestellt werden die Entwick- lung des Islam und des islamischen Religionsunterrichts in Österreich sowie zentrale Konzepte religiösen und interreligiösen Lernens. Kapitel 3 (S. 65–94) entfaltet den theoretischen Rahmen. Yağdı verortet den Bourdieu’schen Ha- bitusbegriff in religionspädagogischer Professionalitätsforschung und integ- riert ihn mit der praxeologisch-wissenssoziologischen Perspektive. Kapitel 4 (S.95–114) erläutert methodisches Vorgehen und die Umsetzung der Gruppen- diskussionen. Der dokumentarische Zugang wird schlüssig operationalisiert. Kapitel 5 (S.115–284) stellt den empirischen Kern dar. Die detaillierte Analyse Şenol Yağdı Der religionspädagogische Habitus islamischer Religionslehrer*innen. Eine rekonstruktive Studie zu kollektiven Orientierungsrahmen im Kontext (inter-)religiösen Lernens Wiesbaden: Springer VS, 2025 (Wiener Beiträge zur Islamforschung). 402 Seiten. ISBN: 978-3-658-48073-8 (Print) / 978-3-658-48074-5 (eBook) https://doi.org/10.1007/978-3-658-48074-5 EUR 69,99 Editor: Udo Tworuschka --- Seite 1 Ende --- XVI - 7.6 Şenol Yağdı: Der religionspädagogische Habitus … 2© Westarp Science Fachverlag von vier Gruppendiskussionen ergibt acht zentrale thematische Verdichtungen (u.a. Berufsmotivation, Rollenbilder, strukturelle Herausforderungen, interre- ligiöse Anforderungen). Besonders eindrucksvoll ist die komparative Analyse (ab S.272), in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Orientierungen prä- zise herausgearbeitet werden. Kapitel 6 (S.285–297) bietet eine differenzierte Bilanz, diskutiert die religionspädagogische Relevanz der Ergebnisse und zeigt Implikationen für die Lehrer*innenbildung auf. Insgesamt überzeugt die Studie durch theoretische Tiefenschärfe, empirische Dichte und religionspädagogische Relevanz. Ya ğdı gelingt es, die habituali- sierten Orientierungen islamischer Religionslehrkräfte als reflexionswürdige Ressource für professionsbezogene Bildungsprozesse sichtbar zu machen. Methodisch innovativ ist die konsequente Anwendung der dokumentarischen Methode auf eine bislang unterrepräsentierte Zielgruppe. Forschungssyste- matisch leistet die Arbeit einen doppelten Beitrag: Erstens öffnet sie einen empirisch begründeten Zugang zur islamischen Religionspädagogik, zweitens erweitert sie die Habitusforschung um interreligiöse und migrationssensible Perspektiven. Gerade im Spannungsfeld von Pluralität, normativer Erwar- tung und pädagogischer Praxis eröffnet Yağdı wegweisende Impulse für die Weiterentwicklung religionspädagogischer Professionalität in transkulturellen Kontexten. Eine beeindruckende, wissenschaftlich substanzielle Dissertation, die sich durch empirische Fundierung, methodologische Klarheit und religionspäda- gogische Innovationskraft auszeichnet.
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