Rezension XVI - 7.4
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 81. EL 2024 1
XVI - 7.4 Bert Roebben: Religionspädagogische
Kartographie
Maike Maria Domsel
Als erfahrener Religionspädagoge aus dem flämischen Teil Belgiens lädt Bert
Roebben die Leser*innen ein, sich ihm anzuschließen und gemeinsam auf eine
religionspädagogische Erkundungsreise zu begeben. Sein Werk richtet sich da-
bei vor allem an Forschende und Praktizierende im Bereich der Religionspäda-
gogik sowie an all jene, die sich für die Schnittstelle von Religion, Bildung und
Gesellschaft interessieren. Diese Reise verspricht zahlreiche Entdeckungen,
wertvolle Begegnungen und neue Perspektiven. Besonderes Augenmerk liegt
auf der kontinuierlichen Entwicklung des theologischen und religionspädago-
gischen Feldes, das sich zunehmend in säkularen und pluralen Lebenswelten
entfaltet und von aktuellen Krisen geprägt ist. Dabei werden auch die persön-
lichen Erfahrungen des Autors betont, welche seine theologischen Sichtweisen
maßgeblich beeinflusst haben. Roebben reflektiert über seine eigene Entde-
ckungsreise durch die Religionspädagogik, von seinen frühesten Erfahrungen
bis zu seiner akademischen Laufbahn als Professor. Er betont die Subjektivität
seiner eigenen Perspektive und unterstreicht die Bedeutung, dass auch andere
Leser*innen ihre individuelle Auslegung entwickeln können.
Der Prolog des Werkes dient als Einführung in die vielschichtige Landschaft
der Religionspädagogik, wobei sich sieben thematische Schwerpunkte ergeben,
welche die Struktur des Buches prägen. Beginnend mit dem Thema „Korre-
lation“ untersucht Roebben die theologische Dimension religiöser Bildung in
Bereich Schule und stellt die Frage nach der Gegenwart Gottes im Bildungs-
kontext (S. 9–13). Im zweiten Thema „Inklusion“ werden biblisch-theologische
Grundlagen einer inklusiven Religionspädagogik beleuchtet, wobei der Fokus
auf dem Konzept einer umfassenden Teilhabe liegt (S. 14–28). Das dritte The-
Bert Roebben Religionspädagogische Kartographie Forum Theologie und Pädagogik Bd. 26 LIT Verlag, Münster 2023 Gebunden, 168 Seiten ISBN 978-3-643-15322-7 EUR 19,90
Editor: Maike Maria Domsel
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XVI - 7.4 Bert Roebben: Religionspädagogische Kartographie 2© Westarp Science Fachverlag
ma „Interpretation“ betont die Bedeutung des Dialoghaften als Schlüssel für
ein vertieftes Verständnis religiöser Erfahrungen und Traditionen (S. 29–33).
Im Anschluss widmet sich der Autor dem Thema „Charakter“ zu, indem er aus
pädagogischer, didaktischer und theologischer Perspektive Hoffnung für eine
inklusive Schule generiert (S. 34–46). Die nachfolgenden Themen „Narrati-
on“ und „Performance“ beleuchten die Rolle sakraler Schriften in säkularen
Schulräumen sowie die Zukunft religiöser Bildung in Europa in Zeiten des
Wandels und der Unkonventionalität (S. 47–64, S. 65–69). Im Epilog wird die
Spiritualität und ihre Bedeutung in der Jugendpastoral erforscht (S. 70–82).
Durch eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis führt Roebben die
Leser*innen durch eine Reflexion über die Herausforderungen und Chancen
der religiösen Bildung in der heutigen Zeit. Das Werk schließt mit einem Li-
teraturverzeichnis (S. 83–86) und einem Personenregister (S. 87–97), das die
Erstveröffentlichungen der behandelten Themen nachweist.
Roebben erfasst tiefgründig die fundamentale Bedeutung des internationalen
Wissenstransfers für die Religionspädagogik im deutschsprachigen Raum.
Durch die Verschmelzung seiner internen Perspektive als Professor an einer
deutschen Universität mit seiner externen Sicht als Repräsentant eines stärker
säkularisierten Landes gelingt es ihm, wegweisende Impulse für das Fachge-
biet zu setzen. Seine Analyse der Religionslehrkräfte als „Kinder ihrer Zeit“,
die häufig den Bezug zu religiösen Erfahrungen verloren haben, unterstreicht
die aktuellen Herausforderungen und die dringende Notwendigkeit einer kri-
tischen Auseinandersetzung mit religiösen Konzepten (S. 98).
In seiner akademischen Rolle betont Roebben die Bedeutung der Verletzlich-
keit in zwischenmenschlicher Kommunikation sowie die Kraft des Ausdrucks
in der Muttersprache des Gegenübers. Diese Erkenntnisse eröffnen nicht nur
ein tieferes Verständnis für Hoffnung, sondern veranschaulichen auch die
Werte, die Europa prägen (S. 112). Somit werden Begegnung, Narration und
Sprache als zentrale Elemente der Identitätskonstruktion und interkulturel-
len Verständigung herausgestellt, die transformative Kraft verleihen und eine
inspirierende Perspektive auf die Zukunft bieten. Auf diese Weise wird die
Relevanz von Begegnung, Narration und Sprache als wesentliche Bestandteile
in der Konstruktion von Identität und Verständnis betont, die als Katalysatoren
für Austausch und gegenseitiges Vertrauen dienen und so eine Perspektive auf
die transformative Kraft von Begegnung bieten.
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Der vollständige Artikel umfasst 2 Seiten
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