Fritsch-Oppermann, Fabian Völker: Philosophie der Nondualität. Religionshistorische Einordnung und philosophische Kritik der Buddhismusinterpretation David R. Loys

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Rezension XV - 2.4.2 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 82. EL 2024 1 XV - 2.4.2 Fabian Völker: Philosophie der Nondualität. Religionshistorische Einordnung und philoso phische Kritik der Buddhismus- interpretation David R. Loys Sybille C. Fritsch-Oppermann Fabian Völker war u. a. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Re- ligionswissenschaft und Interkulturelle Theologie der Universität Münster. Derzeit arbeitet und lehrt er, mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Philosophie, am Institut für Interkulturelle Religionsphilosophie der Universität Wien. Zu seinen Forschungsfeldern gehören schwerpunktmäßig Buddhismus und Hin- duismus, aber auch Jainismus und Sikhismus und vor allem die Interkulturelle Philosophie und Transzendentalphilosophie. Der Titel des von Fabian Völker vorgelegten Kompendiums ist so akkurat und zielführend wie seine gesamte Darstellung und auch die einzelnen Ar- gumentationsgänge. Am Beispiel von David R. Loy, einem zeitgenössischen renommierten buddhistischem Autor mit westlichem Hintergrund, widmet sich das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage eines modernen westlichen Buddhismus und seines Beitrages zu transzendentalphilosophi- schen und ethischen Fragen der Gegenwart. Letzterer wird zu Recht unter den Terminus „Philosohie der Nondualität“ subsumiert. Völker gelingt es al- lerdings, sowohl durch die religionshistorische Einordnung als auch durch eine kluge transzendentalphilosophische Kritik der Buddhismusinterpretation Loys und dessen daraus folgenden Handreichungen für eine interkulturelle bzw. buddhistisch-christliche Gegenwartsethik, die Frage einer nicht im Du- alistischen verhafteten Philosophie im Dialog neu aufzugreifen. Die Leser und Leserinnen – und hoffentlich auch die mit diesem Buch arbeitenden Stu- dierenden etc. – bekommen nicht nur einen trotz allen Detailwissens allge- Fabian Völker Philosophie der Nondualität. Religionshistorische Einordnung und philosophische Kritik der Buddhismusinterpretation David R. Loys Verlag Karl Alber 2020 888 Seiten, Hardcover ISBN 978-3495491409 94,00 EUR Editor: Martin Rötting --- Seite 1 Ende --- XV - 2.4.2 Fabian Völker: Philosophie der Nondualität 2© Westarp Science Fachverlag meinverständlichen Überblick über die Geschichte des Buddhismus und die Entwicklungslinien einer nondualistischen Philosophie innerhalb desselben, sondern auch eine Kritik, besonders der westlichen Interpretationen und Ad- aptionen dieser buddhistischen Besonderheit, die immer wieder auf Analogien im westlichen philosophischen Denken zurückgreift. So wird deutlich, dass die philosophischen Auseinandersetzungen mit der Problematik eines rein dualistischen Denkens die Frage nach einer nondualistischen Wirklichkeits- deutung und Wahrheitsfindung durchaus kennen und reflektieren, gleichzei- tig schlägt Völker aber einen in westlicher und buddhistischer Philosophie begründeten transzendentalphilosophischen Ansatz vor, der den Buddhis- mus Loys (bzw. Dogens) wegen seines offenen Transzendenzverlustes kri- tisiert. Aus Letzterem folgt nämlich, so Völker, ein „leerer Phänomenalis- mus“ mit allen seinen philosophischen Schwächen, auch einer überzogenen Lancierung postmodernistischer Reduktionismen als genuin buddhistisch. Damit ist das Grundlegende seiner Kritik an Loy bereits grob zusammen- gefasst: Loy beansprucht mit einer an unterschiedliche religiöse Traditionen anknüpfenden interreligiösen Grundlegung einer Philosophie der Nondualität eine rein phänomenologische und empirische Wirklichkeitsdeutung, vor de- ren Hintergrund er zugleich eine auf die konkreten Herausforderungen der Gegenwart abzielende Sozial- und Umweltethik etabliert. Diese birgt meines Wissens außerdem die Gefahr eines Abgleitens nondualistischer Ansätze in reinen Monismus und, so wiederum Völker, eine extreme Spielart des Nihilis- mus. Mit seiner Kritik an Dogen, Nishitani und, auf ihnen basierend eben auch Loy, führt er uns mitten hinein in eine, wenn nicht die zentrale Problematik innerhalb der buddhistischen Philosophie, wie Leerheit und Buddha-Natur zu verstehen sind. Den Weg Loys lehnt Völker unter Berufung auf frühere und zeitgenössische buddhistische Quellen der Primär- und Sekundärliteratur, auch und gerade aus innerbuddhistischer und transzendentalphilosophischer Pers- pektive im Namen der Notwendigkeit einer Affirmation realer Substanz (skt. dravyasat; chin. shíyǒu; jp. Jitsuu), eines letzten unveränderbaren Grundes ab. Neben einer umfassenden chronologischen Einordnung und systematischen Analyse von Loys Denken, gibt Völker auch einen Überblick über die Be- wegung des sozial engagierten Buddhismus mit den Themenfeldern Mystik, Transpersonale Psychologie, Psychohistorie, Tiefenökologie und Buddhistische Wirtschaftslehre. Völkers eigener Ansatz wird erneut und besonders dann deutlich. Er fordert eine transzendentalphilosophische Verankerung auch jeder philosophischen und allgemeingültigen Ethik und macht vor diesem Hintergrund seine Kritik noch einmal an Loys Auffassung der Buddha-Natur deutlich, die dieser im
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