Friedrich Fenzl XV - 1.4.2
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 53. EL 2017 1
XV - 1.4.2 Friedrich Fenzl – Ein buddhistischer Sozialethiker
Von Volker Zotz
Einleitung
„Wir modernen westlichen Menschen nehmen alles zu selbstverständlich.
In unserem Ich-Dünkel, in unserer faustischen Überheblichkeit der schein-
baren völligen Unabhängigkeit und des präpotenten Anhaftens an unserer
irdischen Allmacht, übersehen wir eine wichtige Eigenschaft echter Reli-
giosität, die mit einem Wort umschrieben wird, das vielleicht in den Ohren
vieler unserer Zeitgenossen altmodisch, aus der Mode gekommen klingen
mag: nämlich Demut.“
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Der Österreicher Friedrich Fenzl (1932–2014), der hier Bescheidenheit und
Hingabe als Aspekte einer religiösen Haltung betont, nimmt im 20. Jahrhundert
einen besonderen Platz unter den Buddhisten des deutschen Sprachraums ein.
Über Jahrzehnte war er ein Vermittler des Mahāyāna, als dieses in Europa unter
buddhistisch Interessierten noch kaum ein Echo fand. Untypisch für westliche
wie asiatische Buddhisten seiner Zeit propagierte Fenzl eine sozial engagierte
und auf den Dienst am Nächsten fokussierte Religiosität, für die er als Aktivist
und in Schriften eintrat.
Darüber hinaus förderte er die Entwicklung der buddhistischen Bewegung,
indem er an der Gründung von Institutionen und Gemeinschaften mitwirkte.
„Fenzl war am Aufbau der Europäischen Buddhistischen Union beteiligt
und 1976 ihr erster Vizepräsident.“
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Er rief 1977 mit der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg die erste derar-
tige Gruppe im Westen Österreichs ins Leben. 1980 gründete er in Wien die
Buddhistische Gemeinschaft Jōdo Shinshū. Fenzl gehörte zu den Initiatoren
der 1983 staatlich anerkannten Österreichischen Buddhistischen Religionsge-
sellschaft. Zudem war ihm der Dialog der Religionen ein Anliegen, wie der
Theologe Perry Schmidt-Leukel formulierte:
„Weil er wusste, dass Mitgefühl unbegrenzt ist, war sein Herz auch von
einer wahrhaft ökumenischen Offenheit geprägt: nicht nur, was die inner-
buddhistische Ökumene betrifft, sondern eben auch die Offenheit unter
den Menschen verschiedener religiöser Traditionen.“
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XV - 1.4.2 Friedrich Fenzl
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Ein Weg zum Buddhismus
Friedrich Fenzl
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kam am 4. November 1932 im kleinen Dorf Kienberg an der
Moldau zur Welt, heute Loučovice in Tschechien. Die wenige Kilometer ent-
fernte Zisterzienserabtei Hohenfurth (Vyšší Brod), das spirituelle und wirt-
schaftliche Zentrum der hügeligen Region des Böhmerwalds, war Fenzl in der
„Kindheit eine ‚Gralsburg‘, die aus dem Morgennebel auftaucht“
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. Als Sohn
eines Berufsschuldirektors wuchs er in einer katholischen Familie auf, der Re-
ligion und Bildung als hohe Werte galten.
Für das Kind war kulturelle wie sprachliche Diversität ein natürlicher Teil des
Alltags. In Südböhmen lebten mehrheitlich Deutschsprachige. Doch bildeten
diese als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung die Minderheit in der Tschecho-
slowakei, mit deren Gründung 1918 Tschechisch und Slowakisch offizielle
Landessprachen wurden.
Die stille Umgebung des Dorfs erlaubte Fenzl in den ersten Lebensjahren in-
tensive Begegnungen mit der Natur und innere Erlebnisse, die er später bud-
dhistisch deutete. So glaubte er,
„schon in aller frühester Kindheit durch ein ungewöhnliches Ereignis – und
das trotz anders gearteter religiöser Erziehung – mit der Problematik der
Wiedergeburt und der Wiedergeburtserinnerung konfrontiert“
worden zu sein.
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Die sorglose Kindheit beendete 1938 das Münchner Abkommen, das Fenzls
Heimat dem Deutschen Reich anschloss. Der Staat hob die Abtei Hohenfurth
auf, was den Menschen ihren geistigen Mittelpunkt raubte. Der Schüler erlebte
schmerzhaft, wie die offiziellen nationalsozialistischen Hassbotschaften das
katholisch geprägte Bewusstsein seines Umfelds herausforderten. Der Zweite
Weltkrieg mündete für die deutschsprachigen Südböhmens schließlich in Ent-
eignung und Vertreibung. Fenzl resümierte später:
„Ich bin im Bombenhagel gelegen, musste Exekutionen miterleben, bin um
mein Leben gerannt (ich war zweimal in meinem Leben Flüchtling) und
habe Hunger und Entbehrungen kennengelernt.“
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Als die Familie in Kuchl im Salzburger Land ein neues Heim fand, blieb der
14-Jährige in innerer Unruhe. Er fühlte sich auf der Suche, ohne zu ahnen, was
ihm fehlte.
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In Bibliotheken suchte er Antworten auf Fragen, die er nicht formu-
lieren konnte. 1949 entdeckte der Siebzehnjährige in der Studienbibliothek der
Salzburger Universität das 1888 erschienene Buch Buddhistischer Katechismus
Westarp Science Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten
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