Kirste, Teresa von Ávila

📖 Leseprobe – 2 von 12 Seiten
Teresa von Avila XV - 1.1.1 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 43. EL 2015 1 XV - 1.1.1 Teresa von Ávila Von Reinhard Kirste Allgemeines Teresa Sanchez de Cepeda y Ahumada, Teresa von Ávila (1515–1582), spielt in der Geschichte der christlichen Spiritualität eine herausragende Rolle, und zwar im Blick auf ihre eigene Frömmigkeit und den wirkungsgeschichtlichen Fortsetzungen. 1 Ihre Beschreibungen des geistigen Lebens, die intensiven Ge- betserfahrungen stellt sie als Entwicklung in der Gottesbegegnung im Angesicht Jesu dar. Sie nannte sich darum selbst Teresa de Jesús. Aber nicht nur ihre spirituelle Intensität war phänomenal. Trotz vieler Krank- heiten entwickelte sie eine immense Aktivität, die sie eine Reihe weiterer Klös- ter gründen ließ. Von Papst Paul VI. wurde ihr am 27.9.1970 als erste Frau der Titel doctor ecclesiae (Kirchenlehrer) verliehen. Man bedenke: In ihrer Zeit war es Frauen verboten zu unterrichten; und 1559 wurden auf damalige päpstliche Anordnung alle ihre Bücher, die in der Muttersprache verfasst waren, verbrannt. Die Inquisition strengte mehrere Prozesse gegen sie an. Heute gehört sie zu den größten Schriftstellerinnen in spanischer (Castellano) Muttersprache und hat für die Feministische Theologie erhebliche Bedeutung. Lebensstadien bis zum Klostereintritt Vorfahren, Familie, gesellschaftliche Situation Teresa wurde am 28.3.1515 geboren – als drittes Kind aus zweiter Ehe des Don Alonso Sánchez de Cepeda. Die Hochzeit der Eltern fand 1509 statt, als Don Alonso 29 Jahre und seine Frau Beatriz erst 14 Jahre alt waren. Die Mutter Beatriz de Ahumada stammte aus altkastilischem Adel, brachte in 19 Jahren 10 Kinder zur Welt. Sie selbst starb mit 33 Jahren im Kindbett. Der Vater Alonso war der Sohn eines reichen jüdischen Kaufmanns. Er gehörte zu den teilweise Zwangsgetauften, den Conversos, eine bis ins 18. Jahrhundert in Spanien diskriminierte Schicht. Aber es war nicht untypisch, dass solche Familien oft versuchten, in altchristliche Familien einzuheiraten. Don Alonso wurde 1485 mit der ganzen Familie unter dem Druck der Inquisition getauft. --- Seite 1 Ende --- XV - 1.1.1 Teresa von Avila 2 Denn 1495 war die endgültige Vertreibung der Juden bei Ablehnung der Kon- version erfolgt. Um der Situation des Misstrauens gegen die konvertierten Juden aus dem Weg zu gehen, zog Alonso mit seiner Familie 1493 nach Avila, wo die Familie relativ unbelastet leben konnte. Kindheit und Jugend Teresas Teresa galt als sehr frommes Kind, das auch von den Eltern zur Frömmig- keit angehalten wurde, und zwar durch die Lektüre entsprechender spiritueller Bücher bzw. durch Vorlesen. Das betraf besonders die Marienverehrung und die Heiligenlegenden. Offensichtlich wurde die Zeit zwischen ihrem 6. und 7. Lebensjahr dadurch intensiv geprägt. Teresa wuchs mit ihrem jüngeren Bruder auf. Sie orientierte sich als Kind be- sonders an Jenseitsfragen und mühte sich um die Entdeckung der Ewigkeit: Sie wollte möglichst bald in den Himmel kommen! Wenn sie sich als erwachsene Frau radikal am Hier und Jetzt ausrichtete, so geschah dies, weil sie erkannte, dass sich eben im Diesseits die Ewigkeit offenbart. Aber bis dahin war es ein steiniger Weg für sie. Als junges Mädchen war sie ausgesprochen beliebt, obwohl sie ziemlich eitel und verwöhnt war. In der Pubertät und auch danach beschäftigte sie sich weni- ger mit den frommen Büchern als vielmehr mit den damals beliebten Ritterro- manen. Für die Eltern war das eher „Schundliteratur<. Als Teenager wendete sie sich also von der bisherigen Frömmigkeitsentwicklung bewusst ab. Der Tod der Mutter und die Heirat der älteren Schwester jedoch setzten in ihrer emotionalen Entwicklung erste Veränderungssignale. Mit 16 Jahren, im Jahre 1531, schickte der Vater Teresa zur weiteren Erziehung in das Kloster der Augustinerinnen in Ávila. Sie musste dieses jedoch 18 Mona- te später wegen Krankheit wieder verlassen. Sie lebte dann einige Jahre wieder bei ihrem Vater und ihrem Onkel Pedro, der ihr den Kirchenlehrer Hieronymus und die Meditationen des Franziskanerpaters Francisco de Osuna näherbrachte. Die innere Veränderung wurde in einem mehrere Jahre dauernden Zwiespalt sichtbar, nämlich ob sie heiraten oder ins Kloster gehen sollte. Nonne zu sein, aber hieß für sie, „jeden einzelnen Knochen zurücklassen müssen<. Westarp Science – Fachverlage
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten