Roloff, Buddhistische Bildungskonzepte in Gemeinde, Schule, Hochschule und Universität

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XIV - 5.4.1 Buddhistische Bildungskonzepte in Gemeinde, Schule, Hochschule und Universität [Buddhist educational concepts in community, school, college, and university] carola roloff Zusammenfassung Das Allgemeinwissen über den Buddhismus in Deutschland lässt stark zu wünschen übrig, so die These dieses Beitrags. Das öffentliche Interesse, das dieser Religion weltweit zukommt, spiegelt sich in deutschen Bildungseinrichtungen nicht wider (Kap. 1). In Asien verlagert sich das Studium des Buddhismus seit vielen Jahren zunehmend von Klosteruniversitäten an öffentliche Universitäten (Kap. 2). In Deutschland ist der Buddhismus nach dem Islam die nächstgroße nicht christliche Religion. Die Geschichte der Buddhismuskunde, auch als Buddhologie bekannt, reicht in Deutschland mindestens bis in das Jahr 1860 zurück.1 Wo und wie wird heute der Buddhismus als Religion gelehrt, sei es an deutschen Hochschulen, im Schulunterricht, in buddhistischen Gemeinschaften für Kinder und Jugendliche oder in der Erwachsenenbildung in buddhistischen Zentren (Kap. 3)? Und welche buddhistischen Bildungskonzepte2 stehen dahinter? Welche Impulse können vom Buddhismus für den Schulunterricht und die Fortbildung von Lehrkräften ausgehen (Kap. 4)? Ein wichtiges buddhistisches Konzept ist das der kontemplativen Bildung, wie sie in Achtsamkeit und Meditation ihren Ausdruck findet, aber der Buddhismus lässt sich nicht darauf reduzieren.3 Schlagwörter: Buddhismus, Religionsunterricht, Bildungsbereich, Gelehrsamkeit, Pluralisierung, Literatur, Studium, Erfahrungsreligion, Erkenntnisreligion, kontemplative Bildung Summary According to the thesis of this article, the general knowledge about Buddhism in Germany leaves much to be desired. German educational institu- Submitted December 08, 2021, and accepted for publication April 01, 2022 Editor: Thorsten Knauth tions do not reflect the public interest in this religion worldwide (chap. 1). In Asia, the study of Buddhism has been increasingly shifting from monastic universities to public universities for many years (chap. 2). In Germany, Buddhism is the next largest non-Christian religion after Islam. The history of Buddhist Studies, also known as Buddhology, dates back at least to 1860 in Germany. Where is Buddhism taught as a religion today, whether at German universities, in school classes, in Buddhist communities for children and young people, or adult education in Buddhist centers (chap. 3)? And which Buddhist educational concepts are behind it? What impulses can come from Buddhism for school teaching and further training of teachers (chap. 4)? The crucial Buddhist idea is contemplative education as expressed in mindfulness and meditation, but Buddhism cannot be reduced to this. Keywords: Buddhism, religious education, educational field, scholarship, pluralization, literature, study, experiential religion, epistemological religion, contemplative education 1 Bildungsstand zum Buddhismus in Deutschland Selbst nach rund 150 Jahren Entwicklungsgeschichte des Buddhismus in Deutschland zeugt das vorherrschende Buddhismusbild in Schulen und in breiten Teilen der Bevölkerung noch immer von wenig grundständiger Kenntnis über diese mehr als 2500 Jahre alte „fernöstliche“ Religion.4 Der österreichische Indologe und Pionier auf den Gebieten der europäischen Buddhismuskunde und indischen Philosophiegeschichte Erich Frauwallner (1898-1974) unterstreicht die Relevanz des Buddhismus, wenn er 1956 in seinem Klassiker Die Philosophie des Buddhismus schreibt, der Impuls, der von Siddhartha Gautama, Ehrentitel: Buddha (um 560-480 v. u. Z.), ausging, sei so stark gewesen, und an seine Verkündigung hätten so bedeutende Denker ihre Systeme angeschlossen, dass die Lehre Buddhas besondere Berücksichtigung verdiene.5 Doch werden im deutschsprachigen Raum überwiegend Behauptungen wiederholt, die dann irgendwann zum Mythos werden. Es sei denn, es wird rechtzeitig über den Bildungsapparat gegengesteuert. Der vorliegende Beitrag soll eine rege Beteiligung an der Buddhismus-Forschung im Bildungsbereich im 21. Jahrhundert initiieren. Welches Klischee über den Buddhismus im Alltag vorherrscht, verrät uns ein Blick auf den ersten Absatz im Editorial von „Buddhismus verstehen“ aus der weitverbreiteten Reihe der SympathieMagazine: Der Buddhismus kennt kein Dogma, keine Hierarchie, keinen Papst, nicht einmal einen heiligen Text. Er gilt als Religion der Einsicht, als Auseinander setzung mit den Grundtatsachen allen Lebens, er gilt als friedliebend, unpolitisch, antiautoritär und tolerant. Manchen Sinn- und Hilfesuchenden erscheint er als Alternative zu den etablierten Religionen - und als Gegenmodell zur überwiegend auf materielles Wachstum ausgerichteten kapitalistischen Lebens- und Wirtschaftsweise.6 Auf solche Aussagen berufen sich auch deutsche Behörden wie z. B. die Kultusministerien, mit denen die Deutsche Buddhistische Union e. V. seit 1985 um Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts ringt.7 Dieses Zitat macht pars pro toto deutlich, wie dringend geboten eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Buddhismus ist. Gäbe es z. B. im Buddhismus keine heiligen Texte, wie erklären sich dann weltweit Ausstellungen und …
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