Zwischen Zerrissenheit und Neuorientierung XIV - 5.1.7
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 80. EL 2024 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Der vorliegende Beitrag beleuchtet die vielschichtige Dynamik des Erinne-
rungslernens im Kontext der Umsiedlung des Dorfes Keyenberg aufgrund
des Braunkohleabbaus. Dabei wird analysiert, wie die Gemeinschaft auf
den Strukturwandel reagiert, mit den Herausforderungen der Zerrissenheit
umgeht und sakrale Erinnerungsräume entstehen. Der christliche Glaube
fungiert hierbei als Referenzpunkt und spiritueller Wegweiser im Umgang
mit Verlust- und Trauererfahrungen, um Perspektiven für religiöse Gemein-
schaften im Wandel zu bieten. Besonderes Augenmerk liegt auf der sensiblen
Balance zwischen dem Bewahren kultureller Erinnerungen, dem Bedürfnis
nach Neuanfang und der Bereitschaft, sich auf diesen Transformationspro-
zess einzulassen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als praktischer Leit-
faden für den Umgang mit Umbrüchen dienen, besonders im schulischen
Kontext mit Kindern und Jugendlichen, die vermehrt mit Verlust- und Trau-
erprozessen konfrontiert sind.
SchlagwörterSchlagwörter
Umsiedlung, Braunkohleabbau, Keyenberg, Zerrissenheit, Passageriten, Erinnerungslernen, sakrale Erinnerungsräume, Transformationsprozess,
religionspädagogische Leitlinien
XIV - 5.1.7 Zwischen Zerrissenheit und Neuorientierung
– Erinnerungslernen am Beispiel der
Umsiedlung des Dorfes Keyenberg (Rheinisches
Braunkohlerevier)
[Between disruption and reorientation – learning
to remember using the example of the
resettlement of the village of Keyenberg (Rhenish
lignite mining area)]
Maike Maria Domsel
Submitted December 01, 2023, and accepted for publication April 01, 2024
Editor: Maike Maria Domsel
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XIV - 5.1.7 Zwischen Zerrissenheit und Neuorientierung 2© Westarp Science Fachverlag
1 Einleitende Worte
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Thematische Hinführung und Problemaufriss
Derzeit präsentiert sich Alt-Keyenberg [Stadtteil von Erkelenz im Kreis Heins-
berg/NRW] im Umfeld des Tagebaus Garzweiler II als wenig frequentierter
Ort. Einst belebte Straßen sind verwaist, Rollläden heruntergelassen, Geschäfte
geschlossen, und die Kirche bleibt unbenutzt und abgeriegelt. Erste Anzeichen
des Verfalls werden sichtbar.
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Die internationale Aufmerksamkeit für Keyen-
berg resultierte aus dem ursprünglich geplanten Abriss und der Umsiedlung
im Rahmen des Braunkohleabbaus. Jedoch führte die vorzeitige Entscheidung
der Bundesregierung für den Kohleausstieg bis
2030 zu einer überraschenden
Wendung. Einige Dörfer wurden vor einer vollständigen Devastation bewahrt,
da die noch zu fördernde Kohlemenge im Vergleich zur ursprünglichen Pla-
nung reduziert wurde. In dieser Situation der Zerrissenheit haben die ehema-
ligen Bewohnerinnen und Bewohner von Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich
und Berverath
– insgesamt etwa 1000 Personen – mehrheitlich ihre Heimatorte
verlassen.
2
SummarySummary
The present contribution examines the complex dynamics of memory lear-
ning in the context of the resettlement of the village of Keyenberg due to lig-
nite mining. It analyzes how the community responds to structural changes,
copes with the challenges of fragmentation, and develops sacred spaces of
remembrance. The Christian faith serves as a reference point and spiritual
guide in dealing with experiences of loss and mourning, aiming to provide
perspectives for religious communities in transition. Special attention is
given to the delicate balance between preserving cultural memories, the
desire for a new beginning, and the willingness to engage in this process
of transformation. The insights gained are intended to serve as a practical
guide for dealing with upheavals, especially in the educational context with
children and adolescents who are increasingly confronted with processes of
loss and mourning.
KeywordsKeywords
Resettlement, lignite mining, Keyenberg, disintegration, passages, memory
learning, sacred, memory spaces, transformation process, theological im-
plications, religious educational guidelines
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Der vollständige Artikel umfasst 26 Seiten
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