Tautz, Interreligiöses Lernen an Förderschulen

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XIV - 5.1.2.2 Interreligiöses Lernen an Förderschulen [Interreligious Learning at Special Schools] Von Monika Tautz Zusammenfassung Der Beitrag befasst sich mit Prozessen interreligiösen Lernens an Förderschulen (in Deutschland ein breit gefächertes System mit bis zu zehn verschiedenen Schulformen). Er ist in drei Teile gegliedert. Zunächst geht es um die spezifische Situation des Religionsunterrichts an Förderschulen, die Chancen und Grenzen interreligiöser Lernprozesse wesentlich prägt: die Herausforderungen von Inklusion (1.1), die Vielfalt der Förderschwerpunkte (1.2) und den Religionsunterricht (1.3). In einem zweiten Schritt werden die damit verbundenen Herausforderungen für interreligiöses Lernen bedacht. Dazu gehört auch die Interdependenz von interkulturellem und interreligiösem Lernen (2.1). Neben dem Religionsunterricht bietet es sich an Förderschulen an, interreligiöse und interkulturelle Begegnung im schulischen Alltag gezielt zu fördern. Hier sollten auch Projekte der Schulpastoral aufgenommen werden (2.2). Im letzten Teil werden in Kürze wichtige didaktische und methodische Konsequenzen bzw. Umsetzungsmöglichkeiten für interreligiöses Lernen aufgezeigt (3.1-3.5). Schlagwörter: interreligiöses Lernen, interkulturelles Lernen, (religiöse) Identität, Schulpastoral, Förderschule, Inklusion, Religionsunterricht, ästhetisches Lernen, Ritual, ethisches Lernen, Religionskunde Summary The following article deals with processes of interreligious learning at schools for mentally or physically handicapped children (in Germany a diversified system of schools for up to ten different types of disabilities). It is divided into three chapters. The first part deals with the specific situation of religious education at schools for mentally or physically handicapped children, which shapes opportunities and limitations of inter-religious learning processes fun- Submitted March 03, 2019, and accepted for publication August 29, 2019. Editor: Michael Klöcker damentally: the challenge of Inclusion (1.1), the diversified system of schools for different types of disabilities (1.2) and religious education (1.3). In the second chapter the challenges for interreligious learning will be considered. The interdependence of intercultural and interreligious learning is part of this (2.1). In addition to religious education, supporting interreligious and intercultural encounters specifically in everyday life may be advisable at schools for mentally or physically handicapped children. Projects of pastoral care in school should also be incorporated (2.2). In a final step didactical and methodical consequences respective opportunities for interreligious education are briefly pointed out (3.1-3.5). Keywords: interreligious learning, intercultural learning, (religious) identity, pastoral care in school, schools for mentally or physically handicapped children, religious education, aesthetic learning, ritual, ethical learning, learning about religion 1 Zur Situation des Religionsunterrichts an Förderschulen In Deutschland gibt es ein breit gefächertes System von Förderschulen mit bis zu zehn verschiedenen Schulformen, einer eigenständigen Sonder-Pädagogik sowie nach Schulformen differenzierte Lehrer- und Lehrerinnenausbildung.1 In Anlehnung an den Begriff der Sonderpädagogik wird auch von Sonderschulen gesprochen. Um die subjektorientierten und auf die Kompetenzen der Lernenden aufbauenden pädagogischen Anliegen dieser Schulart auch sprachlich zum Ausdruck zu bringen, wird im Folgenden der Begriff der Förderschule verwendet. In den letzten Jahren erleben die Förderschulen bundesweit einen großen Wandel, der mit der durchaus spannungsreichen Diskussion um den rechten Umgang mit Heterogenität und Inklusion verbunden ist. Seit der Verabschiedung der UNBehindertenrechtskonvention im Jahr 2006 ist der Begriff der Inklusion „zu einem neuen erziehungswissenschaftlichen und bildungspolitischen Leitbegriff geworden“2 , verbunden mit dem Anspruch einer gleichwertigen Teilhabe aller Menschen am gesamtgesellschaftlichen Leben. _1.1. Inklusion und inklusiver Unterricht_ Der weite und oft auch unscharf verwendete Begriff der Inklusion3 kann auf drei Ebenen unterschieden werden: einer grundlagentheoretischen Ebene, einer Ebene der Regelungen in Form von Normen und Gesetzen und einer Ebene konkreter Maßnahmen.4 Die geläufige Unterscheidung von Inklusion in einem engeren und einem weiteren Sinne vermag für Prozesse interreligiöser Bildung zu sensibilisieren. Geht der weite Begriff von einer gleichberechtigten und (tatsächlich) „gleichen Teilhabe aller an Gesellschaft, Kultur, Politik, Religion, Ökonomie und Bildung, ohne Benachteiligung durch Rasse, Religion, sozialen Status, Lebenskontext, Geschichte“5 aus, so ist der Begriff im engen Sinne „auf pädagogische Verwendungszusammenhänge bezogen“6 . Nimmt die weite Verstehensweise auf kritische Weise gesellschaftliche Geltungsfragen in den Blick, so ist die pädagogische Perspektive auf das Individuum und dessen „Recht auf seinen eigenen Lebensentwurf“7 gerichtet. So wie in einer inklusiven Lehr- und Lernkultur die „Perspektive der Anderen auch im Lichte von Geltungsfragen zu kommunizieren“8 ist, so macht interreligiöses Lernen es sich zur Aufgabe, die vielfach nicht an eine …
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