Morawski, Von der Krise zur Transformation?

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Von der Krise zur Transformation? XIV - 5.1.1.12 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 85. EL 2025 1 ZusammenfassungZusammenfassung Der folgende Artikel befasst sich mit dem Ansatz der transformatorischen Bildung in der allgemeinen Erziehungswissenschaft und der Religionspäd- agogik und geht dabei insbesondere der Bedeutung von Krisenerfahrungen für Bildungsprozesse nach, bei denen die Transformation des Selbst-, Welt-, Fremd- und Gottesverhältnisses im Mittelpunkt steht. Es soll verdeutlicht werden, dass das Programm transformatorischer Bildung von Marotzki und Koller sich nicht nur auf den Bereich der Bildungstheorie beschränkt, sondern versucht, mittels einer bildungstheoretisch orientierten Biografie- forschung die Kluft zwischen Bildungstheorie und Empirie zu überwinden. Davon ausgehend, soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern diese beiden Seiten von Bildung in einem Zusammenhangsverhältnis stehen. Ab- schließend werden Konturen einer Didaktik transformatorischer Bildung für religiöse Bildungsprozesse skizziert. SchlagwörterSchlagwörter Transformatorische Bildung, Krise, religiöse Bildung, empirische Bildungs- forschung, Alteritätstheorie, Geisteskultur XIV - 5.1.1.12 Von der Krise zur Transformation? Der Ansatz der transformatorischen Bildung in der allgemeinen Erziehungswissenschaft und der Religionspädagogik [From crisis to transformation? The approach of transformative education in general educational science and religious education] Marcin Morawski Submitted June 16, 2025, and accepted for publication June 24, 2025 Editor: Udo Tworuschka --- Seite 1 Ende --- XIV - 5.1.1.12 Von der Krise zur Transformation? 2© Westarp Science Fachverlag SummarySummary The following article deals with the approach of transformative education in general educational science and religious education, focusing particularly on the significance of crisis experiences for educational processes where the transformation of self-, world-, other-, and God-relationships is central. It aims to demonstrate that the transformative education program by Marotzki and Koller is not limited to the field of educational theory but attempts to bridge the gap between educational theory and empirical research through educationally oriented biographical research. Based on this, the article explo- res how these two sides of education are interconnected. Finally, it outlines the contours of a didactic approach to transformative education in the context of religious educational processes. KeywordsKeywords Transformative education, crisis, religious education, empirical educational research, theory of alterity, intellectual culture 1 Die Bedeutung von Krisen in transformatorischen Bildungsprozessen A ngesichts einer zunehmend komplexer werdenden und „zutiefst erschütter- ten“ Welt, verbunden mit gesellschaftlichen Umbrüchen und Krisen verschie- dener Art, stellt sich die Frage, inwiefern Krisenerfahrungen nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Anlass gesehen werden können, um Bildungs- prozesse anzustoßen. In der gegenwärtigen Allgemeinen Erziehungswissenschaft findet man in der Theorie transformatorischer Bildung ein Bildungsverständnis, in dem der Krisenbegriff eine zentrale Rolle spielt. Es sind insbesondere die Arbeiten von Winfried Marotzki, Hans-Christoph Koller und Helmut Peukert, in de- nen Bildung als Transformation des Selbst-, Welt- und Fremdverhältnisses angesichts von Krisenerfahrungen bestimmt wird. Peukert, ein Grenzgänger zwischen Erziehungswissenschaft und Theologie, bezieht dabei auch das Got- tesverhältnis mit ein. Sowohl Peukert als auch Marotzki und Koller stellen ihren Bildungsansätzen eine Analyse der kritischen Situation des (post-)modernen Menschen voraus. Dies bedeute nicht, dass es sich bei Krisen und Transformationsprozessen um nie zuvor da gewesene Phänomene handeln würde, jedoch sei die massive Zu- nahme von Krisenerfahrungen ein Symptom hochkomplexer und postmoder-
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