Von der Christonormativität zur Kompar. TheologieXIV - 5.1.1.10
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 85. EL 2025 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Dieser Beitrag schlägt einen interdisziplinären Ansatz innerhalb der Kom -
parativen Theologie zur Thematisierung von kulturellem Rassismus in der
Religionspädagogik (RP) vor. Dabei wird die nuancierte Dynamik des religi-
ösen Ausdrucks hervorgehoben, die in multikulturellen und antirassistischen
Pädagogiken oft übersehen wird. Anhand von Fallstudien aus Deutschland,
England und den USA wird die Analyse von zwei Kernannahmen geleitet:
erstens von der anhaltenden Dominanz des christlichen Privilegs und der
Christonormativität und zweitens von der Prävalenz von Mikroaggressionen,
die von Fürsprecherinnen und Fürsprechern ausgehen und denen Schülerin-
nen und Schüler aus religiösen Minderheiten ausgesetzt sind. Unter Zuhil-
fenahme von Tariq Modoods Konzept des kulturellen Rassismus , von Gerd
Baumanns Unterscheidung zwischen dominanten und demotischen Diskur-
sen und von Reinhold Boschkis pädagogischem Rahmen des Erinnerungs -
lernens kritisiert der Beitrag die stark vereinfachten rassischen Binaritäten,
die in der antirassistischen und multikulturellen Bildung vorherrschen. Diese
Binaritäten marginalisieren oft den religiösen und kulturellen Pluralismus
und führen zu einer unbeabsichtigten Kulturalisierung, die Stereotype und
Mikroaggressionen aufrechterhält. Wenn sich die RP von ihrem rassifizier-
ten und kulturellen Kontext distanziert, neigt sie dazu, eine losgelöste Form
der religiösen Bildung zu produzieren, die ihre Verstrickungen mit der Ge-
schichte des Kolonialismus, mit der christonormativen, weißen Identitäts-
politik und mit sozialen Konflikten vernachlässigt. Die RP muss sich ihrer
Mitschuld an der Aufrechterhaltung systemischer Ungleichheiten stellen,
XIV - 5.1.1.10 Von der Christonormativität zur Komparativen
Theologie: Auf dem Weg zu einem inklusiven
Modell der Religionspädagogik in Deutschland
[Overcoming Cultural Racism in Religious
Education: Comparative Theology as a Response
to Microaggressions and Colonial Structures]
Geneva Blackmer & Abdul Basit Zafar
Übersetzt von Raphaela Djalili & Edgar Alexander
Betz
Submitted March 17, 2025, and accepted for publication June 24, 2025
Editor: Maike Maria Domsel
--- Seite 1 Ende ---
XIV - 5.1.1.10Von der Christonormativität zur Kompar. Theologie 2© Westarp Science Fachverlag
SummarySummary
This paper proposes for an interdisciplinary approach within comparative
theology to address cultural racism in religious education (RE), emphasizing
the nuanced dynamics of religious expression often overlooked in multicul-
tural and anti-racist pedagogies. Using the educational contexts of Germany
primarily, England, and the USA as case studies, the analysis is guided by
two core assumptions: first, the persistent dominance of Christian privilege
and Christo-normativity; and second, the prevalence of “spokesperson” mic-
roaggressions experienced by students from religious minority backgrounds.
By incorporating Tariq Modood’s concept of cultural racism, Baumann’s
distinction between dominant and demotic discourses, and the pedagogical
framework of memory learning, the paper critiques the oversimplified racial
binaries that dominate anti-racist and multicultural education. These binaries
often marginalize religious and cultural pluralism, resulting in unintended
culturalization that perpetuates stereotypes and microaggressions. RE, when
stripped from its racialized and cultural contexts, tends to produce a disem-
bedded form of religious literacy that neglects its entanglement with histo-
ries of colonialism, identity politics, and social conflict. As such, RE must
confront its complicity in upholding systemic inequalities by interrogating
how interfaith dialogue can unwittingly reproduce cultural racism. For RE to
contribute to constructive social transformation, especially in Western plura-
listic societies, it must become explicitly interdisciplinary, comparative, and
indem sie hinterfragt, wie der interreligiöse Dialog unbewusst kulturellen
Rassismus reproduziert. Damit die RP zu einem konstruktiven sozialen
Wandel in einer pluraler werdenden deutschen Gesellschaft beitragen kann, muss sie ausdrücklich interdisziplinär, vergleichend und epistemisch offen werden. Dieser Wandel erfordert pädagogische und curriculare Reformen, die darauf abzielen, Mikroaggressionen abzubauen und integrative, kritisch
vergleichende Lernumgebungen zu fördern, in denen sich Lernende un-
abhängig von ihren Familien- und Herkunftsgeschichten gleichberechtigt
engagieren können.
SchlagwörterSchlagwörter
Antirassistische Bildung, Christonormativität, Erinnerungslernen, multi-
kulturelle Bildung, Komparative Theologie, Mikroaggression, kultureller
Rassismus, Religionspädagogik, Fürsprecherin/Fürsprecher
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Der vollständige Artikel umfasst 24 Seiten
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