Mendl, Religiöse Bildung im 21. Jahrhundert: Grenzen der Subjektorientierung angesichts gesellschaftlicher Umbrüche?

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Religiöse Bildung im 21. Jahrhundert XIV - 5.1.1.5 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 83. EL 2025 1 ZusammenfassungZusammenfassung Die große Bedeutung, die das Prinzip der Subjektorientierung in der Religi- onspädagogik impliziert, ist vor dem Hintergrund der Befreiungsgeschichte des Subjekts seit der Aufklärungszeit zu verstehen. Mit der Konzeption eines starken Subjekts setzte man sich pädagogisch und religionspädago- gisch vom kirchlich lange dominanten Modell einer Bildung ab, das auf Wissensvermittlung, Prägung und Einpassung hin angelegt war. Im Zuge der Entfaltung dieses Globalprinzips einer Subjektorientierung wurden normative Ansprüche weitgehend ausgeblendet oder gar negiert. Dies kann an vielen Modellvorstellungen aus der religionspädagogischen Theoriebil- dung gezeigt werden. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass in den letzten Jahren ‒ in ganz unterschiedlichen Schattierungen und häufig sehr rigide formuliert ‒ verschiedene Formen normativer Vorgaben in den gesellschaft- lichen Diskurs eingebracht werden. Im pädagogischen Bereich wird dies am deutlichsten in den pädagogischen Konsequenzen, die vor dem Hintergrund der ökologischen Krise gezogen werden und zu stark normativ aufgeladenen Konzepten einer nachhaltigen Bildung führen. Angesichts dessen erscheint es als notwendig, einerseits über die systemischen blinden Flecken nachzu- denken, die mit einer einseitigen Subjektorientierung verbunden sind, und andererseits, sie so weiterzuentwickeln und auszudifferenzieren, dass damit die massiven gesellschaftlichen Umbrüche adäquat pädagogisch angegangen werden können.SchlagwörterSchlagwörter Subjektorientierung, Normativität, Bildung für nachhaltige Entwicklung, ökologische Krise, Emanzipation, Anthropozentrismus, Menschenbild XIV - 5.1.1.5 Religiöse Bildung im 21. Jahrhundert: Grenzen der Subjektorientierung angesichts gesellschaftlicher Umbrüche? [Religious education in the 21st century: The limits of subject-orientation in the face of social upheaval?] Hans Mendl Submitted August 23, 2024, and accepted for publication November 25, 2024 Editor: Maike Maria Domsel --- Seite 1 Ende --- XIV - 5.1.1.5 Religiöse Bildung im 21. Jahrhundert 2© Westarp Science Fachverlag 1 Das mündige Subjekt als Konstrukt der Aufklärung 1 .1  Kant und die Folgen Vor 300 Jahren wurde in Königsberg der Philosoph Immanuel Kant geboren (22.04.1724 bis 12.02.1804). Mit ihm verbindet sich die Epoche der Aufklärung, die durchaus als Zeitenwende bezeichnet werden kann. Kants berühmte Beant- wortung der Frage, was Aufklärung sei, nämlich der Ausbruch des Menschen aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit, verbunden mit dem Zuspruch, den Mut zu haben, den eigenen Verstand zu gebrauchen, prägen Ausgangs- und Zielpunkt unseres Verständnisses dessen, was Aufklärung bedeutet. 1 In Ab- grenzung zu einem absolutistischen Politik- und Gesellschaftsmodell, in dem soziale Rollen und Hierarchien als determiniert erschienen, fokussierte sich zunehmend der Blick auf den einzelnen Menschen als ein Individuum hin. Was SummarySummary The great importance that the principle of subject orientation implies in reli- gious education must be understood against the background of the subject’s history of liberation since the Enlightenment period. The concept of a strong subject distanced itself pedagogically and religiously from the long domina- ted ecclesiastical model of education, which was aimed at imparting know- ledge, shaping and fitting in. In the course of the development of this global principle of subject orientation, normative claims were largely ignored or even negated. This can be seen in many models from religious education theory formation. At the same time, it can be observed that in recent years various forms of normative requirements have been introduced into social discourse in very different shades and often very rigidly formulated. In the educational area, this is most evident in the pedagogical consequences that are drawn against the backdrops of the ecological crisis and lead to highly normatively charged concepts of sustainable education. Against this back- drop, it appears necessary, on the one hand, to think about the systemic blind spots that are associated with a one-sided subject orientation, as well as to further develop and differentiate them so that the massive social upheavals can be adequately addressed educationally. KeywordsKeywords Subject orientation, normativity, education for sustainable development, eco- logical crisis, emancipation, anthropocentrism, image of humanity
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