Islamisch geprägte Medizinethik im deutschspr. RaumXIII - 14.10
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 84. EL 2025 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Islamisch geprägte Medizinethik im deutschsprachigen Raum (Deutschland,
Österreich und die Schweiz) ist ein eher rezentes Phänomen. Erst in den
vergangenen ca. 30 Jahren lässt sich eine zunehmende Auseinandersetzung
deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit der islamischen Sicht auf
Themen zum Lebensanfang und -ende erkennen. Dabei wurden zunächst
vorwiegend primärtextliche Aussagen in Koran und Sunna, ihre Interpretati-
on durch muslimische Rechts- und Religionsgelehrte sowie ihre Umsetzung
in der Gesetzgebung arabischer Staaten thematisiert. Erst nach und nach
fanden auch die medizintechnischen Errungenschaften ab dem ausgehenden
20. Jahrhundert und die damit verbundenen medizinischen und ethischen
Fo
lgen Berücksichtigung. Zugleich wird dem Erfordernis einer kultur- und
religionssensiblen Begegnung mit muslimischen Patientinnen und Patienten
sowie einer muslimischen Seelsorge mehr und mehr Beachtung geschenkt.
Der vorliegende Beitrag zeichnet die Forschungslinien zur islamisch gepräg-
ten Medizinethik zwischen Lebensanfang und -ende im deutschsprachigen
Raum seit dem Ende des 20.
Jahrhunderts nach. Im Ergebnis steht ein Über-
blick über aktuelle Forschung im Bereich islamisch geprägter Medizinethik sowie mögliche zukünftige Handlungsfelder.
SchlagwörterSchlagwörter
Medizinethik, Islam, Lebensanfang, Schwangerschaftsabbruch, Prä-
nataldiagnostik, Genforschung, Lebensende, künstliche Beatmung,
Sondenernährung, Organtransplantation
XIII - 14.10 Islamisch geprägte Medizinethik im
deutschsprachigen Raum
[Islamic Medical Ethics in the German-speaking
Region]
Beate Anam & Hadil Lababidi
Submitted August 29, 2024, and accepted for publication January 28, 2025
Editor: Serdar Kurnaz
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XIII - 14.10Islamisch geprägte Medizinethik im deutschspr. Raum 2© Westarp Science Fachverlag
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Islamisch geprägte Medizinethik im deutschsprachigen Raum – namentlich
Deutschland, Österreich und Schweiz – ist ein eher rezentes Phänomen.
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Erst
in den vergangenen ca. 30 Jahren lässt sich eine zunehmende Auseinanderset-
zung deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit dem islamischen Blick
auf Themen zum Lebensanfang und -ende erkennen. Diese Entwicklungslinie
nachzuzeichnen und damit einen Überblick über die bisherige Forschung zu
bieten, ist Ziel des vorliegenden Beitrags. Inhaltlich fokussierte jene zunächst
vorwiegend primärtextliche Aussagen in Koran (Qurʾān) und Sunna (sunna) ,
ihre Interpretation durch muslimische Rechts- und Religionsgelehrte (ʿulamāʾ,
Sg. ʿālim) sowie ihre Umsetzung in der Gesetzgebung arabischer Staaten und
in der Türkei.
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Vor allem die erstgenannten Aspekte fanden auch Eingang
in öffentliche Stellungnahmen muslimischer Verbände (in erster Linie des
Zentralrats der Muslime [ZMD]) im deutschsprachigen Raum.
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Zunehmend
SummarySummary
Islamic medical ethics in the German-speaking region (Germany, Austria
and Switzerland) is a rather recent phenomenon. Only in the past 30 years
German-speaking authors have increasingly addressed topics relating to the
beginning and end of life in connection with Islam. Initially, the focus was
mainly on respective statements in the Quran and Sunnah, their interpreta-
tion by Muslim legal and religious scholars and their implementation in the
legislation of Arab states. From the late 20th century onwards, achievements
in medical technology and the medical and ethical consequences connected
to it were also taken into account. At the same time, the need for culturally
and religiously sensitive interaction with Muslim patients as well as Mus-
lim spiritual care became increasingly important. This article outlines the
research on Islamic medical ethics between the beginning and end of life in
German-speaking countries since the end of the 20th century. Thus, it gives
an overview over current research in the field of Islamic medical ethics and
potential fields of action in the future.
KeywordsKeywords
Medical Ethics, Islam, Beginning of Life, Abortion, Prenatal Screening,
Genetic Research, End of Life, Artificial Respiration, Tube Feeding, Organ Transplantation
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Der vollständige Artikel umfasst 24 Seiten
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