Umbanda im deutschsprachigen Raum XII - 8
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 56. EL 2018 1
XII - 8 Umbanda im deutschsprachigen Raum
(Schweiz, Österreich, Deutschland)
Von Inga Scharf da Silva
Zusammenfassung
Die Umbanda ist eine afrobrasilianische Religion, die am Anfang des 20.
Jahrhunderts im Bundesstaat von Rio de Janeiro als Neuschöpfung von af-
rikanischen, indigenen und europäischen religiösen Elementen entstanden
ist. Dies wird in einem Ursprungsmythos berichtet. Da sie eine schriftlose
Religion ist, ist sie undogmatisch, oral überliefert und praxisbezogen. Die
Struktur der Umbanda beruht auf autonomen, kleinen Gemeinschaften und
ihnen übergeordneten Dachverbänden zur Interessenvertretung. Die Verbin-
dung und Kommunikation mit einer jenseitigen Welt wird über die Inkorpo-
ration von Caboclas und Caboclos (indigenen Geistwesen Brasiliens) und
Pretas Velhas und Pretos Velhos (afrikanischen Geistwesen aus Brasiliens
Kolonialzeit) sowie anderen spirituellen Entitäten hergestellt, indem personale
Medien in Trance fallen. Durch diese Trancemedien sprechen die spirituellen
Entitäten mit Besuchern der Umbanda-Rituale.
Der Beitrag stellt eine Kartographie der Umbanda im deutschsprachigen
Raum Europas (Schweiz, Österreich und Deutschland) vor und fokussiert
auf das Fallbeispiel des Ilê Axé Oxum Abalô mit einem Mutterhaus in den
Schweizer Bergen von Appenzell mit Ablegern in Zürich, St. Gallen, Bern,
Graz, Wien und Berlin. Es wird der Bezug der Gottheiten und Geistwesen zu
Naturelementen und zu den Menschen beschrieben. Aufgabenbereiche und
Entwicklungsstufen im Einweihungsweg der Mitglieder sowie Re-Afrikani-
sierungsbestrebungen der Umbanda werden an diesem Beispiel im mitteleu-
ropäischen Raum vorgestellt.
Schlagwörter
Afrobrasilianische Religion, Ilê Axé Oxum Abalô, Terra Sagrada, Ursprungs-
mythos, Orixás, Reafrikanisierung, spirituelle Entitäten, Trance.
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XII - 8 Umbanda im deutschsprachigen Raum
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Summary
Umbanda is an Afro-Brazilian religion that emerged in the state of Rio de
Janeiro at the beginning of the 20th century. A myth of its origin relates
the spiritual system as an amalgamation and re-creation of African, indi-
genous and European religious elements. Since Umbanda is a non-written
religion, it is non-dogmatic, orally transmitted and practice-related, with
a structure based on autonomous, small communities and superordina-
ted parent umbrella organizations for advocacy. Connecting and commu-
nicating with a beyond world is accomplished through the engagement of
Caboclas and Caboclos (indigenous spirits of Brazil), along with Pretas
Velhas and Pretos Velhos (African spirits from Brazil's colonial era) and
other spiritual entities as personal media fall into trance. Through these
trance media, the spiritual entities talk to visitors of the Umbanda rituals.
This essay presents a cartography of Umbanda as practiced in German-spea-
king Europe (Switzerland, Austria and Germany) that focuses on a case study
of the Ilê Axé Oxum Abalô with a mother house in the Swiss mountains of
Appenzell, as well as its offshoots in Zurich, St. Gallen, Bern, Graz, Vienna
and Berlin. This case study of Umbanda in its Central European manifesta-
tions examines the relation from deities and spirits to nature and to human
beings, areas of responsibility and development stages in the initiation of
members and the ongoing re-Africanization efforts inherent in the Umbanda.
Keywords
Afro-Brazilian religion, Ilê Axé Oxum Abalô, Terra Sagrada, myth of origin,
Orixás, re-Africanization, spiritual entities, trance
„Afrika konservierte ein Wissen, uralte Wissensschätze“
„Meine Liebe, Reinheit ist ein Luxus, und die Sklaven nehmen sich, was
sie kriegen. Aber sie rächen sich. Inzwischen haben sie schon mehr Weiße
eingefangen, als Sie sich träumen lassen. […] Afrika [hat] die Einflüsse
der gesamten mediterranen Religiosität in sich auf[genommen] und be-
wahrte sie, verdichtete sie. Europa wurde verdorben vom Christentum der
Staatsräson, Afrika konservierte ein Wissen, uralte Wissensschätze […]“
(Umberto Eco
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)
Westarp Science Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 19 Seiten
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