## **XII - 6 Die Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG)**
SYLVIA PAETZOLD-SIEWERT
Entwicklung der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft
Die Geschichte der GGG ist unlösbar verbunden mit Professor Ludwig Fahrenkrog (1867-1952) aus Barmen (Wuppertal), Dichter und Maler, der aus einer baptistisch geprĂ€gten Familie kam. Von 1898 bis 1931 ist er als Lehrer an der Barmener Kunstgewerbeschule tĂ€tig. Mit dem Maler Fidus (eigtl. Hugo Höppener, 1868-1948) verbindet ihn Freundschaft, aber auch die Ausarbeitung religiöser Motive (unter dem Einfluss kultureller Gegenbewegungen) in seinen GemĂ€lden. Hierbei mischt er naturalistisch-pagane mit christlichen Themen, sodass GemĂ€lde wie Baldur segnet die Fluren (1905) entstehen - hier erinnert die Darstellung des jugendlichen Lichtgottes an Jesus am Kreuz. Daneben verfasst er auch Gedichte und Dramen, wobei letztere der NaturnĂ€he wegen auf WaldbĂŒhnen aufgefĂŒhrt werden.
Nachdem Fahrenkrog 1900 aus der Kirche ausgetreten war, verfasste er 1906 die Geschichte meines Glaubens . Sein religiöses Welt- und Menschenbild verbreitet er in Zeitschriften wie Der Weihwart und Der Volkserzieher . Basis dieses Weltbildes ist die âManifestation einer einheitlichen Weltenseele in Kunst, Religion, Natur und Naturerkenntnisâ1 . Da diese Weltenseele fĂŒr jeden Menschen intuitiv begreifbar sei, werde auch kein Priester als Vermittler gebraucht. Unklar ist, in wieweit dies lediglich als die Ablehnung des christlich verstandenen Priestertums zu verstehen ist, richtete Fahrenkrog doch von Anfang an ein Priestertum mit Weihwarten und ihm als Hochwart ein.
Vielmehr wird als dem germanischen Menschen typisch hervorgehoben, dass er frei und selbstĂ€ndig denke und bete. Die Abwendung vom Priestertum ist ein Glied in einer Kette der dezidierten Ablehnung des Christentums; dazu gehören auĂerdem die positive Darstellung Lucifers als âein Sinnbild der Revolte, der Selbsterkenntnis und des SelbstbewuĂtseinsâ2 , die Kritik an der schwĂ€chlichen Illustration der Rettergestalt Jesu, vor allem aber der Vorzug eines einheimischen Glaubens vor einer importierten Fremd-Religion.
Kunst an sich verstand Fahrenkrog als nationale Sache wie âAusdruck der Rasseâ. Laut U. Albel forderte er als erster das sog. Blutsbekenntnis in seiner Gemeinschaft.
Dem widerspricht, dass die Vereinigung mit der DeutschglÀubigen Gemeinschaft (DG) scheiterte, da diese - im Gegensatz zur GGG - dieses Bekenntnis forderte. Erst spÀter findet sich dieser Passus dann auch in der Satzung der
GGG, wahrscheinlich, um einen zukĂŒnftigen Zusammenschluss mit der DG nicht zu verhindern.
H.F.K. GĂŒnther (âRasseforscherâ in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, âRassegĂŒntherâ) zeichnet gar eines seiner GemĂ€lde mit dem âPrĂ€dikat ânordischââ aus. Die Umsetzung religiöser Themen blieb jedoch nicht bei der Malerei stehen, sondern weitete sich auch auf die Architektur aus: eine heilige StĂ€tte in Form eines Doms wurde in der hessischen Kleinstadt Witzenhausen geplant. Hier sollten Kunst, Religion, Natur und Naturerkenntnis vereint werden - nicht wie die Dramen naturnah auf WaldbĂŒhnen, vielmehr eingefangen in einem monumentalen SteingebĂ€ude.
Fahrenkrogs religiöses Welt- und Menschenbild
Basis fĂŒr Fahrenkrogs religiöses Weltbild ist die Vorstellung einer innigen Verbundenheit eines Volkes mit der es umgebenden Natur. DemgemÀà beeinflusse die AuĂenwelt (Natur) die Innenwelt (Seele, Wesen) âihrerâ Menschen: âDer Wald steht synonym fĂŒr die Natur, in ihr sei die deutsche Seele beheimatet und hier fĂ€nde sie Gott. Im Land seiner VĂ€ter könne der Germane die Kraft des Glaubens an sich selber finden.â3 Der naturhaft-âgrĂŒnenâ germanischen Religion stellt Fahrenkrog die âWĂŒstenreligionâ des Christentums gegenĂŒber, die eben dort praktiziert werden solle, wo sie herkĂ€me. Bei einer Verbindung Natur-Volk und der Unterscheidung in Klimazonen ist folgerichtig der nĂ€chste Schritt, dass es auch unterschiedliche Arten, i.e. Rassen, von Menschen gebe, analog zum Tier- und Pflanzenreich. In beiden habe diese Unterscheidung in unterschiedliche Rassen ihre Berechtigung. Beim Menschen aber wird diese Vorstellung mit einer evolutionistischen Idee verknĂŒpft: Fahrenkrog verwendet das Nietzsche-Zitat âNicht fort sollst Du Dich pflanzen, sondern hinauf!â4 . Das sei weniger âgenetischâ als vielmehr âethischâ zu verstehen. âEr sagte auch: Wir sind kein HundezĂŒchterverein, sondern eine Religionsgemeinschaft.â, GĂ©za von NemĂ©nyi (Hochwart der âŠ
âïž Ende der Leseprobe âïž
Der vollstÀndige Artikel umfasst 15 Seiten
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