Rechte Elemente in neuen Religionen XII - 2.3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 56. EL 2018 1
XII - 2.3 Rechte Elemente in neuen Religionen:
Germanische neue Medizin
Von Christiane Königstedt
Zusammenfassung
Die „Germanische Neue Medizin“ (GNM), nach Geerd Ryke Hamer entstand
in den 1980er Jahren und geriet schnell, in erster Linie wegen der Ableh-
nung schulmedizinischer Behandlungen von Krebserkrankungen und damit
zusammenhängenden Todesfällen, negativ in die Medien, hat aber bis heute
Anhänger. Während Referenzen zur „klassischen“ Nazi-Esoterik fehlen, äu-
ßerte sich Hamer wiederholt antisemitisch und die GNM wird beobachtbar
in neurechten Kreisen rezipiert. Wie beides in Verhältnis zueinander steht,
wurde jedoch noch nicht systematisch untersucht. Deshalb wird die GNM
hier in einem ersten Schritt als Methode alternativer Heilpraxis verstanden
und als neureligiöse Bewegung im weiteren Sinne mit ihren ursprünglichen
Protagonisten, Inhalten, der Organisation ihrer Rezipienten sowie dazuge-
hörigen Skandalen beschrieben. In einem zweiten Schritt werden erst nach
einigen methodologischen und konzeptionellen Überlegungen zur „Neuen
Rechten“ und „Rechtsextremismus“, inhaltliche Affinitäten und personelle
Verbindungen der GNM zu neurechten Milieus auf der Basis von Hamers
Äußerungen und der dortigen, beobachtbaren Rezeption skizziert.
Schlagwörter
„Germanische Neue Medizin“, Geerd Ryke Hamer, alternative Heilmethoden,
Neue Rechte, Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien
Summary
The ‘Germanic New Medicine’ (GNM), by Geerd Ryke Hamer was crea-
ted in the 1980s. It gained critical media attention primarily because of
the rejection of conventional medical treatments for cancer and related
deaths, but still has supporters. While references to the ‘classical’ Nazi-
esotericism are missing, Hamer repeatedly expressed himself in an anti-
Semitic way and the GNM can be observed to have supporters particular-
ly in far-right milieus. However, the relationship between the two has not
yet been systematically investigated. For this reason, GNM is, in a first
step, understood here as a method of alternative healing practice and new
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XII - 2.3 Rechte Elemente in neuen Religionen
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religious movement in the broader sense, and described with its original
protagonists, contents, the organization of its recipients and associated
scandals. In a second step, and only after some methodological and con-
ceptual reflections on the ‘new right’ and ‘right-wing extremism’, content-
related affinities and linkages of the GNM to new right-wing milieus are
outlined based on Hamer's statements and the observable reception there.
Keywords
‘Germanic New Medicine’, Geerd Ryke Hamer, alternative healing methods,
New Right, right-wing extremism, conspiracy theories
1. Einleitung
Die „Germanische Neue Medizin“ (GNM) nach Geerd Ryke Hamer entstand
in den 1980er Jahren und geriet schnell, in erster Linie wegen der Ablehnung
schulmedizinischer Behandlungen von Krebserkrankungen und damit zusam-
menhängenden Todesfällen, negativ in die Medien. Die GNM hat trotzdem bis
heute, und zunehmend international, Anhänger. Hamers Äußerungen enthalten
höchstens indirekte Referenzen zur „klassischen“ Nazi-Esoterik,
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allerdings
vertrat er eindeutig antisemitische Positionen und seine Methode und sein
Weltbild zeigen sich ideologisch und in der Praxis in politisch rechten Milieus
nachhaltig anschlussfähig. In ihrer Organisationsform und dem Anspruch an
ganzheitliche Heilung kann die GNM in das weite Feld des vormaligen „New
Age“ oder gegenwärtiger Esoterik eingeordnet werden. Durch den Fokus auf
Hamer als Stifter, der mit seinen Ideen sowie den Konsequenzen seiner Heilme-
thode stark aneckte, verliert sich der diffuse Charakter eines „Klientenkultes“
jedoch stellenweise, zumal ein offenes Vertreten von Hamers weltanschaulichen
Positionen für die gegenwärtige „Mainstream“-Esoterikszene wenig charakte-
ristisch konfliktträchtig ist. Da bis jetzt nur wenig systematische Forschung zum
Thema vorliegt, wird die GNM hier in einem ersten Schritt als eine Methode
alternativer Heilpraxis verstanden und als neureligiöse Bewegung im weiteren
Sinne mit ihren ursprünglichen Protagonisten, Inhalten, der Organisation ihrer
Rezipienten sowie dazugehörigen Skandalen beschrieben. In einem zweiten
Schritt werden erst nach einigen methodologischen und konzeptionellen Überle-
gungen zur „Neuen Rechten“ und „Rechtsextremismus“, inhaltliche Affinitäten
und personelle Verbindungen der GNM zu neurechten Milieus auf der Basis
von Hamers Äußerungen und der dortigen beobachtbaren Rezeption skizziert.
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Der vollständige Artikel umfasst 19 Seiten
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