Frenschkowski, Die Scientology Kirche (Church of Scientology) und ihre kulturgeschichtlichen Hintergründe

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Die Scientology Kirche (Church of Scientology) und ihre kulturgeschichtlichen Hintergründe MARCO FRENSCHKOWSKI Zur Bezeichnung Die Selbstbezeichnung in Deutschland ist Scientology Kirche e.V. Der Begriff „Scientology“ (im Deutschen von Scientologen gerne auch mit fem. Artikel verwendet) stammt jedoch nicht erst von dem Gründer der Scientology Kirche L. Ron Hubbard, der ihn seit 1952 öffentlich,1 aber nach eigenen Aussagen schon seit 1938 in seinen persönlichen Aufzeichnungen benutzt.2 Das Wort als solches ist seit 1907 in wechselnden Bedeutungen belegt. Die Ähnlichkeit mit einem dt. Buchtitel der 1930er Jahre (Anastasius Nordenholz: Scientologie. Wissenschaft von der Beschaffenheit und der Tauglichkeit des Wissens, München 1934 bzw. mit dem Untertitel: System des Wissens und der Wissenschaft, München 1937) ist vielleicht nur zufällig, obwohl es einige inhaltliche Ähnlichkeiten gibt (Hubbard konnte Deutsch nicht lesen). Im Folgenden wird die Selbstbezeichnung Scientology Kirche (engl. Church of Scientology) bzw. allgemein Scientology verwendet. Dieser Begriff (lat. scientia + griech. logia) wird von Hubbard als „knowing how to know“ erklärt und allgemeiner definiert als „The study and handling of the spirit in relationship to itself, universes and other life“.3 Aus einer kritischen Außenperspektive wird die Scientology Kirche im deutschen Sprachraum auch als Scientology-Organisation, Scientology-Bewegung, Scientology-Konzern u.ä. bezeichnet. Dahinter steht das Bestreben, der Scientology Kirche den als „ehrwürdig“ empfundenen Begriff Kirche und überhaupt die Religionshaftigkeit abzusprechen, und eine inhaltliche Kritikwürdigkeit bereits begrifflich zu präjudizieren. Da „Kirche“ („church“) eine auch sonst durchaus über den christlichen Kontext hinaus verwendete Bezeichnung religiöser Gemeinschaften ist, dürfte es religionswissenschaftlich nicht legitim sein, anstelle der eingeführten Selbstbezeichnung grundsätzlich einen Substitut-Terminus zu verwenden, der von Mitgliedern der Scientology Kirche als unangemessen betrachtet wird, zumal der religionswissenschaftliche Sprachgebrauch auch sonst Religionsgemeinschaften ihre Selbstbezeichnung als Referenzbegriff nicht verweigert. Scientology hat niemals behauptet, in irgendeiner Weise eine christliche Kirche zu sein, sondern beansprucht den Status einer eigenen, neuen Religion. Die kritischen Anfragen gegenüber der Scientology Kirche sind von dieser begrifflichen Frage nicht berührt. Gründerpersönlichkeit und Geschichte der Scientology Kirche Die Scientology Kirche ist nicht nur von dem Amerikaner L. Ron Hubbard begründet, sondern auch in Lehre und Praxis in großer Ausschließlichkeit durch ihre Stifterpersönlichkeit geprägt. Ihre heutigen Leitungsgremien - insbesondere das „Religious Technology Center“ (RTC) - legen größten Wert darauf, Hubbards „Technologien“ (d.h. die religiöse Praxis) rein und „unverfälscht“ zu bewahren (analog etwa zum Theologumenon einer „abgeschlossenen Offenbarung“). Daraus ergibt sich u.a., dass interne Veränderungen in Scientology i.A. nur als Entfaltung der durch Hubbard gesetzten Impulse wahrgenommen werden, und sich die Frage nach den kulturellen Hintergründen von Scientology auch tatsächlich weitgehend mit derjenigen nach der Biografie Hubbards überschneidet. Dieser gilt dabei nicht als „Offenbarer“ oder Prophet, sondern eher als Erforscher der Terra incognita des menschlichen Geistes und als Entdecker und Kartograph eines spirituellen Befreiungsweges, auf dem andere Menschen folgen können. Scientologen sind ihrem Gründer (intern gerne „Ron“ genannt) oft in einer Mischung aus Respekt und Zärtlichkeit zugetan; Standing ovations und Händeklatschen „für Ron“ haben die Dignität religiöser Rituale erhalten. Jede Scientology Kirche enthält ein eingerichtetes Büro für L. Ron Hubbard als Zeichen seiner andauernden Präsenz; Porträtbilder sind allgegenwärtig. Eine rituelle Verehrung im engeren Sinn existiert jedoch nicht. Lafayette Ron Hubbard wurde am 13. März 1911 in Tilden, Nebraska als Sohn eines Offiziers der US-Navy geboren.4 Hubbard verbringt seine Kindheit u.a. in der ländlichen Umgebung von Helena, Montana, macht aber schon als Jugendlicher Reisen nach China, Japan und mehrfach auf die Pazifikinsel Guam, wo sein Vater ab 1927 stationiert ist. 1930-1932 studiert er Ingenieurwissenschaften an der George Washington University (Washington, D.C.), macht aber keinen Abschluss, sondern betätigt sich als (durchaus erfolgreicher) Unterhaltungsschriftsteller in zahlreichen Genres, v.a. Science Fiction und Fantasy, aber auch Kriminalroman und Western. Erzählungen wie „The Dangerous Dimension“ (1938), „Ole Doc Methuselah“ (Zyklus, 1947-50), „To the Stars“ (1950) und „The Masters of Sleep“ (1950) antizipieren manche Ideen des späteren Scientology-Systems, u.a. mit einem Ideengeflecht um die Unabhängigkeit des Geistes von der Materie. Hubbard ist dreimal verheiratet (zuletzt mit Mary Sue Whipp, die längere Zeit der …
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