Schumann, Grundbegriffe

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VIII Asiatische bzw. von Asien ausgehende Gruppen und Bewegungen Einführung in den Hinduismus Grundbegriffe Von Alice Schumann Was ist Hinduismus und was nicht? Allein der Versuch, den Hinduismus in irgendeiner Weise einzu gren zen, stößt auf Grenzen. Denn eine genaue Definition für den Hin du ismus zu fin den, fällt nicht nur Angehörigen anderer Religionen schwer, son dern häufig auch den Hindus selbst. Festlegungen und Ein gren zun gen sind das, was beim Hin duismus gegenüber allen an de ren Weltreligionen fehl am Platze zu sein scheint. Deshalb kann nur der Ver such einer Definition geleistet werden, wenn zunächst aus ge schlossen wird, was Hinduismus nicht ist, um nicht gleich wieder in Speku la tionen zu verfallen, von denen es zahlreiche gibt. Die Bezeichnung Hindu soll von Persern stammen, die im 11. Jahrhundert den indischen Norden eroberten. So nannten sie alle, die jen seits des Flusses Indus ansässig waren. Durch die dauerhafte Prä senz erobernder und missio nie render Religionen, die durch Dogmen und Reli gions stifter fest ge legt wa ren, wie der Islam und das Chris ten tum (ab dem 15. Jahrhundert), wurde dieser Begriff von den so Be zeich neten selbst angenommen, wodurch ersichtlich war, dass sie zumindest kei ne Musli me oder Chris ten waren. Obwohl sie bis dato keinen An lass darin sahen, sich religiös abzugrenzen, gilt für viele indi sche Hin dus noch bis heute, dass nur jemand, der in Indien gebo ren wurde und sich weder zum Islam noch zum Christentum be kennt, ein Hindu ist. Oft wird der Hinduismus als ein Konglomerat zahlreicher Stammes reli gio nen definiert. Zum einen ist diese Bezeichnung problema tisch, weil alle HinduRichtungen sich bei näherer Betrachtung in Philo so phie und Liturgie doch sehr ähneln, und zum anderen, wenn man die neo hinduistischen Be we gun gen zwi schen Mitte des 18. und Ende des 19. Jahrhunderts betrachtet: Die Begegnung mit europäischen Missio na ren und ihren klaren Glau bens bekenntnissen ent fachte bei den Hin dus eine Rück be sinnung auf die be drohten ethisch-religiösen Werte. Fi nan ziell und kul turell gebeu telt von Fremdherrschern und Kolo nia lis ten, die im Ge gen satz zu den ur sprüng lichen Bewoh nern des Subkon ti nents kaum reli giö se To le ranz, sondern eher politischen Prag ma tis mus ge paart mit religiö sen Abso lu tis men an den Tag leg ten, war es für viele Hindus an der Zeit, ihre ei ge ne Iden tität zu dekla rie ren. Es ent stan den Bewe gun gen, deren Wunsch es war, die eige ne Reli gion zu defi nie ren und zu re for mieren. Zu den be kanntesten Re formbe we gungen des Neo hin du is mus ge hören die Brahmo Samaj (1828), die Arya Samaj (1875) und die Ra ma krishna-Mission (1897). Einer ihrer Vertreter war der hin du isti sche Mönch und Gelehrte Vive ka nanda (1863-1902), Grün der der wohltätigen Ramakrishna-Mission. Erst seit Ramakrishnas Wort mel dung beim Weltpar lament der Religio nen anlässlich der Welt aus stellung in Chi ca go 1893, bei der er aus drücklich den Hinduismus gegenüber anderen Religionen defi nier te, gilt der Hin du ismus als „Welt religion“. In dieser Rede drückt er seinen Stolz aus, einer Religion anzugehören, die der Welt Tole ranz und universelle Ak zep tanz lehrt. Seine Nation habe Flüchtlin gen und Verfolgten aller Reli gi o nen auf der Erde Zuflucht und Schutz gewährt, da der Hindu is mus alle Religionen als Wahrheit akzeptiere.1 Doch worin liegen nun die Aspekte, die von allen Hindus gemeinsam vertreten werden? Zu den bekann testen zählt der Schlüs sel begriff Dharma. Neben vielen weiteren kommt ihm die Bedeu tung „Be stimmung“ zu. Wie es z. B. der Dharma des Wassers ist, flüssig zu sein, so ist der Dharma des Men schen, nach der Wahrheit bzw. dem Höchsten zu suchen. Sich selbst betrach ten die Gläubigen deshalb als Vertreter des Sana ta na Dhar ma (sanatana = ewig). Daher wird der Hinduis mus häufig als Univer salreligion definiert. Dabei spielt es we ni ger eine Rolle, ob es sich bei dieser Wahrheits suche um eine per sön liche Gottheit (Monotheis mus), die unper sönli che, göttliche Aus strah lung (Monismus) oder um mehrere Götter (Po ly the is mus) handelt. Ge rade beim Pfad des Bhakti-Yoga (Yoga der Hingabe), der sich be son ders im Neohindu is mus ( Bhakti-Refor mer ) her vor tat, wird deut lich, dass es weniger da rauf an kommt, wen oder was man verehrt, son dern in wel chem Bewusstsein oder mit wel cher Ernsthaftigkeit man seine Re li gion ausübt. Da für den Hindu das Göttliche allgegenwärtig ist, kann es sich dem Gläubi gen auch in einer Figur, in einem Fluss (z. B. Ganga oder Ya muna), im …
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