Neumüller, Dokumentation: Der Liberal-Islamische Bund e.V.

📖 Leseprobe – 2 von 7 Seiten
Dokumentation: Der Liberal-Islamische Bund e.V. - Vorstellung, Aktivitäten und Ziele Vertreterinnen und Vertreter eines liberalen und zeitgemäßen Islam haben seit dem Sommer 2010 ein neues Sprachrohr: Der Liberal-Islamische Bund e. V. [LIB e. V.] ist ein gemeinnütziger religiöser Verein mit derzeitigem Sitz in Duisburg. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, muslimische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und Europa entsprechend ihren Interessen und religiösen Vorstellungen zu vertreten. Der LIB e. V. hat sich gegründet, weil die Mehrheit der schon existierenden muslimischen Organisationen einem eher traditionell islamischen Leitbild folgt, unter dem sich liberale MuslimInnen nicht gebührend in ihren religiösen Überzeugungen repräsentiert fühlen. Der LIB e. V. wurde gegründet, um diese Interessen wirkungsvoll auf nationaler, aber auch internationaler Ebene, zu vertreten. Der Bedarf nach einem solchen Sprachrohr liberaler MuslimInnen und dem Islam positiv zugewandten Nicht-MuslimInnen für gleichermaßen interessierte MuslimInnen und NichtmuslimInnen erschließt sich, in dem der LIB e. V. für das Angebot eintritt, all jenen Muslimen Stimme und Forum zu geben, welche „offen sind für einander widersprechende Blickwinkel“. Unter „liberal-islamisch“ verstehen die LIB-Mitglieder vor allen Dingen eine „vernunftsoffene Gläubigkeit“, die anderen Menschen mit „Respekt und Wertschätzung“ begegnet, die „Widersprüche“ aushält und die das „Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit voraussetzt“. Aus diesem Grundverständnis heraus bedeutet dies, dass seitens der Muslime beziehungsweise des Islam gegenüber „anderen Religionen kein exklusiver Wahrheitsanspruch geltend gemacht werden darf“. Einzige Voraussetzung des LIB e. V. ist, von seinen muslimischen Mitgliedern zu verlangen, zum islamischen Bekenntnis an „den Einen Gott sowie den Glauben an Muhammad als Gesandten Gottes“ zu stehen. Bei allem, was über diesen Kern hinausgeht, darf dogmatische und kulturelle Einheit weder Ziel noch Voraussetzung sein. Ansonsten sollen sich die Mitglieder ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen machen, denn „der Verstand ist ein Geschenk Gottes“. Es soll keine Einschränkungen geben; der Glaube soll nach eigenem Gewissen und Verständnis gelebt werden. Der LIB e. V. tritt für einen theologischen Pluralismus ein und bekennt sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung; er möchte der schweigenden Mehrheit der Muslime eine Stimme geben, die keine fundamentalistischen, dogmengetreuen und traditionellen Positionen vertreten, sondern frei nach dem Motto „Leben und leben lassen“ ihr Leben im Sinne ihres Glaubens und Gewissens verstehen. Der LIB e. V. setzt sich dafür ein, dass MuslimInnen Koran und Sunna frei von Angst, nach eigenem Gewissen und offen interpretieren dürfen. Er fordert die Akzeptanz und Gleichbehandlung unterschiedlicher und selbstbestimmter Lebensgestaltungen entlang der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz und ist überzeugt, dass die Förderung eines innerislamischen Pluralismus gleichzeitig einen Beitrag zu einer pluralistischen deutschen und europäischen Gesellschaft insgesamt leistet. Die liberalen MuslimInnen wünschen sich eine Anlaufstelle wie auch eine angemessene Vertretung ihrer Interessen, welche religiös mit ihrem kulturellen Verständnis übereinstimmen. Der LIB e. V. vereinbart diese Interessen wie auch die zeitgemäße Auslegung des Islam auf theologischer Basis. Wichtig zu wissen ist, dass sich der LIB e. V. nicht als Gegenbewegung, sondern als Erweiterung zu den meist traditionell-konservativen Islamverbänden in Deutschland versteht. Zu den Hauptanliegen des Vereins gehört unter anderem eine dogmenfreie Auslegung des Koran, welche unter Berücksichtigung historischer, kultureller, biografischer und sozialer Kontexte unterschiedlich verstanden werden muss. Außerdem ist es dem LIB e. V. von großer Bedeutung eine umfassende Geschlechtergerechtigkeit , die sich in Pädagogik und Theologie widerspiegeln müsste, wie auch einen flächendeckenden islamischen Unterricht in deutscher Sprache an staatlichen Schulen zu erreichen und zu unterstützen. Viele MuslimInnen, die in Deutschland und Europa heimisch sind, fühlen sich nicht mehr allein durch das Islamverständnis der Herkunftsländer ihrer Eltern angesprochen. Auch viele zum Islam Konvertierte fühlen sich nicht ausreichend durch schon bestehende …
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 7 Seiten