Tworuschka, Die Frau im Islam

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Die Frau im Islam Von Monika Tworuschka Zur Problemstellung Die Frage nach der Stellung der Frau ist ein familien- und gesellschaftsbezogenes Problem. Sie impliziert gleichzeitig die Frage nach der Stellung des Mannes und danach, welchen Stellenwert und welche Rechte und Pflichten beide Geschlechter in der Gesellschaft und gegenüber einander haben.1 Das Bild von der muslimischen Frau ist im Westen seit Jahrhunderten von stereotypen Vorstellungen geprägt. Frühere europäische Kritiker glaubten zu wissen, dass die Frau im Islam keine Seele besäße und damit weit unter dem Mann stände. Sie dürfte nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen (Stichworte: Schleier und Harem) und sie müsste sich im Bereich des Familienrechts den Interessen des Mannes unterordnen (Polygamie, Scheidung).2 Solche negativen Vorstellungen im Westen werden genährt durch die weitverbreitete Realität in islamischen Gesellschaften, die gängige Rechts praxis sowie durch Phänomene wie Misshandlung von Frauen, Zwangsheirat, Ehrenmord und Mädchenbeschneidung.3 Erfreulicherweise nimmt die Anzahl der Artikel zu, die Hintergründe erläutern, das Thema vielschichtig und komplex behandeln sowie zu Recht Entgleisungen und Fehlverhalten islamischer Männer gegen ihre Frauen anprangern. Jedoch lastet ein Teil diese Beiträge die Schuld an den genannten Missständen einseitig dem Islam an, ohne genügend auf politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gründe hinzuweisen. In vielen Fällen unterscheidet sich das Wahrnehmungsmuster westlicher Betrachter gegenüber dem Islam und damit auch der Stellung der Frau in dieser Religion gegenüber anderen Religionen und Kulturen.4 Eine große Zahl von Muslimen fühlt sich durch diese einseitige Betrachtung wiederum in die Defensive gedrängt, sodass sie in einem Übereifer an Vereidigung ihrer Position oft Äußerlichkeiten und Details überbetonen, dadurch aber das Wesen der islamischen Religion und die koranische Grundidee in den Hintergrund treten lassen. Daher sind islamische AutorInnen, die sich mit der westlichen Kultur auseinandersetzen, leider oft ebenso einseitig. Aus einer Angst, die eigenen Kinder könnten unter unislamischen Einfluss geraten, wird die westliche Gesellschaft einseitig verurteilt, manchmal geradezu verteufelt. Bereits seit dem 19. Jahrhundert werden in den islamischen Ländern, auch unter dem Einfluss westlicher Frauenbewegungen, kontroverse Diskussionen über diese Phänomene geführt. Dies hat zu einem größeren Verständnis darüber geführt, was von den oben genannten Phänomenen kulturabhängig und was originär islamisch ist. Viele Erfolge zugunsten der Frau bzw. zur Unterbindung der Willkür des Mannes konnten bereits erzielt werden, wurden aber im Zuge des sich intensivierenden Islamismus zum Teil wieder rückgängig gemacht. Die Stellung der Frau im Islam variiert von Land zu Land, und innerhalb einzelner Länder spielt das Stadt-Land-Gefälle eine beträchtliche Rolle. Viele die Frau betreffenden Verhaltensweisen und Tabus sind nur partiell religiös bedingt. Mannigfache kulturelle Faktoren, auch Bestandteile eines vorislamischen Gewohnheitsrechts, sind für eine Gesamtbeurteilung zu berücksichtigen. Auch der ausgeprägte Ehrbegriff in Bezug auf weibliche Familienangehörige hat seine Ursachen nicht ausschließlich im Islam. Es handelt sich um typische Merkmale patriarchalischer Gesellschaften, die zudem im christlichen Orient, im orthodoxen Judentum und in Ländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung (Spanien, Italien, Lateinamerika) anzutreffen sind.5 Aussagen des Koran Es stellte ein wichtiges Anliegen des Koran dar, in einer Zeit, in der nicht nur auf der Arabischen Halbinsel, sondern in nahezu allen Kulturen die Entrechtung der Frau die vorherr schende gesellschaftliche Tendenz war, der Frau eine rechtlich abgesicherte und bessere Stellung einzu räumen. Bezeichnend dafür ist das Koranverbot, weibliche Säuglinge zu töten. Der Erfolg ist jedoch dadurch beschränkt geblieben, dass sich die traditionellen, vom Koran bekämpften Gesellschaftsstrukturen wieder festigen konnten. Auch erreichte Teilerfolge wurden wiederholt - nicht überall - zurückgenommen. Der Koran trifft keinen Wertunterschied zwischen Mann und Frau. Beide wurden in gleicher Weise aus einem Wesen geschaffen: „Und es gehört zu seinen Zeichen, dass Er euch Partner aus euch (Menschen) schuf, auf dass ihr Frieden (innere Ruhe / / sukunat) bei ihnen fändet; und Er hat Zuneigung und Barmherzig keit zwischen euch gesetzt.“ (30,21) In diesem Sinne heißt es allgemein in Sure 4,1: „Ihr Menschen! Fürchtet euren Herrn, der euch aus einem einzigen Wesen geschaffen hat, und der aus ihm einen Partner und aus ihnen beiden viele …
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