Kam, Die ādāb al-baḥṯ als Verbindungsscharnier zwischen Dialogischer Theologie und Komparativer Theologie?

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Die** _**ādāb al-baḥṯ**_ **als Verbindungsscharnier zwischen Dialogischer Theologie und Komparativer Theologie? Reflexionen zur Systematik des Dialogs aus muslimischer Perspektive [The ādāb al-baḥṯ as a connecting hinge between Dialogical Theology and Comparative Theology? Reflections on the Systematics of Dialogue from a Muslim Perspective] Hureyre Kam Zusammenfassung Die Dialogische Theologie (DT) und die Komparative Theologie (KT) sind die erfolgversprechendsten Dialogkonzepte, die derzeit in Deutschland entwickelt werden. Während die KT in der katholischen Theologie verwurzelt ist und einem vergleichend systematischen Ansatz nachgeht, versucht die DT einen multiperspektivischen Ansatz fruchtbar zu machen, bei dem das Dialoggeschehen im Fokus steht. Ein Dialogkonzept aus dezidiert muslimischer Perspektive, die mit diesen beiden Konzepten ins Gespräch gebracht werden kann, ist ein Desiderat. Diesem Bedarf will der vorliegende Beitrag nachgehen, indem die ʿilm ādāb al-baḥṯ wa-l munāẓara (ABM) als ein möglicher Ansatz für die Entwicklung eines modernen Dialogkonzepts vorgestellt wird. Dieser Ansatz wird bisher nicht beachtet, da die ABM als ein apologetisches Debattenmodell verstanden wird. Dieser Beitrag stellt dies in Frage und reflektiert über die Möglichkeit der Fortschreibung der ABM , indem sie mit der DT und KT ins Gespräch gebracht wird. Schlagwörter: Interreligiöser Dialog, Dialogische Theologie, Komparative Theologie, ā dāb al-baḥṯ wa-l munāẓara , Diskursethik Submitted May 10, 2023, and accepted for publication July 08, 2023 Editor: Serdar Kurnaz Summary Dialogic Theology (DT) and Comparative Theology (CT) are the most promising concepts of dialogue currently being developed in Germany. While CT is rooted in Catholic theology and pursues a comparative systematic approach, DT tries to make a multi-perspective approach fruitful. A concept of dialogue from a decidedly Muslim perspective, which can be brought into conversation with these two concepts, is a desideratum. This paper aims to address this need by presenting the ʿilm ādāb al-baḥth wa-l munāẓara (ABM) as one possible approach to developing a modern concept of dialogue. This approach has not received attention to date because the ABM is understood as an apologetic model of debate. This paper challenges this and reflects on the possibility of updating the ABM by bringing it into conversation with DT and CT. Keywords: Interreligious Dialogue, Dialogical Theology, Comparative Theology, ādāb al-baḥth wa-l mun āẓara , Discourse Ethics 1 Einleitung Im Zuge des Säkularisierungsprozesses westlicher Gesellschaften ging man davon aus, dass Religionen mit der Zeit an Bedeutung verlieren und in Zukunft nur eine marginale Rolle für die Menschen spielen würden.1 Diese Annahme hat sich als eine Fehleinschätzung herausgestellt. Religionen sind weiterhin zentral für die meisten Menschen und das trotz sinkender Zahlen der Mitgliedschaft in Kirchengemeinden.2 Die Forschung hat deshalb ihre Grundannahmen bezüglich der Funktion der Religion in industrialisierten und säkularen Staaten revidiert und stellt sich nun vielmehr die Frage „nach den Möglichkeiten und Grenzen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion und Kultur“3 . Es geht heute also vielmehr um das Problem einer funktionsfähigen und harmonischen Gesellschaft vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden ethnischen, kulturellen und religiösen Pluralisierung. Dass das Interesse an interkulturellen und interreligiösen Dialogkonzepten wächst, ist daher nur natürlich. Es ist eine Folge des Bestrebens, die Komplexität moderner Gesellschaften zu regulieren und Ergebnis eines gesellschaftlichen Desiderats nach Zusammenhalt und Identität. Was aber will Dialog und wie trägt er zu einer friedvolleren Gesellschaft bei? Befördert er nicht vielmehr, entgegen seiner Absicht, die Konflikte und Brüche in der Gesellschaft auf die Oberfläche, wenn er ansonsten gänzlich fremde Personen über die gegenseitige Befremdung reflektieren und die Unterschiede plastisch werden lässt? Denn im Dialog, und insbesondere im interreligiösen Dialog, geht es auch immer um die Wahrheitsfrage, also um den jeweils (absoluten) Wahrheitsanspruch der verschiedenen Parteien. Wenn Dialog nämlich als theologisches Programm ernst genommen und systematisch betrieben wird, dann lassen sich Konflikte und Debatten über die Wahrheitsfrage nicht vermeiden. Jede Weltanschauung und Religion zieht ihre Legitimität und Identität schließlich aus dem eigenen Wahrheitsanspruch.4 Was wir als Prinzipien des Dialogs festsetzen, hängt mit der Frage zusammen, welche Ziele wir verfolgen und welches Erkenntnisinteresse uns antreibt. Wann ist Dialog also als erfolgreich anzusehen und wo verläuft die Grenze zwischen Dialog und Debatte bzw. Disput? Kann z. B. auch die erhitzte Debatte zwischen den GesprächsteilnehmerInnen als integraler Teil des Dialogs verstanden werden? Zwar scheint es nur natürlich zu sein, auch den Streit als eine legitime Form des …
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