Kaweh, Islam in Deutschland – Geschichtlicher Abriss

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Islam in Deutschland - Geschichtlicher Abriss Von Silvia Kaweh Die ersten Muslime kamen als Kriegsgefangene und sogenannte „Beutetürken“ in den Jahren 1686 bis 1698 infolge der zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 mit der Schlacht am Kahlenberg nach Deutschland und an verschiedene Fürstenhöfe. Die Zahl der türkischen Kriegsgefangenen ging bis in die Hunderte. Einige Muslime konvertierten zum Christentum oder kehrten auch in ihre ursprüngliche Heimat zurück. Die Muslime, die in Deutschland geblieben waren, hinterließen - wenn überhaupt - eine Grabstätte. Die ältesten noch erhaltenen Grabstätten bzw. Grabsteine sind die des sechsjährigen Mustaf in Brake (1689) sowie die von Hammet und Hassan auf dem Neustädter Friedhof in Hannover (1691).1 Im 18. Jahrhundert kamen nochmals Muslime nach Deutschland. Diesmal aber als Soldaten, die im preußischen Heer dienten. Eine zeitgenössische Quelle stellt klar, dass sich diese Muslime auch 1739 meist nur zeitlich begrenzt im nicht islamischen Ausland aufgehalten haben. Samuel Gerlach (1711-1786) meint in seinen „Collectaneen“, die 1883 in den Mittheilungen des „Vereins für die Geschichte Potsdams“ abgedruckt wurden: „Den 22 großen Türken, welche dem in der Folge unglücklichen Herzog von Curland, in dem Kriege, welchen Rußland mit den Türken führte, in die Hände gerathen waren und die dieser Herzog A. 1739 unserm Könige zum Präsent machte, ward, ihren Muhamedanischen Gottesdienst abzuwarten im Königlichen Waysenhause auch ein eigenes Zimmer angewiesen, und wer weiß, was der König mehr gethan hätte, wenn er sie hätte behalten wollen, sie wurden aber aus Königlicher Großmuth allesammt wieder auf freyem Fuß gestellet und mit Geschenken wieder in ihr Vaterland zurück geschickt.“2 Erst Friedrich der Große erlaubte es den Muslimen, unter Zusicherung ihrer Glaubensfreiheit, im Land zu bleiben. Er warb tatarische Muslime aus Polen für die preußische Armee an und pflegte diplomatische Beziehungen und Handelskontakte zum osmanischen Reich unter Sultan Mahmud (1730-1754). Friedrichs Einstellung zu Religionen ist unter anderem überliefert auf einem Faksimile mit seinen handschriftlichen Notizen: „Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr das Auge darauf haben, das keine der anderen abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden. Fr.“3 Muslimische Soldaten der verschiedensten ethnischen Couleur (darunter auch bosnische Muslime) beteiligten sich an den folgenden Preußenkriegen, an denen sie als Schwadronen oder auch als eigenes Regiment („Ulanenregiment“) teilnahmen. Seit 1763 hielt sich in Berlin eine ständige osmanische Gesandtschaft auf. Für den dritten osmanischen Botschafter, den Dichter und Mystiker Ali Aziz Efendi, der 1797 nach Berlin kam und ein Jahr später dort starb, legte die preußische Regierung einen muslimischen Grabplatz in der Tempelhofer Feldmark in Berlin (heute Kreuzberg) an. „Dieser Friedhof war die erste islamische Begräbnisstätte Mitteleuropas“.4 1804 starb ein weiterer Botschaftsangehöriger des osmanischen Reiches, Mehmet Esad Efendi. Auch er wurde am selben Ort bestattet. Da diese Grabflächen einer Kaserne weichen mussten, schenkte Friedrich Wilhelm I. dem osmanischen Staat ein anderes Gelände angrenzend an den „Neuen Garnisonsfriedhof“ am Columbiadamm. Dorthin wurden die mittlerweile fünf muslimisch Begrabenen umgebettet. Mit der Reichsgründung 1871 verstärkten sich die politischen Bemühungen um den Orient. So gelangten durch diese Kontakte schon im 19. Jahrhundert neben Diplomaten auch Händler und Studenten nach Deutschland, die Kaufleute, Forscher, Schriftsteller waren.5 Auch kämpften im Ersten Weltkrieg türkische Muslime auf deutscher und österreichischer Seite, die auf dem muslimischen Gelände beigesetzt wurden. Deshalb erhielt der osmanische Friedhof am Columbiadamm den Namen „Türk Schehidlik“, „Türkischer Märtyrer“ (-Friedhof).6 Muslime im Ersten Weltkrieg Im südlich von Berlin gelegenen Ort Wünsdorf befand sich das sogenannte „Halbmondlager“ zur Internierung kriegsgefangener muslimischer Araber, Inder und Afrikaner (darunter auch Hindus und Sikhs). Diese sogenannten „Kolonialvölker“ aus den Entente-Armeen wurden auf Veranlassung der deutschen Reichs- und Heeresleitung dort zusammengefasst. Wenige Kilometer nördlich davon entfernt, baute man in Zossen ein zweites Lager (Weinberglager). Christliche Georgier, Muslime aus Russland, meist Tataren, internierte man dort.7 Ca. 15.000 Kriegsgefangene sollen es bis zum Jahr 1916 gewesen sein.8 Im Halbmondlager errichtete man 1915 die erste „richtige“ Moschee Deutschlands, die Wünsdorfer Moschee. Dies geschah nicht ganz ohne Hintergedanken; denn man wollte muslimische Kriegsgefangene dazu bringen, für die mit Deutschland …
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