„Orientalisch sein“ in Deutschland II - 6.2.6
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 64. EL 2020 1
Zusammenfassung
Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise bereichern Christen aus dem
„Orient“ die Religionslandschaft in Deutschland, vielmehr blicken sie auf
eine längere Geschichte. Jene Gemeinschaften, die in Folge der christolo-
gischen Kontroverse sich aus der Reichskirche herauslösten und fortan als
syrisch-orthodoxe Christen, Armenier, Kopten, Mitglieder der Kirche des
Ostens, eritreisch oder äthiopisch-orthodoxe Christen ihren Glauben zwi-
schen Euphrat und Nil, Persischem Golf und afrikanischem Hochland lebten,
kamen gerade auch aufgrund krisenhafter Zustände und religiöser Verfolgun-
gen nach Deutschland. Mit viel Engagement gestalten sie christliches Leben
in der Diaspora zwischen Identitätsbewahrung und Assimilation.
Schlagwörter
Orient, Migrationskirchen, Identität, Assimilation
II - 6.2.6 „ Orientalisch sein“ in Deutschland.
Or ientalisch-orthodoxe Migrationsgemein-
s chaften in Deutschland – Ein- und Überblicke
[“Being Oriental” in Germany.
O riental-Orthodox Migration Communities in
G ermany – Insights and Overviews]
Von Claudia Rammelt
Submitted February 14, 2020, and accepted for publication March 27, 2020
Editor: Regina Polak
Summary
Not only since the so-called refugee crisis Christians from the “Orient” en-
rich the religious landscape in Germany, but they look back onto a longer
history. Those communities that broke away from the imperial church as a
result of the Christological controversy, live their faith as Syriac Orthodox
Christians, Armenians, Copts, members of the Church of the East, Eritrean or
Ethiopian Orthodox Christians, between the Euphrates and the Nile, Persian
Gulf, and the African Highlands and came to Germany especially because
of crisis conditions and religious persecution. With great commitment, they
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II - 6.2.6 „Orientalisch sein“ in Deutschland
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Westarp Science – Fachverlage
0 Einleitung
Die Faszination für den „Orient“
1
ist in Reiseberichten des 19. Jahrhunderts
groß. In zumeist schillernden Farben werden Landschaften, Städte und Eindrü-
cke beschrieben. Das Fremde und Andere wurde wahrgenommen, die Christen
des „Orients“ aber nicht selten mit abwertenden Worten beschrieben: starr,
mit leeren Zeremonien, abergläubisch.
2
Durch vielschichtige Prozesse sind
die Christen des „Orients“ in Gemeinden in Frankfurt am Main, Berlin, Köln
und an vielen anderen Orten Deutschlands anzutreffen. Dort sind sie oft nicht
weniger fremd, als sie für die Missionare einst zwischen Alexandria und dem
Urmia-See waren. Wenn in Herne eine syrisch-orthodoxe Liturgie gefeiert wird
oder eritreische Christen in Gera trommeln, begegnen eine Vielfalt an Riten
und Gebräuchen, die dem protestantischen Christentum Deutschlands weniger
vertraut ist.
Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise bereichern Christen aus dem
„Orient“ die Religionslandschaft in Deutschland, vielmehr blicken sie oft auf
eine längere Geschichte. Weder die Forschung bildet das Bild der Realität in
Deutschland ab noch das gesellschaftliche Bewusstsein.
3
Oft meint man, es
seien ausschließlich Muslime, die aus den Ländern des Nahen Ostens kommen.
Immerhin leben aber weit mehr als 200.000 orientalisch-orthodoxe Christen
in Deutschland, die protestantischen und katholischen Geschwister ihrer Kon-
fessionsfamilien nicht mitgezählt. Eine Spurensuche auf dem Gebiet ist ent-
deckungsreich und bunt, bisweilen auch herausfordernd, aber in jedem Fall
lohnenswert und auf keinen Fall abgeschlossen.
1 Eine Phänomenologie der orientalisch-orthodoxen Gemeinschaften
In den Kirchen des „Orients“ wird protestantisches Liedgut genauso gepflegt,
4
wie eine katholische Messe gefeiert wird.
5
Kirchen protestantischer und ka-
tholischer Tradition sind Produkte missionarischer Bemühungen, die vor allem
auch im Zusammenhang mit den Entwicklungen im 19. Jahrhundert stehen.
Doch darin erschließt sich keinesfalls die Vielfalt christlichen Glaubens vor
shape Christian life in the Diaspora between identity preservation and as-
similation.
Keywords
Orient, migrant churches, identity, assimiliation
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Der vollständige Artikel umfasst 44 Seiten
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