Praktische Beispiele zum interreligiösen Lernen II - 4.2.4.0
REINHARD KIRSTE
Fremde Religionen im konfessionellen Religionsunterricht (RU)
In ihrer Tendenz werden die anderen Religionen in den Schulbüchern des konfessionellen RU nicht mehr abwertend dargestellt; dies gilt auch für den Islam. Die evangelische Religionspädagogik hat mit Johannes Lähnemann, Eduard Schweitzer und Karl Ernst Nipkow eine dialogische Offenheit im Sinne interreligiösen Lernens zum Thema gemacht, die inzwischen auch praktisch und über die dort gemachten Vorschläge hinausgeht (vgl. www.rpivirtuell.de - Tätigkeitsfeld „Interreligiöses Lernen“). Das Comenius-Institut, sozusagen das Erziehungswissenschaftliche Institut der EKD, hat dazu einen Überblick ermöglicht (vgl. Schreiner), während die katholische Seite z.T. die Ansätze von Stephan Leimgruber fortschreibt. Praktische Materialien sind also inzwischen gut zu finden. Sucht man jedoch auf der islamischen Seite, so empfehlen sich immer noch die Materialien des Instituts für Internationale Pädagogik und Didaktik in Köln (IPD: www.ipd-koeln.de), einer islamischen Einrichtung. Sie sind bisher nur für die Grundschule bearbeitet und herausgegeben worden, erfüllen aber die in den Intentionen angegebene Ziel - richtung eines interreligiösen Lernprogramms am konsequentesten. Da christliche ReligionslehrerInnen aber nur das Christentum und die dazugehörigen didaktischen Möglichkeiten studiert haben, liegt hier ein erheb - licher Nachholbedarf vor. Außerdem geschieht das Kennenlernen anderer Religionen meist durch eine christliche Brille und damit automatisch in einem tendenziösen Kontext, der auch durch den Versuch größtmöglicher Objektivität in der Darstellung unvermeidbar bleibt. Das gilt gleichermaßen für die anderen Religionen.
In anderen Fächern kommt der Islam höchstens in seinen politischen und geographischen Implikationen vor und steht durch die aktuelle Vorurteilslage sowieso nicht im besten Ruf. Das kann man kurzfristig gar nicht ändern, sondern man kann nur versuchen, mehr und mehr angemessene Unterrichtshilfen für die Hand des Lehrers/der Lehrerin zu erarbeiten. Nun ist das Unterrichts - material zum Islam und Judentum inzwischen so reichhaltig, dass das Prob - lem eher in der sachgemäßen Auswahl liegt als in der Suche der Lehrer nach überhaupt brauchbarem Material. Im Folgenden soll es nun nicht um Unterichtshilfen gehen, sondern um praktische Ansätze, die sich z.T. leicht in der Schule verwirklichen lassen, ohne dass übermäßige Vorbereitungen erforderlich wären.
Islamische Schüler auf freiwilliger Basis im konfessionellen RU
Es gibt immer wieder Religionsklassen, in denen islamische SchülerInnen sitzen, manchmal ausdrücklich mit Billigung ihrer islamischen Eltern. Das hat verschiedene Ursachen, besonders bei Eltern, die ihren Kindern ein leichtes Vorankommen in der deutschen Gesellschaft ermöglichen wollen, oder es handelt sich um stark religiöse Eltern, die gegenüber manchen türkischen LehrerInnen einen Atheismusverdacht hegen. Diese Lösung ist mehr als unbefriedigend und erreicht immer nur einzelne SchülerInnen.
Moschee-, Synagogen- und Tempelbesuche mit Schülern und Lehrern
Begegnungen in der nächstgelegenen Moschee, Synagoge oder im Tempel (der Buddhisten, Sikhs oder Hindus) - nicht nur mit Religionsklassen - scheinen ein probates Mittel zu tieferer Verständigung zu sein. Besonders werden dadurch die SchülerInnen der anderen Religion (hauptsächlich geht es hier um den Islam) aufgewertet, und das Neue im Sinne von neugierig Machendem zeigt nachhaltige Effekte. Dies erleichtert es den Jugendlichen, die andere Religion als adäquate Religion im Sinne der Lessing’schen Ringparabel anzuerkennen. Darüber hinaus sollten die LehrerInnen auch die religiöse Heimat einer Reihe von islamischen Schülern kennen.
Gerade Christentum, Judentum und Islam im Vergleich erlauben hautnahe Begegnungen mit Teilnahme an Gebet und Gottesdienst. Exkursionen (als Tagesoder Halbtagsveranstaltung) haben einen besonderen Reiz, weil dann mehr Zeit gegeben ist als in der normalen Schul-(Doppel-)Stunde.
Projektwoche „Europa“ an einer …
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Der vollständige Artikel umfasst 7 Seiten
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