Biehl, Zur ökumenischen Missionsbewegung von 1990 -2012

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Zur ökumenischen Missionsbewegung von 1990-2012 Von Michael Biehl „Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten“ Der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hatte im Jahr 1982 die Erklärung „Mission und Evangelisation. Eine ökumenische Erklärung“1 angenommen. Er hatte zuvor den ÖRK aufgefordert, auf der Grundlage der auf der Vollversammlung in Nairobi (1975) geführten Debatten über Mission und Evangelisation eine Erklärung zu verfassen. Eine solche Erklärung zu verfassen, war der Weltmissionskonferenz in Melbourne (1980) nicht gelungen, doch 1982 konnte dem Zentralausschuss eine überarbeitete Fassung vorgelegt werden.2 Diese Erklärung formuliert die im Wesentlichen auch noch heute gültige Position des ÖRK zu Mission und Evangelisation. 30 Jahre danach wurde 2012 wiederum vom Zentralausschuss eine Erklärung zu Mission und Evangelisation angenommen: „Gemeinsam auf dem Weg des Lebens. Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten“[ 3] . Diese Erklärung soll die von 1982 nicht ersetzen. Der Bezug im Titel der Erklärung auf die sich wandelnden Kontexte ist jedoch ein deutlicher Hinweis, warum eine Neuverortung und Ergänzung der Themen notwendig geworden waren, die den Kontext für die Aktivitäten der Kirchen bezüglich Mission und Evangelisation im 21. Jahrhundert und jede Reflexion darüber bilden. Nachdem bei den Vollversammlungen in Harare (1998) und Porto Alegre (2006) der Themenkomplex Mission und Evangelisation keine relevante Rolle gespielt hatte, hatte die Kommission für Weltmission und Evangelisation des ÖRK seit 2006 intensiv an einer neuen Erklärung gearbeitet. Die Erklärung von 1982 betrachtet Mission und Evangelisation vorrangig christologisch auf einer trinitarischen Grundlage: nach der Weise Jesu. Die Erklärung von 2012 spricht ebenfalls von der Mission nach der Weise Jesu, betont jedoch die Kraft des Geistes, der die Glaubenden zur Mission bevollmächtigt. Die pneumatologische Dimension von Mission bezieht die gesamte Schöpfung als Objekt der Veränderung durch Gott ein und weist damit kritisch darauf hin, dass manches Nachdenken über Mission und Evangelisation anthropozentrisch gewesen war. Unter dem Stichwort der „Mission von den Rändern“ geht es in der neuesten Erklärung weiterhin um die Rolle der Ausgegrenzten, der Unterdrückten, der indigenen Völker und der Minderheiten, die hier nicht mehr als Objekt einer Mission gesehen werden, sondern durch den Heiligen Geist befähigt sind, selbst zu Subjekten ihrer Veränderung und der Mission zu werden: Die „Armen“ der Erklärung von 1982 haben hier Namen und Gesichter erhalten, und sie werden als Subjekte der Mission angesprochen. Veränderte Kontexte Die neuen Ansätze sollen helfen, die Mission und Evangelisation der Kirchen für die gewandelten Kontexte zu formulieren. Die wesentlichen Umwälzungen, die die Welt zwischen den Jahren der Verfassung der beiden Erklärungen erlebt hat, sind Folgen dessen, was mit dem komplexen Begriff der Globalisierung beschrieben wird. Die ökumenische Bewegung hat sie aufgegriffen und um Antworten auf die daraus folgenden Herausforderungen gerungen: die Ausdehnung der neoliberalen Spielart des Kapitalismus, deren Folgen im Konziliaren Prozess kritisiert worden waren und die dann zur Suche nach alternativen Weisen des Wirtschaftens (AGAPE: Alternative Globalisation Addressing People and Earth oder „Wirtschaft im Dienst des Lebens“) führte; die Versuchungen der westlichen Kultur, die drohen, eine Monokultur dominant werden zu lassen, und dagegen die Suche nach dem authentischen Ausdruck des Evangeliums im jeweiligen Idiom der vielen Kulturen; das wachsende Bewusstsein von der Pluralität der Weltentwürfe und die Suche nach gemeinsamen Werten für eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft. Vieles davon ist nicht erst seit den Neunzigerjahren Thema der Ökumenischen Bewegung, hat aber in den Zeiten nach dem Zusammenbruch des Ostblocks mit seinen weitreichenden Konsequenzen eine dramatische Verschärfung erlebt und die Kirchen in den betroffenen Ländern vor neue oder alte Fragen in neuer Schärfe gestellt.4 Die damit angedeuteten Veränderungen führten allerdings auch dazu, dass eine ganze Reihe von Konfliktherden neu aufbrachen. Der Zerfall des Ostblocks führte z. B. zum Auseinanderbrechen des ehemaligen Jugoslawien und forderte die Gesellschaften und die Kirchen Europas heraus, sich zur dort eskalierenden Gewalt zu verhalten. Wie stehen in Deutschland, das nach seiner Wiedervereinigung einen Friedensvertrag hatte, die Kirchen zum Einsatz von Truppen auf dem Balkan und dann später von deutschen Truppen in Afghanistan, insbesondere, wenn sie Militär- und Polizeiseelsorge anbieten? Was heißt es dagegen, wenn kirchliche Gruppen im Konziliaren Prozess zivile Friedensdienste anstelle von Truppenentsendung fordern und Freiwilligendienste fördern? Und welche Kompetenzen benötigen Kirchen, um solchen Herausforderungen …
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