Koeppler, Die ÖInternationale Studierenden-Tagung zum Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Europa (JCM) und die „Internationale Jüdisch-Christliche Bibelwoche" (JCB)

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Die „Internationale Studierenden-Tagung zum Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Europa“ (JCM) und die „Internationale JüdischChristliche Bibelwoche“ (JCB) - Zwei Dialogprojekte für Wahrheitssuchende Von Daniela Koeppler „Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist, oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit besteht. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz“.1 Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) Appell an eine kritische Reflexion von Absolutheitsansprüchen und seine Empfehlung zum Nachforschen der Wahrheit kann im Rahmen interreligiöser Religionsgespräche als eine der größten Herausforderungen betrachtet werden.2 Wie sieht eine „Nachforschung“ im jüdisch-christlichen bzw. interreligiösen Dialog ohne Besitzanspruch auf Wahrheit aus, ohne Verrat an der eigenen Religion zu üben, ohne Gefahr zu laufen, sich von ihr zu entfremden? Stellt der Anspruch, im Besitz der Wahrheit zu sein, überdies nicht eine Grundbedingung zur Aufnahme eines authentischen Dialogs unter verschiedenen Religionsangehörigen dar? Fragen wie diese lassen sich zweifelsohne auch an die „Internationale Studierenden-Tagung zum Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Europa“ (früher: „Ständige Konferenz von Juden, Christen und Muslimen in Europa“), abgekürzt: JCM, und an die „Internationale Jüdisch-Christliche Bibelwoche“, abgekürzt: JCB, richten. JCM und JCB können inzwischen auf eine über vier Jahrzehnte alte und noch andauernde Geschichte zurückblicken.3 Angefangen mit der Frage, ob bei JCM und JCB um die Wahrheit gestritten wird, also um die Vertretbarkeit der eigenen Glaubensansicht und der der anderen, lässt sich zunächst festhalten, dass dies bei diesen beiden Pionierprojekten keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Die Teilnehmenden JCM und JCB kommen nicht als „objektive“ Vertreter ihrer jeweiligen Glaubensgemeinschaften oder auf einer wissenschaftlichen Ebene, sondern vielmehr jeweils persönlich miteinander ins Gespräch. Dabei werden die unterschiedlichen Glaubensgrundlagen zwar zum Ausdruck gebracht, aber nicht zur Diskussion gestellt. Die Zurückhaltung in der Glaubensapologetik bei JCM und JCB erklärt sich vor allem durch die hier praktizierte und Jahre hindurch gepflegte Gesprächskultur. Im Folgenden soll in einem relativ kurzen Überblick dargestellt werden, zu welchen dialogrelevanten Erkenntnissen die Studie über die beiden Dialogprojekte geführt hat. Da sie im Bereich des jüdisch-christlichen und des interreligiösen Dialogs über mehrere Jahre hindurch Pionierarbeit geleistet haben, vermögen ihre Erfahrungen außerdem Aufschluss darüber zu geben, welche Voraussetzungen für einen gelingenden interreligiösen Dialog hilfreich sind. Die „Internationale Studierenden-Tagung zum Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Europa“ (JCM) _Theologische Revisionen_ Besonders die Studie über die „Internationale Studierenden-Tagung zum Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Europa“ (JCM) hat in Anbetracht der gesellschaftlichen Relevanz des interreligiösen Dialogs weitere (Forschungs-) Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt. Im Hinblick auf einen JCM-Mitbegründer, den evangelischen Pastor Winfried Maechler (1910-2003), lässt sich u. a. lernen, dass sowohl eine Rezeption wie auch Revision christlicher Theologie zum Beispiel aus dem Umkreis der Bekennenden Kirche für den interreligiösen Dialog durchaus fruchtbar gemacht werden kann. Maechler interessierte im Rahmen des interreligiösen Dialogs besonders das Verhältnis von Säkularismus und Religion(en), die politische Verantwortung der Christenheit und die Rolle der Kirche in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. So hob er im Kontext des interreligiösen Dialogs die von seinem Lehrer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) geäußerte These hervor, dass im Nächsten die Transzendenz Gottes zu erkennen sei.4 Diese These wurde im Laufe der Jahre von JCM-Teilnehmenden aller drei Glaubenslager unabhängig voneinander auffallend häufig wiederholt. Indem Maechler noch weitere Überlegungen Bonhoeffers in den interreligiösen Dialog einbrachte, betrieb er eine originelle theologische Revision von dessen Theologie vor dem Hintergrund neuer gesellschaftlicher Herausforderungen.5 Außerdem setzte Maechler seinen christlichen Glauben durch sein interreligiöses und gesellschaftspolitisches Engagement auch praktisch in eine Beziehung zu Andersgläubigen. Die Begründung und Stärkung des interreligiösen Dialogs (auch in intrareligiösen Zirkeln) aus eigenen theologischen Quellen und Traditionen heraus bleibt eine Herausforderung. In dieser Hinsicht haben die beiden anderen Mitbegründer von JCM, der Anhänger der ägyptischen …
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