Vineyard Deutschland, Österreich, Schweiz II - 2.2.3.3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 55. EL 2018 1
II - 2.2.3.3 Vineyard Deutschland, Österreich, Schweiz
VON MAREN FREUDENBERG
Zusammenfassung
Vineyard D.A.CH versteht sich als Teil einer internationalen, charisma-
tischen, christlichen Bewegung, die ihren Ursprung in den USA hat. Der
deutschsprachige Verband ist von einer Reihe Besonderheiten geprägt: Statt
eines einheitlichen Glaubensbekenntnisses werden christliche Werte und ein
‚Jesus-zentrierter‘ Lebensstil betont; theologisch orientiert man sich an der
Reich-Gottes-Vorstellung von George Eldon Ladd; die biblischen Charismen
spielen für das Selbstverständnis eine wichtige Rolle; und die Konversion
zum christlichen Glauben wird als gradueller Prozess verstanden. Außerdem
sind der musikalische Lobpreis und die Praxis des Gebets und der Bibel-
lektüre als Kommunikationskanal zu Gott entscheidend. Vineyard D.A.CH
besteht Ende 2017 aus ca. 80 Gemeinden, wobei keine Erhebungen zu Mit-
gliederzahlen existieren. Leiter und Leiterinnen werden in einem strukturier-
ten Programm ausgebildet, um Gemeinden in nachhaltigem Wachstum und
gesellschaftlichem Engagement zu unterstützen. Ein Netzwerk aus lokalen
und regionalen Leitungsteams bietet zusätzliche Unterstützung an. Die Ver-
breitung christlicher Werte in der Gesellschaft wird als zentraler Auftrag
verstanden. Aus diesem Grund ist Vineyard D.A.CH stark ökumenisch ori-
entiert und pflegt Beziehungen zu katholischen und evangelischen Kirchen.
Schlagwörter
Vineyard, charismatisch, Christentum, ökumenisch, Gebet, Musik, Evan-
gelisierung, John Wimber
Summary
Vineyard D.A.CH sees itself as part of an international, charismatic, Chris-
tian movement which originated in the USA. The German-speaking asso-
ciation is characterized by its emphasis on a ‘Jesus-centered’ lifestyle and
Christian values instead of a set creed; an orientation towards George El-
don Ladd’s Kingdom of God theology; the importance of the Biblical cha-
rismas; and conversion experience as a gradual process. Musical worship,
prayer, and Bible study are perceived as important ways of communica-
--- Seite 1 Ende ---
II - 2.2.3.3 Vineyard Deutschland, Österreich, Schweiz
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ting with God. Vineyard D.A.CH is comprised of about 80 congregations
in late 2017; membership statistics do not exist. Leaders are trained in a
structured program to support congregations in sustainable growth and their
engagement in society. A network of local and regional leadership teams
provides additional support. Propagating Christian values is understood as
a main task, which is why Vineyard D.A.CH’s ecumenical engagement is
particularly pronounced and its ties to ‘established’ churches are strong.
Keywords
Vineyard, charismatic, Christianity, ecumenical, prayer, music, evangelizing,
John Wimber
Einleitende Bemerkungen
Vineyard Deutschland, Österreich, Schweiz (im Folgenden: Vineyard D.A.CH)
versteht sich als Teil einer weltweiten charismatischen Bewegung und legt zu-
gleich Wert auf ihre speziellen Ausprägungen innerhalb des deutschsprachigen
Raumes. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Merkmale von Vineyard
D.A.CH knapp skizziert, teilweise in Abgrenzung zum amerikanischen Schwes-
terverband Vineyard USA
1
. Im Folgenden ist aus sprachlichen Gründen teilwei-
se von Vineyard beziehungsweise Vineyard D.A.CH als ‚Bewegung‘ die Rede;
damit soll keine wertende oder gar affirmative Haltung der Gruppe gegenüber
zum Ausdruck gebracht werden, sondern der emische Begriff zur Variation der
etischen
2
Begrifflichkeiten (Gruppe, Verband) herangezogen werden. Da es das
Lesen umständlich machen würde, den Begriff ‚Bewegung‘ stets in Anfüh-
rungsstriche zu setzen, um methodologischen Agnostizismus zu verdeutlichen,
wurde hierauf verzichtet.
Geschichte
Die Ursprünge der in den USA entstandenen Vineyard-Bewegung gehen
auf den amerikanischen Musiker und späteren Kirchenberater John Wimber
(1934 – 1997) zurück. Als Mitglied der Band um das Gesangsduo Righteous
Brothers führte ihn sein Weg über Alkohol, Drogen und einer nur knapp entgan-
genen Scheidung 1963 zu einer Quäkergemeinde in Yorba Linda in Kalifornien,
in der er 1970 Pastor wurde. Die Kirche trennte sich von ihm, als charismatische
Praktiken, vor allem Zungenrede und Wunderheilungen
3
, zunahmen. 1977 trat
eine Gruppe Anhänger unter der Führung Wimbers der Calvary Chapel bei,
Westarp Science Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten
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