Statistische Daten der römisch-katholischen Kirche
HANNS-WERNER EICHELBERGER
Alle soziologischen Deutungen jener Transformationsprozesse, denen die katholische Kirche (wie andere Kirchen und Organisationen) in Deutschland in und mit der sich wandelnden Gesellschaft unterworfen ist, stützen sich ganz selbstverständlich vergleichend auf Zahlen. Diese gelten als empirisch fass bare und quantifizierbare Indikatoren solcher Transformationen, die sie aber immer nur ausschnitthaft abbilden. Das betrifft die Rede von der Säkularisierung oder der Individualisierung wie auch die Typisierung der geschichtlichen Entwicklung in Phasen. Der bei Vergleichen stets notwendige Rückgriff auf zeitlich frühere und/oder räumlich differenzierte Daten engt jeweils schon von den Datenquellen sowohl der Umfrageforschung als auch der kirchenamtlichen Statis - tik her das Sichtfeld auf solche Indikatoren ein, über die vergleichbare Daten aus der Vergangenheit und überregional überhaupt vorhanden sind. Im Umgang mit dem faktisch verfügbaren Datenmaterial wird man dessen „Aussagekraft“ jedoch kritisch nicht nur nach seiner Bandbreite und damit nach den möglicherweise ausgeblendeten Phänomenen befragen müssen, sondern immer wieder auch nach der inhaltlichen Vergleichbarkeit und Deutbarkeit auch da, wo es sich „nominell“ um die gleichen Daten handelt: Beispielsweise hat sich unter dem Gesichtspunkt „pastoraler Arbeit“ bei Taufen die „Wirklichkeit“ des statis - tisch gezählten Sachverhalts im Aufwand an Personal, Zeit, Kommunikationskompetenz usw. wohl weit stärker verändert als die symbolischen oder rechtlichen Inhalte. Beim Blick auf statistische Zahlen fangen Fragen oft erst an.
Die nachfolgenden Beobachtungen stützen sich im Wesentlichen auf veröffentliche Daten der kircheninternen Statistik[1 ] und bleiben entsprechend selektiv vorwiegend an den Ergebnissen der seit langer Zeit jährlich durchgeführten Erhebungen orientiert. Diese Erhebungen beziehen sich in erster Linie auf Daten zur Mitgliedschaft, zur Partizipation an rituellen Handlungen und Ereignissen und zum hauptberuflichen Personal im pastoralen Dienst. Auf allen drei Schienen dieser Betrachtung gelangt man angesichts der rückläufigen Entwicklungen zu Problemdiagnosen: man kann von einem Mit gliedschafts - problem, einem Partizipationsproblem und einem Personalprob lem sprechen.
Katholiken und Bevölkerung
Räumlich ist die katholische Kirche Deutschlands in 27 Bistümer (darunter 7 Erzbistümer) z.T. sehr ungleicher Größe (nach Mitgliederzahlen: Köln
2,2 Mio. bis Görlitz mit 35.000; nach der Fläche: Hamburg: 33.000 km2 bis Essen: 1.800 km2 ) gegliedert. Die Bistümer wiederum sind untergliedert in 730 Dekanate und 12.885 territoriale Pfarreien, hinzu kommen 323 nicht territoriale Gemeinden, überwiegend für fremdsprachige Katholiken (Stand Ende 2004). Inzwischen mehren sich in den Bistümern unterschiedliche Ansätze einer pastoralen (vorwiegend, aber nicht nur: territorialen) Neugliederung von Seelsorgeeinheiten. Nach Angaben der Kirchen2 gehörten 2003 von den 82,5 Millionen Einwohnern in Deutschland 31,7 % der katholischen Kirche an (Gliedkirchen der EKD: 31,3 %; andere christliche Konfessionen: 1,8 %). Die Volkszählung 1961 hatte noch einen Katholikenanteil von 44,1 % ermittelt, der sich bis zur Volkszählung 1987 auf 43,0 % verringerte (Abbildung 1). Der seither beträchtliche Rückgang in der anteiligen Präsenz der Katholiken in der Bevölkerung hat seine Gründe zum einen in der deutschen Wiedervereinigung und im Hinzukommen einer Bevölkerung überwiegend ohne kirchliche Bindungen - aus Abbildung 2 wird ersichtlich, wie gering der Zuwachs sich für die Zahl der Katholiken 1990 auswirkte. Die Katholikenanteile in den Bistümern der neuen Länder bewegten sich 2000 in Bereichen zwischen 9,0 % für
_Abbildung 1_
==> picture [271 x 223] intentionally omitted <==
----- Start of picture text -----<br> Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung<br>Prozent, Katholiken lt. Angaben der Bistümer<br>50<br>40 MMT<br>30<br>20<br>10<br>0 ANNA<br>1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000<br>Ab 1990 mit Gebiet der neuen Bundesländer<br>----- End of picture text …
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Der vollständige Artikel umfasst 15 Seiten
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