Decker, Günther, Maske, Körper und Sexualität im Zentrum von Ordnung, Kontrolle und Macht

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Körper und Sexualität im Zentrum von Ordnung … I - 34.8 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 86. EL 2025 1 ZusammenfassungZusammenfassung Dem Beitrag liegt die Prämisse zugrunde, dass Körper und Sexualität im Zentrum gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse um Ordnung, Kontrolle und Macht stehen und daher in einer Analyse des Verhältnisses von Religion und Geschlecht grundsätzlich als Kategorien einbezogen werden sollten. Eine zu den Interdependenzen dieser Kategorien arbeitende gendertheo- retische Religionswissenschaft kann wichtige Forschungsperspektiven in Bezug auf zunehmende religiös konservative, antifeministische und anti- genderistische sowie antidemokratische Bewegungen einnehmen. Ziel des Beitrags ist es, anhand einer Nachzeichnung aktueller gesellschaftspoli- tischer Entwicklungen die Relevanz der religionswissenschaftlichen Ge- schlechterforschung für bisher wenig untersuchte und im Beitrag offenge- legte Forschungsfelder aufzuzeigen. Um diese Forschungsperspektive zu entfalten, werden Einblicke in die Geschichte und den aktuellen Stand der Forschung mit dem Fokus auf die Verknüpfung von Körper, Geschlecht und Sexualität gegeben, aktuelle Themenfelder und Desiderate einer religions- wissenschaftlichen Geschlechterforschung aufgezeigt und der elementare Stellenwert dieses Forschungsansatzes für die Fachdisziplin und öffentliche Diskurse diskutiert. Den Beitrag schließen wir mit sich für uns ergebende Forschungsperspektiven und Postulate. SchlagwörterSchlagwörter Geschlechterforschung, gendertheoretische Religionswissenschaft, Körper, Sexualität, Forschungsgeschichte, Forschungsperspektiven I - 34.8 Körper und Sexualität im Zentrum von Ordnung, Kontrolle und Macht. Perspektiven der religionswissenschaftlichen Geschlechter- forschung [Body and sexuality at the center of order, control, and power. Perspectives from gender studies in religious studies] Doris Decker, Marita Günther & Verena Maske Submitted August 26, 2025, and accepted for publication September 16, 2025 Editors: Doris Decker, Marita Günther, Verena Maske --- Seite 1 Ende --- I - 34.8 Körper und Sexualität im Zentrum von Ordnung … 2© Westarp Science Fachverlag SummarySummary This article argues that body and sexuality constitute central arenas of so- cietal negotiations of order, control, and power, and must therefore be con- sidered essential categories in analyzing the relationship between religion and gender. A gender-theoretical study of religion attentive to the interde- pendencies of these categories offers critical perspectives, particularly in light of the growing impact of religiously conservative, anti-feminist, anti- gender, and anti-democratic movements. Drawing on current socio-political developments, the article demonstrates the relevance of gender-theoretical approaches for research areas that remain underexplored. It traces the his- tory and current state of gender-focused scholarship in the study of religion, focusing on the intersections of body, gender and sexuality and highlights key themes and desiderata of research on gender in the study of religions. Furthermore, it discusses the fundamental importance of this orientation for both the discipline and public discourse. The article concludes by outlining emerging research perspectives and postulates. KeywordsKeywords Gender Studies, gender-theoretical studies of religions, body, sexuality, re- search history, research perspectives 1 E Das Verständnis von und der Umgang mit Körper und Sexualität sind bedeu- tende, vielschichtige Felder der Auseinandersetzung in Religionen, die von unterschiedlichen, zuweilen gar widersprüchlichen Sichtweisen und Interpreta- tionen innerhalb und zwischen religiösen Lehren und Lebenspraktiken geprägt sind. 1 Körper, die geschlechtsspezifisch gelesen werden, sind ein elementarer Bestandteil des erfahrungsbezogenen Aus- und Er-Lebens religiöser Praktiken. Sie werden dabei häufig mit dichotomen Deutungen wie rein vs. unrein kon- frontiert, wobei Reinheit etwa durch rituelle und körperverändernde, häufig geschlechtsspezifische Praktiken sowie symbolische Akte (wieder)hergestellt und zugleich mit Vorstellungen von Heil und Heilung verbunden wird. Häufig anzutreffen sind dualistische Weltdeutungen, die Körper, Emotionen, Sexu- alität und Fürsorge weiblich, Geist, Verstand, Selbstkontrolle und Durchset- zungskraft männlich konnotieren, und die mit einer binären und heteronor- mativen Konstruktion von Geschlecht einhergehen. Frauen werden in diesem
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