Albrecht, Religionswissenschaft als Bindeglied zwischen postkolonialen Theorien und Queertheorie

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Religionswissenschaft als Bindeglied … I - 34.6 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 86. EL 2025 1 ZusammenfassungZusammenfassung Die Betrachtung der Wechselwirkung zwischen queertheoretischen und postkolonialen Ansätzen im Bereich der Religionswissenschaft zeigt über- sehene Schnittstellen von Geschlecht, Sexualität und Kolonialität. Dieser Artikel geht auf die Bedeutung ein, diese theoretischen Rahmen innerhalb der Religionswissenschaft zu verbinden, und betont die Rolle der Diszip- lin als Bindeglied zwischen ihnen. Unter Bezugnahme auf die Werke von Wissenschaftler*innen wie Melissa Wilcox, Michael Bergunder und Giovan- ni Maltese, die sich mit den Theorien von Judith Butler und postkolonialen Perspektiven auseinandersetzen, hebt der Artikel den einzigartigen Beitrag der Religionswissenschaft zur Integration von queer- und postkolonialen Studien hervor, um bestehende Lücken und Subalternisierungen in den Blick zu nehmen. Durch die Untersuchung der Kolonialität von Geschlecht und kurze Fallstudien zeigt der Artikel auf, wie queer- und postkoloniale Theo- rien den Gegenstand, die Forschung und die Lehre innerhalb der Religions- wissenschaft beeinflussen. Letztendlich plädiere ich für ein differenziertes Verständnis von Verkörperung und ihrer Verstrickung in Machtverhältnisse. Durch die Hervorhebung der Rolle des Körpers bei der Gestaltung religiöser Diskurse und der Anerkennung seiner Verletzlichkeit unterstreicht dieser Artikel die Notwendigkeit für die Religionswissenschaft, sich als kritische Disziplin weiterzuentwickeln, die auf die Komplexität sich überschneidender Identitäten und Machtverhältnisse reagiert.SchlagwörterSchlagwörter Geschlecht, Kolonialität, Verkörperung, Queertheorie, postkoloniale Theo- rie, Religionswissenschaft, Lehre I - 34.6 Religionswissenschaft als Bindeglied zwischen postkolonialen Theorien und Queertheorie [Religious Studies as a Link Between Postcolonial and Queer Theories] Jessica A. Albrecht Submitted March 5, 2025, and accepted for publication April 4, 2025 Editors: Doris Decker, Marita Günther, Verena Maske --- Seite 1 Ende --- I - 34.6 Religionswissenschaft als Bindeglied … 2© Westarp Science Fachverlag SummarySummary Looking at the interplay between queer and postcolonial theories within the field of religious studies sheds light on overlooked intersections of gen- der, sexuality, and coloniality. This article delves into the significance of bridging these theoretical frameworks within religious studies, emphasizing the discipline’s role as a nexus between them. Drawing upon the works of scholars such as Melissa Wilcox, Michael Bergunder, and Giovanni Maltese, who engage with Judith Butler’s theories and postcolonial perspectives, the article highlights the unique contribution of religious studies in integra- ting queer and postcolonial studies, thereby addressing existing gaps and subalternizations. Through an exploration of the coloniality of gender and brief case studies, the article delineates how queer and postcolonial theo- ries influence the subject matter, research, and pedagogy within religious studies. Ultimately, I advocate for a nuanced understanding of embodiment and its entanglements with power dynamics. By foregrounding the body’s role in shaping religious discourse and acknowledging its vulnerability, this article underscores the imperative for religious studies to evolve as a critical discipline responsive to the complexities of intersecting identities and power relations. KeywordsKeywords Gender, coloniality, embodiment, queer theory, postcolonial theory, religious studies, teaching 1 Einführung Re ligionswissenschaft ist, wie alle Wissenschaften, mit ihrem gesellschaftli- chen Kontext verbunden. Doch was genau bedeutet das? Was gehört zum ge- sellschaftlichen Kontext, wer bestimmt das, und wie kann dieser in Forschung und Lehre reflektiert werden? In diesem Artikel beschäftige ich mich mit genau dieser Frage. Meine Antwort hierauf kann notwendigerweise nur einen Teilaspekt darstellen. Dieser Teil ist die Betrachtung von Geschlecht/Sexua- lität und Kolonialismus durch queere, de- und postkoloniale Theorien  – und anhand der Religionswissenschaft ein wenig über diese hinaus. Geschlecht/ Sexualität durch Gender 1 und queere Theorien zu betrachten, ist auch in der Religionswissenschaft kein Novum mehr, wie einschlägige Publikationen auf- zeigen. 2 Trotz der kurzen Zeit, in der die Betrachtung von Geschlecht in der
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