Decker, Geschlechterkonzeptionen zu Beginn des Islam im Spiegel von Konstruktions- und Zuschreibungsprozessen

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Geschlechterkonzeptionen zu Beginn des Islam … I - 34.4 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 86. EL 2025 1 ZusammenfassungZusammenfassung Im Beitrag stehen Geschlechterkonzeptionen zu Beginn des Islam im Fo- kus. Mittels einer Analyse und Interpretation dieser Geschlechterkonzep- tionen wird verdeutlicht, dass Textquellen zum Frühislam überlagert sind vom sprach- und kulturgeschichtlichen Kontext der Zeit, in der sie verfasst wurden. Anhand einer Aufdeckung der konstitutiven Elemente von Ge- schlechterkonzeptionen in religionsgeschichtlichen Textquellen lassen sich normative Ordnungen, die daraus abgeleitet werden, kritisch betrachten. Weiter können Generalisierungen und interpretative Absolutheitsansprüche bzgl. Geschichte, Gesellschaft, Geschlecht u.  a. infrage gestellt und soziale und historische Prozesse beschreibbar und damit letztlich auch gestaltbar gemacht werden. Diesem Ansatz liegt die Auffassung zugrunde, dass sich Religionswissenschaftler*innen nicht am Ringen um Geschichtsrekonst- ruktion beteiligen, sondern aufzeigen sollten, dass sich Geschichte nicht eindeutig rekonstruieren lässt und es sich bei Rekonstruktionsversuchen um Konstruktions- und Zuschreibungsprozesse handelt, die Ordnungen einfüh- ren, begründen und festigen. SchlagwörterSchlagwörter Frühislam, Geschlechterkonzeptionen, Konstruktions- und Zuschreibungs- prozesse, Geschichtsschreibung I - 34.4 Geschlechterkonzeptionen zu Beginn des Islam im Spiegel von Konstruktions- und Zuschreibungsprozessen [Gender concepts at the beginning of Islam as reflected in construction and attribution processes] Doris Decker Submitted March 5, 2025, and accepted for publication August 5, 2025 Editors: Doris Decker, Marita Günther, Verena Maske --- Seite 1 Ende --- I - 34.4 Geschlechterkonzeptionen zu Beginn des Islam … 2© Westarp Science Fachverlag SummarySummary The article focuses on gender concepts in the early period of Islam. By ana- lyzing and interpreting these gender concepts, it becomes clear that source texts on Early Islam are permeated by the linguistic and cultural-historical contexts of the time in which they were written. By uncovering the constitu- tive elements of gender concepts in source texts from the history of religions, normative adjustments that are derived from them can be critically exami- ned. Furthermore generalizations and interpretative claims of absoluteness with regard to history, society, gender, etc. can be questioned, and described as social and historical processes and thus were ultimately shaped by the contexts. This approach is based on the view that religious scholars should not participate in the struggle to reconstruct history, but should show that history cannot be clearly reconstructed. Moreover, that attempts of reconst- ruction are processes of construction and attribution that seek to introduce, establish and consolidate orders. KeywordsKeywords Early Islam, Gender Conceptions, Construction and Attribution Processes, Historiography 1 Einleitende Bemerkungen H at der Islam mit seinem Aufkommen Frauen befreit oder eingeschränkt, hat er ihnen Rechte verschafft oder ihnen vorher bestehende Rechte genommen? Die Beantwortung dieser Fragen ist u.  a. bedingt durch die Rekonstruktion der Geschichte des Frühislam 1 im 7. Jh., was eng zusammenhängt mit der Be- d eutung, dem Verständnis und der Relevanz von Geschichte. Im Kontext des Islam drängt sich diesbezüglich die Frage auf, ob eine Rekonstruktion der his- torischen Sachverhalte zu Beginn des Islam überhaupt möglich ist. Zweifellos gibt es zahlreiche Versuche, die Frühgeschichte des Islam zu rekonstruieren. Zu bedenken ist aber, dass Geschichtsschreibung als Teil hegemonialer Dis- kurse ein umstrittenes Terrain ist. Nicht ohne Grund wird angenommen, dass die Deutungsmacht über die Vergangenheit die Kontrolle über die Gegenwart garantiert. Geschichtsschreibung wurde seit ihren Anfängen instrumentalisiert und zur Legitimation genutzt. So gut wie jede Ideologie greift auf historische Argumente zurück, um ihre Position zu stützen. Von verschiedenen Seiten her wird sich bspw. zur Staatenbildung oder Etablierung rechtlicher Ordnungen bestimmter Geschichtsinterpretationen bedient.
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