Knacker, Museen der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum

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Museen der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum[1] Von Katharina Knacker Als Kunstmuseen rücken Museen der katholischen Kirche seit einigen Jahren immer mehr in die allgemeine Aufmerksamkeit. Das „Museum des Stifts Admont“ bekam 2005 vom österreichischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur den Museumspreis und das Kölner „Kolumba“ 2009 den Museumspreis der Kulturstiftung-hbs.2 Auch in einem Überblickswerk zur Geschichte des Museums lässt sich 2008 unter kunstgeschichtlichen Museen ein Unterkapitel zu „Museen religiöser Kunst“ finden.3 Allein im deutschsprachigen Raum gibt es über 50 solcher Einrichtungen, es handelt sich dabei um Diözesanmuseen oder Domschatzkammern.4 Das Museum in katholischer Trägerschaft ist jedoch kein neues Phänomen, es existiert ebenso lange wie die Institution des Museums im Allgemeinen. In Kreisen der katholischen Kirche ist die Bezeichnung „kirchliches Museum“ für Museen in katholischer Trägerschaft üblich. Da sich der Aufsatz aber nicht mit kirchlichen Museen anderer Konfessionen, sondern ausschließlich mit katholischen auseinandersetzt, wird der Ausdruck „Museum der katholischen Kirche“ gewählt. Museen der evangelischen Kirche eignen sich nicht für eine vergleichende Analyse, da die lutherisch-evangelische Kirche nur wenige Museen im deutschsprachigen Raum betreibt und darunter ist kein ausschließliches Kunstmuseum. Ein Ausblick nach Rom Die ersten Museen der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum wurden in den 1850er-Jahren gegründet. Zuvor gab es jedoch schon öffentliche Museen in katholischer Trägerschaft in Rom. Als erstes wurde 1734 ein Museum antiker Skulpturen auf dem Kapitol gegründet. Die katholische Kirche betrieb mit diesem Museum eines der ersten öffentlichen Museen Europas.5 Auch die ersten päpstlichen Dokumente, in denen die Institution des Museums behandelt wird, stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zum ersten Mal wurde die Institution des Museums im Edikt des Camerlengo Annibale (1733) genannt, das sich mit dem Ausfuhrverbot von Kunstwerken aus dem Kirchenstaat befasste. Die Gründe für den Wunsch des Kirchenstaates, seine Kunstgüter zu erhalten, sind einerseits das Dokumentieren der eigenen Geschichte, andererseits sollten die Werke aber auch eine künstlerische Vorbildfunktion haben und zu Studienzwecken dienen, einen touristischen Anreiz schaffen und nicht zuletzt repräsentieren.6 Das römische Museum der katholischen Kirche war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Folge des kirchlichen Erhaltungswunsches der Kunstgüter. Danach wurde die Einrichtung von Museen in Rom direkt gefordert (Apostolische Konstitution „Ad optimarum artium“, 1757).7 Wurden zuerst antike Skulpturen ausgestellt, kamen später Museen für Gemälde (1749 „Pinacoteca Capitolina“) und im Vatikan ein Museum explizit für christliche Kunstwerke (1761 „Museo Sacro“) hinzu. Die ersten Museumsgründungen durch christliche Kunstvereine Nach diesem kurzen Exkurs nach Rom sei der Blick wieder auf den deutschsprachigen Raum gerichtet. 1853 wurde das erste Museum der katholischen Kirche durch einen christlichen Kunstverein im deutschsprachigen Raum in Paderborn gegründet,8 1855 folgte ihm das Diözesanmuseum in Köln.9 Zur selben Zeit wurden zahlreiche weitere christliche Kunstvereine ins Leben gerufen (1852 Rottenburg10 , 1853 Aachen11 , Köln12 , Trier13 , 1854 Regensburg14 , 1857 Freiburg15 , 1859 Mainz, 1860 München16 ). Dass es in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu dieser Bewegung kam, hängt u. a. mit großen Verlusten von Kirchengütern in deutschsprachigen Gebieten zu Beginn des Jahrhunderts zusammen. Durch den Frieden von Lunéville am 18. Februar 1801 musste Kaiser Franz II. der Republik Frankreich alle linksrheinischen Gebiete abtreten und die davon betroffenen Fürsten u. a. mit rechtsrheinischen Kirchengütern entschädigen.17 Die Zerstreuung von katholischen Kunstgütern führte bereits im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu Bemühungen, die verbliebenen Kunstgüter zu inventarisieren.18 Die eigenen christlichen Kunstgüter sollten gesammelt und bewahrt werden. Sammeln und Bewahren hat aber nicht nur einen konservierenden Kontext, es bedeutet auch, dass katholische Güter in einer Zeit der aufblühenden Sammlungen nicht von anderen Sammlern angekauft wurden,19 sondern im Besitz der Kirche blieben. Das Ausstellen von Kunstgütern vergangener Epochen demonstrierte gleichzeitig die eigene lange Geschichte und bot somit eine Legitimation der kirchlichen Existenz. Die Beweggründe im deutschsprachigen Raum ähneln somit stark den ersten Museumsgründungen in Rom. Ebenso spielte auch die künstlerische Vorbildfunktion eine Rolle. Laien und Klerus sollten im Geschmack geschult werden,20 wobei guter Geschmack sehr eingeschränkt mit dem Fokus auf romanische und gotische Kunst definiert wurde.21 Christliche Kunstvereine boten damit auch eine Plattform für Künstler, die sich dem Neo-gotischen und Neo-romanischen verschrieben hatten, andere künstlerische Strömungen wurden ausgeschlossen. Während Museen, die von Souveränen geführt wurden, die Kunst der Antike als Ideal ausstellten,22 hatten Museen der katholischen Kirche im …
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