Kroker, Der Sri Kamadchi-Tempel in Hamm-Uentrop

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Der Sri Kamadchi-Tempel in Hamm-Uentrop Heiliger Ort - im Gewerbegebiet Von Ulrich Kroker Der Tempel Es ist ein diesiger Novembertag. Nähert man sich auf der Lippestraße aus der Innenstadt kommend dem Ortsteil Hamm-Uentrop, bekommt der östlich gelegene, machtvolle, graue Block des RWE-Kraftwerks mit seinen 180 Meter hohen Kühltürmen Konturen. Hinter dem alten Dorf Uentrop mit der kleinen, sandsteingrünen Kirche aus dem 11. Jahrhundert öffnet sich ein Gewerbegebiet. Lagerhallen und -plätze, Produktionsstätten und der entsprechende LkwVerkehr bestimmen das Bild. An manchen Tagen streicht der Geruch eines nahen Großschlachthofes herüber. Hier steht seit 2002 der größte Hindu-Tempel südindischer Bauart in Mitteleuropa. Natürlich erreicht er nicht die Größe des Minakshi-Tempels in Kanchipuram oder des „großen Tempels“ von Madurai in Südindien, die gleichsam die Bauvorlage bilden. Der Kontrast zur Umgebung könnte nicht deutlicher sein, selbst wenn an diesem Tag die roten und weißen Farbstreifen am Baukörper eher matt wirken. Sie verkünden nonverbal Botschaften an die Gläubigen: „Unterwirf dich liebend den Göttern, und bemühe dich um Reinheit.“ Auch den jüngst erst von indischen Tempelhandwerkern entsprechend der Tradition farblich gestalteten Tempeltürmen, dem elf Meter hohen Vimana über dem Zentralschrein und dem 17 Meter hohen Gopura (Torturm), fehlen die sonst wahrnehmbare Strahlkraft. Aber dennoch wird ein verwirrender, verschwenderischer Umgang mit kräftigen Farben erkennbar, der das Bild des Berges Meru, des Götterberges, prägt. Die bunte Vielfalt löst sich in ca. 170 handgefertigte - vor allem - Göttinnenfiguren auf, ergänzt durch Bögen und Pfeiler. Große Löwenmasken blicken drohend von den konisch nach oben zulaufenden Türmen; sie sollen den Tempel vor den Dämonen und dem Bösen allgemein schützen. Das Material ist übrigens Mörtel, aus dem die Figuren mithilfe von Spachteln herausgearbeitet wurden. Über Kalashas (Kupfergefäße) auf den Tonnendächern fließt die göttliche Kraft aus dem Universum in den Tempel. _Abbildung 1: Tempelgebäude Westen_ Durch ein über vier Meter hohes Tor ( nulaiviasal thoranam ), geschmückt mit dem Bild der Göttin Sri Kamadchi Ampal sowie den sie einrahmenden Darstellungen des Philosophen Ari Shankarar und des vor drei Jahren verstorbenen Skankaracaryas des Klosters (Abt) in Kanchipuram mit Namen Sri Santhirasegara Saraswathy Swamigal, betritt der Besucher den Tempelplatz. Abbildung 2: Hauptturm („Gopura“), Sinnbild des Berges Meru (Göttersitz) Abbildung 3: Eingangstor zum Tempel Dort grüßt von einem turmähnlichen Gebäude, das den 9,50 Meter hohen Tempelwagen ( Theer ) aufgenommen hat, auf einem ebenso hohen Leinwandbild der Hauptpriester und Tempelgründer als würdevoller Patriarch die Besucher und gibt in Deutsch, Englisch und Tamil biografische Hinweise zu seiner Person. In einem Vorraum des Tempels entledigt sich der Besucher seiner Schuhe und der Lederbekleidung; so gebietet es die Tradition, denn sie verunreinigen den heiligen Ort. Drückt der Besucher die schwere, hohe Kassettentür aus Teakholz auf, so erklingen Glöckchen, die den Göttern seinen Besuch ankündigen, wie ein kleiner Junge es einmal beschrieb. An diesem Morgen ist das Hauptlicht ausgeschaltet, und so öffnet sich ein Raum, in dem nur die indirekte Beleuchtung der Altäre eine gedämpfte, stimmungsvolle Atmosphäre schafft. Wohltuende Wärme, aus der der Geruch von Räucherstäbchen aufsteigt, nimmt den Eintretenden auf, ein Raum des Gebets und der Meditation. Das Gebäude, über einer quadratischen Grundfläche (27 mal 27 Meter) …
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