Sport und Religion - Momente einer Begegnung
Von Dagmar Dahl
Einleitende Gedanken
Noch vor einigen Jahren war das Thema „Sport und Religion“ ein Feld, das eher ein fragendes Kopfschütteln hervorrief. Inzwischen haben vielfältige globale Ereignisse Religion als solche ins Alltagsbewusstsein gerufen und somit auch deren Verbindung zum Alltag des Sports zugänglicher gemacht. Wenngleich die Thematik als Forschungsfeld in Philosophie, Sport- und Religionswissenschaft u. a. immer noch ein Randgebiet darstellt, ist doch die Erkenntnis um die vielfältigen Vernetzungen dieser bedeutenden Kulturphänomene in den letzten Jahren stark gewachsen. Sport und Religion engagieren Menschen auf besondere Art und Weise, trotzdem werden diese oftmals als zwei Gegensätze betrachtet: hier das weltliche, ganz auf Körperlichkeit und Leistung gerichtete Geschehen, dort die geistige, in sich gekehrte Spiritualität ohne diesseitigen Leistungsdruck. Dass eine solche Schwarz-Weiß-Darstellung nicht angebracht ist, möchte dieser Beitrag aufzeigen. Hierzu werden zunächst mögliche Herangehensweisen an das Thema dargestellt, wobei besonders der Vergleich der beiden Phänomene Beachtung findet, bevor auf ein Beispiel der partnerschaftlichen Begegnung, die Zusammenarbeit von Evangelischer Kirche in Deutschland und dem organisierten Sport, eingegangen wird. Sodann soll die akademische Reflexion des Themas beleuchtet werden, ein Abriss der generellen Bedeutung von Sport bei ausgewählten Religionen gegeben werden und schließlich soll ein Ausblick auf weitere Perspektiven diesen Beitrag abrunden.
Sport und Religion - Perspektiven der Annäherung
Bei der Betrachtung des Themenfeldes „Sport und Religion“ bieten sich verschiedene Perspektiven und Ebenen an, die die Vielfältigkeit dieser Kombination verdeutlichen und zu interessanten Studien einladen.
_Begegnung zwischen Partnern_
So kann die Begegnung der Institutionen von Sport und Religion im Sinne einer Begegnung zwischen Partnern näher untersucht werden. Im konkreten Fall Deutschland also beispielsweise die Zusammenarbeit des Deutschen Olympi-
schen Sportbundes (DOSB) mit Vertretungen der beiden großen Volkskirchen, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz (DKB). Beiden Seiten gemeinsam ist das soziale Interesse am Menschen, das Bestreben zu einem positiven Miteinander und einer menschenwürdigen Lebensgestaltung beizutragen.1 Weiter unten soll am Beispiel der Evangelischen Kirche in Deutschland noch weiter auf diesen Punkt eingegangen werden.
Sport und Bewegung als Teil der Religionsausübung
Sport und Körperübungen können ein funktioneller Teil von Religion sein, z. B. in Form bestimmter Tanzübungen oder bewegungsaktiver Gebete, wie dies bekanntlich im Islam der Fall ist, wo das im Idealfall fünfmal am Tag auszuführende rituelle Pflichtgebet, eine Abfolge verschiedener Bewegungsabläufe beinhaltet.
_Religiöse Wurzeln und Anknüpfungspunkte
Sportarten_
Wenn diese Bewegungsabläufe eine eigene Entwicklung erfahren haben, können sie als eigene Sport- bzw. Körpertechnik weiterleben, ohne an die Religionsausübung gebunden zu sein. Einige der fernöstlichen Kampfsportarten haben mehr oder weniger ihre Wurzeln auch in der jeweiligen Religion der Kulturen, aus denen heraus sie sich entwickelt haben. Hierbei sind weitere Forschungen durchaus interessant, denn die mitunter einfache Bezugnahme vom Kampfsport auf den Buddhismus oder Konfuzianismus erscheint zu simplifizierend2 , wenngleich historisch auf Verbindungen hingewiesen werden kann.
_Der Einfluss des Sports auf Religion sowie der Einfluss
Religion auf Sport und Leibeserziehung_
Im Laufe der historischen Entwicklung zeigt sich, dass je nach kulturellem Gesamtkontext und der Stellung von Sport und Sportereignissen bzw. von Religion und religiöser Praxis die jeweils andere Seite nicht unbeeinflusst blieb. So war zum Beispiel in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts eine zentrale Problemstellung für die Vertreter von Sport und Kirche die Frage nach dem „richtigen“ Sonntagsgebrauch und die Ausrichtung von Turnieren und Sportwettkämpfen am Sonntag. In der heutigen Zeit hat sich eine solche Frage angesichts einer mehr und mehr kirchenabgewandten Gesellschaft mit sonntagsoffenen Einkaufsangeboten überlebt; die Kirchen haben sich vor längerer Zeit hier angepasst und ihre „Angebote“ für die weniger werdenden …
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Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten
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