Schulischer Religionsunterricht in der Schweiz I - 16.3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 58. EL 2018 1
Zusammenfassung
Der Artikel befasst sich mit dem schulischen Religions-Unterricht in der
Schweiz. Er beschreibt zunächst die geschichtlichen Entwicklungen sowie
die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieses Unterrichtsfachs an der
öffentlichen Schule. Wie die daran anschließenden Darstellungen von Lehr-
plänen, Lehrmedien und Forschungsresultaten zeigen, hat sich der Unterricht
in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Kantonen von einem bekenntnisge-
bundenen zu einem religionskundlichen Unterricht fĂĽr alle SchĂĽlerinnen und
Schüler entwickelt. Mit diesen jüngsten Veränderungen gehen die religions-
wissenschaftliche Ausrichtung der Lehrerausbildung sowie die Annäherung
der Unterrichtskonzeption an Modelle anderer allgemeinbildender Fächer
einher. Dabei werden neue religionswissenschaftlich basierte Kompetenzmo-
delle, didaktische Ansätze und Lernarrangements entwickelt. Bei diesen Kon-
zeptionen geht es nicht um die religiöse Identität der Kinder und Jugendlichen
wie beim bekenntnisgebundenen oder interreligiösen Unterricht, sondern um
das Ziel, das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher
religiöser oder säkularer Herkunft durch religionskundliches Wissen und
Handeln zu fördern. Im letzten Teil des Artikels wird gezeigt, wie die Reli-
gions-Verwissenschaftlichung und Didaktisierung zu einer vermehrten Insti-
tutionalisierung (Fachzeitschrift, Tagungen, Forschungsgruppen etc.) gefĂĽhrt
hat und damit einen unĂĽbersehbaren Professionalisierungsschub bewirkten.
Schlagwörter
Religions-Unterricht, Religionswissenschaft, religionswissenschaftliche
Unterrichtsforschung, Religionskunde, Kompetenzmodell, Religionskunde- Didaktik, Lernarrangement
Editor: Zrinka Ĺ timac
I - 16.3 Schulischer Religions-Unterricht in der Schweiz
[Education in Religion/s at Public School in Switzerland]
Von Katharina Frank
unter Mitarbeit von Petra Bleisch, Séverine Desponds,
Nicole Durisch Gauthier, Andrea Rota und Urs
Schellenberg
--- Seite 1 Ende ---
I - 16.3 Schulischer Religionsunterricht in der Schweiz
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Westarp Science – Fachverlage
1 Einleitung: Vielfältige Zusammenhänge von Religion und Schule
Im FrĂĽhjahr 2016 machte eine Schule im Kanton Basel Landschaft von sich
reden, als zwei muslimische Jugendliche aus religiösen Gründen ihrer Lehrerin
zur täglichen Begrüßung die Hand nicht reichen wollten. In einer Sitzung mit
den beiden SchĂĽlern und deren Eltern, dem Lehrerteam sowie der Schulleitung
wurde der Kompromiss vereinbart, dass die SchĂĽler weder den Lehrerinnen
noch den Lehrern die Hand reichen wĂĽrden. Damit kam man sowohl den SchĂĽ-
lern und Eltern, die den Handschlag andersgeschlechtlicher Personen gegenĂĽber
als respektlos betrachteten, als auch den Lehrkräften entgegen, die den Nicht-
Handschlag gegenĂĽber Frauen als geschlechterdiskriminierend empfunden hat-
ten. Als dieses Verhalten der Jugendlichen beziehungsweise der Kompromiss
durch die Presse an die Ă–ffentlichkeit gelangten, waren die Reaktionen in der
Bevölkerung heftig. Viele PolitikerInnen verlangten von den muslimischen
Summary
The article addresses the education in religion/s at public school and descri-
bes in a first step the history and societal conditions of this school subject in
Switzerland. The subsequent presentations of curricula, teaching media and
research of classroom interactions show that the education in most cantons
of Switzerland has changed in the last decades from a confession-oriented to
a study of religions’-based education for all pupils. This change implicated
a more study of religions’-based teacher education and brought the subject
conceptions closer to other teaching subjects like history or geography. New
models of competence have been generated, didactical approaches and lear-
ning sets are developed. These concepts do not encourage the own religious
identity as the religious or interreligious education does, but they foster the
aim of a peaceful living together with humans of different religious and se-
cular backgrounds by study of religions’-based knowledge and performances.
The last part of the article shows how the scientification and didactisation by
scholars of the study of religions have led to an institutionalisation (journal,
conferences, research groups) and induced a vast professionalisation.
Keywords
Education in religion/s, Study of Religion, study of religions’-based research
of education, study of religions’-based education, model of competence, study
of religions’ based didactics, learning sets
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Der vollständige Artikel umfasst 31 Seiten
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