Amirpur, Fazlur Rahman

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Fazlur Rahman Von Katajun Amirpur Fazlur Rahman (eigentlich: Fazl ur-Rahman Malik), eine der wichtigsten Stimmen innerhalb der Diskussion um die Reform des islamischen Denkens im 20. Jahrhundert, wurde am 21. September 1919 in der Provinz Hazara geboren, die heute in Pakistan liegt. Sein Vater, Mawlana Shihab ad-Din, war ein alim , ein religiöser Gelehrter. Von ihm erhielt Rahman eine Ausbildung in den klassischen Disziplinen der islamischen Wissenschaften, in tafsir (Exegese), Hadith (Überlieferung), fiqh (Jurisprudenz), usul al-fiqh (Grundlagen der Rechtswissenschaft), kalam (Theologie) und falsafa (Philosophie). Nach dem Abitur besuchte er die Punjab University in Lahore und erwarb dort einen BA und einen MA in arabischer Literatur. Im Anschluss daran ging Rahman nach Oxford, wo er seine Dissertation über den persischen Philosophen Avicenna (980-1037) schrieb. Nachdem er seine Promotion abgeschlossen hatte, lehrte er von 1950 bis 1958 an der Durham University in Großbritannien islamische Philosophie. Schnell empfand er jedoch die Philosophen zwar als sehr klug in ihren Argumenten, „aber ihr Gott blieb ein blutleeres Prinzip - ein bloß intellektuelles Konstrukt ohne Kraft und Leidenschaft“1 . Deshalb wandte er sich der Theologie und speziell den religiösen Denkern zu, die - wie al-Ghazzali (1058-1111), Ibn Taymiya (1263-1328) und Shah Wali Allah (1703-1762) - eine Symbiose zwischen ihrer Expertise in Jurisprudenz und der Theologie herstellten. 1958 übernahm Rahman am Institut für Islamwissenschaft der McGill Universität in Kanada die Position eines Assistenzprofessors. Dort blieb er drei Jahre, bis er auf Betreiben von General Ayyub Khan, dem damaligen Präsidenten Pakistans, in sein Heimatland zurückkehrte. Ayyub Khan wollte ihn als Direktor des Islamic Research Institute haben, das laut Rahman gegründet worden war, um die Regierung in ihrer religiösen Politik zu beraten. Diese sollte auf islamischen Prinzipien gründen, von Rahman und seinen Mitstreitern jedoch interpretiert und an die sich verändernden Bedingungen in der modernen Welt angepasst werden. Das Institut sollte vor allem dem Modernisierungsprojekt Ayyub Khans intellektuelle Unterstützung und Rückendeckung liefern. Pakistan, als Heimatland für Muslime gegründet, war von Anfang an zwischen dem traditionalistischen Islam der Bevölkerung und dem modernen Islam der intellektuellen und säkularen Elite des Landes zerrissen. Dem Präsidenten lag daran, die Modernisierung voranzubringen, ohne die Traditionalisten gegen ihn aufzubringen. Mit seiner traditionellen islamischen Gelehrsamkeit und aufgrund seines langjährigen Kontaktes zum Westen schien Rahman einer der wenigen zu sein, der dieser Herausforderung gewachsen war. In seiner neuen Position sah Rahman eine Möglichkeit, das religiöse Establishment zu reformieren, vor allem dessen Ausbildungssystem. Denn jede islamische Reform müsse mit der Bildung anfangen. So begann er junge Akademiker darin zu trainieren, sich der islamischen Tradition von einer kritischen Perspektive aus zu nähern. In der Zeitschrift Islamic Studies, die das Institute for Islamic Research herausgab, äußerte sich Rahman zu allen aktuellen Fragen des islamischen Denkens, beispielsweise zur Position des Individuums oder den Auswirkungen der Modernisierung auf die Religion. Dabei nahm er durchaus auch Fragen auf, die von westlicher Seite an ihn herangetragen wurden. So schreibt er, dass der Islam im Westen als eine Religion gesehen werde, die die Gemeinschaft und nicht das Individuum betone. Immer wieder jedoch wandte er sich explizit an ein pakistanisches Publikum - vor allem an seine Gegner unter den Geistlichen. An sie gerichtet, erklärte er, dass, wenn der Staat Pakistan die Probleme, die sich zwischen Islam und Moderne ergeben, nicht löse, unweigerlich die Säkularisierung folge. Ein wesentlicher Teil der ihm von Ayyub Khan übertragenen Aufgaben bestand darin, der Politik praktische Ratschläge bei jeder Art islamischer Fragestellung zu geben: Dabei reichte das Spektrum vom Zinsverbot bis zur Almosensteuer und dem Familienrecht. In all diesen Punkten nahm Rahman einen liberalen Standpunkt ein, was ihn schnell mit dem traditionalistischen religiösen Establishment in Konflikt brachte. Der heftigste Widerstand, der sich meistens gegen Frauenrechte und die Reform des Familienrechts richtete, kam von den Konservativen. Die Unzufriedenheit der politischen Gegner Ayyub Khans fand in Rahman eine ideale Zielscheibe, symbolisierte er für sie doch die schlimmsten Aspekte des Modernisierungsprojekts: die religiöse und soziale Reform. So geriet der Gelehrte nicht nur zwischen die Fronten, er wurde sogar zum Faustpfand im Machtkampf zwischen dem Präsidenten und dem …
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