**I - 14.7.4 Religion und Religiosität bei Singlefrauen - Die Befunde einer empirischen Interviewstudie** _**[Religion and Religiosity of Single Women - Results of an Empirical Interview Study]**_
Von Annegret Reese-Schnitker
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird eine empirische Interviewstudie vorgestellt, die erstmalig religionspädagogisch untersucht, wie Singlefrauen ihr Leben gestalten und bewältigen und welche Rolle Religion und Religiosität in ihrem Alltagsleben spielen. Nach der Klärung des disparaten Singleverständnisses wird ein kompakter Überblick zu zentralen Ergebnissen der Singleforschung gegeben. Danach wird die empirische Erhebungsmethode mit ihren Interviewfragen skizziert. Zentrale Ergebnisse zur Religiosität der Singlefrauen werden thesenartig vorgestellt, anschließend ihre Potenziale und Risiken kritisch diskutiert. Unter anderem zeigt sich, dass die religiöse Suche dieser Frauen dabei deutlich von Motiven der Selbstvergewisserung und Selbstbesinnung hinsichtlich des eigenen Lebens motiviert ist. Zudem ist festzustellen, dass das Verhältnis zwischen den befragten Singlefrauen und institutioneller Religion gestört ist. Abschließend werden Aufschlüsse für pastorale Arbeit und religiöse Erwachsenenbildung genannt, die in wechselseitigen Anfragen münden: Inwiefern fordern Singlefrauen die derzeitige Gestalt christlicher Religion heraus? Welche Anfragen können an die religiösen und quasi-religiösen Ausdrucksgestalten und Vorstellungen der Singlefrauen gestellt werden?
Schlagwörter: Single, Gender, Genderforschung, Religion, Religiosität, empirische Interviewstudie, Biografieforschung, Religiöse Erwachsenenbildung
Summary
This article presents an empirical interview study examining for the first time with the focus of religious education how single women organize and manage their lives and what role religion and religiosity play in their daily lives. After clarifying the disparate understanding of being a single, a compact overview of central results of research on singles is given. Thereafter,
_**Editor: Verena Maske**_
the empirical survey method with its interview questions is sketched. Central results on the religiosity of single women are presented in the form of theses, then their potentials and risks are critically discussed. This shows that the religious search of these women is clearly motivated by self-assurance and self-reflection in their own lives. It should also be noted that the relationship between the interviewed single women and institutional religion is disturbed. Finally, conclusions are given for pastoral work and adult religious education, which lead to the reciprocal questions: To what extent do single women challenge the contemporary form of Christian religion? Which questions can be asked about the religious and quasi-religious expressions and ideas of the single women?
Keywords: Single, gender, gender research, religion, religiosity, empirical interview study, biographical research, adult religious education
1 Einleitung
Ein Single nimmt die Welt anders wahr als ein Mensch, der in einer Paarbeziehung lebt. Der Blick und die Zugänge auf das Leben sind aus dem weit vertrauten und vordefinierten Hafen des Paares oder dem - in der Regel - sicheren und behüteten Nest der Familie grundlegend andere. Für das Leben des Singles existieren bislang weitaus weniger Strukturen und Regeln. Dies trifft auch auf den kirchlichen Kontext zu, in dem die Sakramente als begleitende Heils ereignisse das Leben in christlicher Ehe mit Kindern strukturieren und die gemeindlichen Angebote und kirchlichen Feste häufig an familiären Bedürfnissen orientiert sind. Obwohl Singles eine stark wachsende Population der Gesellschaft sind, fielen sie bisher eher wenig in das Blickfeld pastoraler Angebote und religiöser Erwachsenenbildungsarbeit.
Religionspädagogische Bildungsarbeit, gezielte Interventionen und offene pastorale Angebote innerhalb der Kirche brauchen eine differenzierte Wahrnehmung der vielfältigen Zielgruppen. Meine qualitativ-empirische Studie hat daher eine bestimmte Untersuchungsgruppe ins Zen trum ihrer Aufmerksamkeit gestellt: kinderlose, alleinlebende Frauen um die 40 Jahre. „Geschlecht“ ist neben der „Lebensform“, dem „Alter“ und möglichen anderen Zuschrei bungen „nur“ eine Kategorie, doch eine sehr entscheidende. Ein Leitsatz dieser Arbeit war daher, für die geschlechtsspezifischen Unterschiede des Individualisierungs prozesses und der Ausprägungen religiöser Individualisierung zu sensibilisieren.
Die in diesem Beitrag1 präsentierte qualitativ-empirische Studie zielte darauf ab, die Formen der Lebensgestaltung und Lebensbewältigung von Singlefrauen zu erheben, um anschließend zu untersuchen, ob und inwieweit gelebte Religiosität vorkommt und/oder gemeindliche, kirchlich-institutionelle Beheimatung eine Rolle spielt. „Ich weiß nicht, wo da Religion …
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Der vollständige Artikel umfasst 25 Seiten
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