Sedlmeier, Wirkungen von Meditation

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Wirkungen von Meditation I - 14.7.1 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 55. EL 2018 1 I - 14.7.1 Wirkungen von Meditation VON PETER SEDLMEIER Zusammenfassung Meditation ist ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Techniken, die häufig in Ansätzen wie Vipassana, Zen, oder Yoga-Meditation kombiniert werden. Ursprünglich dienten diese Techniken ausschließlich spirituellen Zielen, bezeichnet als „Erleuchtung“ oder „Befreiung“. Mittlerweile wird Meditation, oft unter dem Label „Achtsamkeitsmeditation“ zu einem großen Teil ohne Bezug zu spirituellen oder religiösen Traditionen durchgeführt. Zentrale Ziele hierbei sind, Leiden zu lindern, die Leistung zu steigern und das Wohlbefinden zu erhöhen. Die zahlreichen bislang vorliegenden Studien zur Wirksamkeit von Meditation befassen sich nahezu ausschließlich mit letzteren Zielen. Die beste Zusammenfassung der Ergebnisse in den Studien, in denen Auswirkungen auf eine Vielzahl von kognitiven, emotionalen und Verhaltensvariablen untersucht wurden ist wohl: „Meditation wirkt universell positiv“. Dies zeigte sich in mehreren Metaanalysen sowohl für Gesunde als auch für Patienten mit meist psychischen Problemen, wobei die Effekte für Patienten im Durchschnitt etwas geringer ausfielen. Die Studien, die sich mit Auswirkungen auf Gehirnstrukturen und Gehirnprozessen befassten stützen den positiven Eindruck. Trotz der überzeugenden Effekte ist die Meditations- forschung noch immer relativ theoriearm. Hier wird es sich lohnen, psycho- logische Theorien, die aus den alten indischen Schriften extrahiert werden können und neuere westliche Ansätze zusammenzubringen. Schlagwörter Vipassana, Yoga, Zen, Achtsamkeit, Leiden, Leistungssteigerung, Wohlbe- finden, Metaanalysen, Psychologie, Gehirnstruktur, Gehirnprozesse Summary Meditation is an umbrella term for many different techniques, which are often bundled into more comprehensive approaches to meditation, such as Vipassana, Zen, or Yoga-meditation. Originally, these techniques served a single spiritual purpose, termed “enlightenment” or “liberation”. Meanwhile, meditators practice many varieties of “mindfulness meditation” without any reference to spiritual or religious traditions. Now, many meditators use the --- Seite 1 Ende --- I - 14.7.1 Wirkungen von Meditation 2 techniques to suffer less, achieve more, and increase their well-being. Most of the studies on the effects of meditation dealt with the latter aims of meditation and examined its effects on a wide variety of cognitive, emotional and beha- vioral variables. The general finding of these studies may be summarized as: “Meditation has universally positive effects.” This conclusion was drawn in several meta-analyses that examined effects for healthy practitioners as well as patients who mostly suffered from psychological problems. However, the effects for patients were on average less pronounced than those for healthy meditators. Studies that looked at the effects of meditation on brain structures and brain processes support the positive impression. Despite the convincing effects, meditation research still lacks a comprehensive theory. To make pro- gress in this respect, it seems worthwhile to combine psychological theories extracted from ancient Indian approaches with recent western attempts to explain the effects of meditation. Keywords Vipassana, Yoga, Zen, mindfulness, suffering, brain structures, psychology, brain processes, meta-analyses, achievement, well-being Was ist Sinn und Zweck von Meditation? In den religiösen Traditionen, in denen Meditation ursprünglich entwickelt wurde, geht es immer nur um das Eine, be- schrieben als „Erleuchtung“, „Befreiung“, oder „die Welt so sehen, wie sie ist“. Es geht im Grunde darum, den Sinn des Lebens zu finden. Dabei ist Meditation zwar der zentrale Bestandteil, aber jeweils eingebettet in einen größeren spiri- tuellen Kontext, einen „Heilspfad“, der auch ethische und moralische Regeln enthält. Bekannte Heilspfade sind etwa der buddhistische Edle Achtfache Pfad 1 oder der hinduistische Achtfache Yogapfad der im Yogasutra beschrieben wird 2 . Diese Übungswege waren jedoch nicht für Menschen mit psychischen oder somatischen Problemen gedacht. Eher im Gegenteil: Die spirituellen Lehrer wählten ihre Schüler eher danach aus, ob sie körperlich und psychisch in der Lage waren, den oft beschwerlichen Pfad zu beschreiten. 3 Im Gegensatz dazu befasst sich die kontemporäre Meditationsforschung überwiegend nicht mit der traditionellen Form von Meditation, sondern mit der Anwendung von Me- ditationstechniken weitgehend ohne spirituellen oder religiösen Kontext. Das zentrale Ziel bei diesen säkularen Meditationsformen, oft als „Achtsamkeits- meditation“ bezeichnet, ist auch nicht die Erleuchtung, sondern Leiden (zum Beispiel Ängstlichkeit, Depressivität, Schmerzen) zu lindern, die Leistung zu steigern und das Wohlbefinden zu erhöhen. 4 Westarp Science – Fachverlage
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