**I - 14.5.6 Gurus in der Reiseliteratur. Ein Aspekt der religiösen Globalisierung** _**[Gurus in the Travel Literature. An Aspect of Religious Globalization]**_
Von Elmar Schenkel
Zusammenfassung
Ein modernes Phänomen, die Reisen zu indischen Gurus, sollen in dieser Übersicht im Kontext von Reiseliteratur und moderner, globaler Pilgerschaft gesehen werden. Die westliche Suche nach spiritueller Wahrheit in Indien begann, als Vivekananda den Hinduismus 1893 dem Westen vorstellte. Frühe individuelle Pilger und Gelehrte auf den Spuren der Swamis waren Paul Brunton, Mircea Eliade und Hermann Graf Keyserling. Als der Beat-Dichter Allen Ginsberg und die Beatles Indien aufsuchten, begann der Siegeszug der Gurus im Westen. Für die Gegenwart können drei Arten von Reiseberichten unterschieden werden: geschrieben von Reiseautoren, die Gurus am Rande erwähnen, oft im kritischen Sinn; von Reisenden, die auf einer inneren Suche sind, und drittens, Reisenden, die ihren eigenen Guru suchen. Die vorgestellten Autoren stammen aus den Niederlanden, Australien, Kanada, Italien, Großbritannien oder Deutschland. Es wird angenommen, dass diese Begegnungen Teil eines globalen Prozesses sind, in dem indische Spiritualität einerseits zur Ware werden kann, während sie andererseits unverzichtbar ist im Hinblick auf unsere spirituelle Orientierung.
Schlagwörter: Guru, Reiseliteratur, Pilgerfahrt, Indien, Globalisierung, Tourismus, Hinduismus, Christentum, Vivekananda, Maharishi Mahesh, Ramana Maharshi, Sri Aurobindo, Mother, Mira, Alfassi, Tagore, Beatles, Ginsberg
Summary
This survey attempts to locate a modern phenomenon, the visit to Indian gurus, with the context of travel writing and globalised pilgrimage. Westerners began to search for spiritual truth in India after Hinduism was introduced
_**Editor: Michael Klöcker**_
to the West by Vivekananda in 1893. Early individual pilgrims and scholars visiting Indian swamis include Paul Brunton, Mircea Eliade, Hermann Graf Keyserling. With Beat poet Allen Ginsberg and the Beatles visiting India, the appeal of gurus and Indian spirituality soared in the West. As for the present, three types of travelogues relating to Indian gurus are covered: travel writers mentioning gurus, mostly critically; travellers in search of spiritual truth and the truth about themselves; travellers in search of their individual gurus with a view of becoming a devotee, at least for a time. The backgrounds of these writers are truly international (Canada, Australia, Italy, Netherlands, Britain and Germany). The presentation suggests that these encounters are part of a spiritual globalization, where Indian spirituality can turn into a commodity but can also contribute to a better understanding of the religious condition we are in.
Keywords: Guru, Traveling Literature, Pilgrimage, India, Globalization, Tourism, Hinduism, Christianity, Vivekananda , Maharish Mahesh, Ramana Maharshi, Sri Aurobindo, Mother, Mira, Alfassi, Tagore, Beatles, Ginsberg
1 Vergangenheit
Pilgerfahrten sind ein uraltes Phänomen. Menschen waren und sind immer unterwegs, um sich zu reinigen, um anders und besser zu werden und um in Kontakt mit göttlich-heiligen Kräften zu treten. Es scheint sich um eine anthropologische Konstante zu handeln, zumindest treffen wir dieses Verhalten in vielen historischen Religionen an.1 Meist handelt es sich um Reisen von Gruppen oder Einzelnen zu heiligen Stätten wie Mekka oder Jerusalem. Dabei spielen Priester und Reiseführer eine besondere Rolle in der Vermittlung des Sakralen, sei es durch Rituale, Tänze oder Gottesdienste, sei es durch kundige historische Führung und Erklärung. Die Verbindung von Tourismus und Wallfahrt, insbesondere in Zeiten der Globalisierung, sind von Udo Tworuschka und Michael Stausberg eingehend untersucht worden.2 Religiös orientierter Tourismus kann demnach verschiedene Formen annehmen - vom organisierten Flug und von der Rundreise, die auf eine spezielle Religionsgemeinschaft zugeschnitten sind, bis hin zu „spirituelle(n) Touristen“.3 Mit Zygmunt Bauman argumentierend erkennt Stausberg einen solchen Sucher als Figur der Postmoderne: „Religiöse Biografien laufen nicht mehr auf das eine große Heilsziel hinaus, sondern man probiert alle möglichen spirituellen Angebote aus.“4 Re-
ligionstourismus ist für Stausberg zunächst einmal abhängig vom Reiseziel, während spiritueller Tourismus stärker die Motivation des Reisenden betrifft.5 Er untersucht zwar Gruppenreisen zu Schamanen und Heilern, lässt aber Reisen Einzelner zu spirituellen Lehrern oder Gurus außer Acht. Im Folgenden soll mit Blick insbesondere auf Indien dieser Aspekt beleuchtet werden, und zwar vom Gesichtspunkt der Reiseliteratur aus.
Reisen zu Gurus nehmen in der indischen Kultur und Literatur einen großen Raum ein, da der Guru wie in keiner anderen Kultur einen hohen Rang hatte und hat. Der Begriff Guru geht auf ein Sanskritwort für „schwer“ zurück, wird aber auch als „Beseitiger von Dunkelheit“ interpretiert. Die nüchterne Übersetzung lautet schlicht „Lehrer“. Er gilt als geistiger Vater und Erzieher, ihm werden Ehre und Respekt dargebracht. Der Guru kann auch eine Frau sein, wie gerade …
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Der vollständige Artikel umfasst 17 Seiten
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