Elisabeth Schüssler-Fiorenza I - 5.8.9
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 87. EL 2026 1
ZusammenfassungZusammenfassung
In diesem Artikel werden anhand ausgewählter Werke von Elisabeth Schüss-
ler Fiorenza Einblicke in ihre feministisch-christlich geprägte Bibelforschung
gegeben. Unter verschiedenen Wortneuschöpfungen wird insbesondere der
von ihr entwickelte Begriff des Kyriarchats dargestellt und in den Zusam-
menhang mit einerseits feministischer sowie andererseits religionsbezogener
Forschung gestellt. Ausgehend davon, dass für Schüssler Fiorenza christliche
Religion dafür genutzt wurde und wird, die Herrschaftsmechanismen Ein-
zelner zu untermauern, entwickelte sie die „Hermeneutik des Verdachts“ mit.
Schlagwörter
feministische Theologie, feministische Wissenschaft, Kyriarchat, Herme-
neutik des Verdachts, katholische Theologie, Neues Testament, Frauenge-
schichte, Herrschaft
I - 5.8.9 „Zu ihrem Gedächtnis …“. Elisabeth Schüssler-
Fiorenzas Beitrag zur Religionsforschung
[„In Memory of her …“. Elisabeth Schüssler
Fiorenza’s contribution to religious studies]
Carlotta Israel
Submitted October 3, 2025, and accepted for publication January 15, 2026
Editor: Dolores Zoé Bertschinger
SummarySummary
This article provides an overview of Elisabeth Schüssler Fiorenza’s feminist
Christian biblical research through selected works. Her concept of kyriarchy
is particularly highlighted and placed in the context of feminist and religious
research. Schüssler Fiorenza’s development of the ‘hermeneutics of suspi-
cion’ is also discussed, which is based on the idea that Christian religion
has been and continues to be used to underpin the power mechanisms of
individuals.KeywordsKeywords
Feminist theology, Feminist Studies, Kyriarchy, Hermeneutics of Suspicion,
Catholic theology, New Testament, women’s history, domination
--- Seite 1 Ende ---
I - 5.8.9 Elisabeth Schüssler-Fiorenza 2© Westarp Science Fachverlag
1 Bi
Elisabeth Schüssler Fiorenza wurde 1938 in Rumänien geboren und wuchs
nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe Würzburgs auf.
1
1958 begann sie dort
ihr Studium der Katholischen Theologie. 1970 wurde sie mit einer neutesta-
mentlichen Arbeit über die Johannesapokalypse mit Fokus auf den Motiven
von Herrschaft und Priestertum in Münster promoviert. 1970 emigrierte sie in
die USA und war dort zunächst an der Universität Notre-Dame tätig, ab 1984
Talbot-Professorin im Neuen Testament an der Episcopal Divinity School und
ist seit 1988 Krister-Stendahl-Professorin an der Divinity School der Har-
vard University.
2
2022 beendete sie ihre Lehraktivitäten und arbeitet seither
als Research-Professorin.
3
Darüber hinaus wurden ihr zahlreiche Ehrendok-
torwürden und Preise verliehen und Festschriften übergeben.
4
Des Weiteren
liegen biografische Studien zu ihr vor.
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Sie hat sich in vielerlei Vereinigungen
engagiert, bspw. in der Catholic Biblical Association (CBA), in der American
Academy of Religion (AAR) oder der Society of Biblical Literature (SBL) und
in diesen und anderen Kontexten spezifisch die Frage nach Frauen in Bibel,
(früher) Kirchengeschichte und Christ*innentum
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insgesamt eingebracht und
bearbeitet.
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Diese Themen spiegeln sich auch in ihrem weitreichenden Œuvre
wider, das mehrheitlich auf Englisch erschienen ist, wobei einzelne Mono-
grafien vorrangig ins Deutsche, aber teilweise auch ins Spanische und andere
Sprachen übersetzt worden sind.
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2
Feministische (Bibel-)Wissenschaft „In Memory of her …“ (1983)
„In Memory of her … A Feminist Theological Reconstruction of Christian
Origins“ bzw. auf Deutsch „,Zu ihrem Gedächtnis …“‘. Eine feministisch-theo-
logische Rekonstruktion der christliche Ursprünge“
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durfte Elisabeth Schüssler
Fiorenza nicht in ihren Lehrveranstaltungen an der Universität Notre Dame
einsetzen.
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Das in drei Teile aufgegliederte Werk – der erste Teil entwirft
eine kritisch-feministische Hermeneutik, Methode und historische Rekonst-
ruktionsmöglichkeiten; der zweite Teil fokussiert Frauen (Gal 3,28) und Weib-
lichkeit („Sophiagott“) in der Jesusbewegung und bei Paulus; Teil drei zeigt deren Fortentwicklung in den deuteropaulinischen Schriften und den Evan-
gelien auf
– erkundet das Erbe von Frauen am Anfang des Christ*innentums,
„um diese frühchristliche Geschichte als Geschichte von Frauen und Männern
zurückzugewinnen“.
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Dies schließt ein, dass die Gegensätze „zwischen soge-
nannter ‚engagierter‘ feministischer Wissenschaft und ‚neutraler‘ androzentri-
scher akademischer Wissenschaft“
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nicht bestehen bleiben, sondern „daß sie
[androzentrische Wissenschaft und Wissensschatz, CI] wirklich menschlich,
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Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten
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