Maurer, Sigrid Hunke (1913–1999): Völkische Religion in der Bundesrepublik

📖 Leseprobe – 2 von 16 Seiten
Sigrid Hunke (1913-1999): Völkische Religion in der Bundesrepublik [Sigrid Hunke (1913-1999): Völkische Religion in the Federal Republic of Germany] Moritz Maurer Zusammenfassung Hunke verfasste ein breites Werk vor allem populärer und religionsphilosophischer Schriften, die aus völkischer Perspektive u. a. den Nahen Osten und die europäische Religionsgeschichte in den Blick nahmen. Ihre Werke erschienen in namhaften Verlagen und erreichten ein breites Publikum. Wichtigster Bezugspunkt war die Rassenseelenkunde, die spezielle Form der Rassenpsychologie, die ihr Doktorvater Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974) in den 1920ern entwickelt hatte. Durch ihre rege schriftstellerische Tätigkeit vermochte sie zum einen zu einer Vordenkerin der Neuen Rechten in Deutschland zu werden, zum anderen sich über Jahrzehnte als Nahostexpertin in der alten Bundesrepublik zu etablieren. Durch ihre Wirkung in verschiedenste Milieus hinein und weit über den deutschen Sprachraum hinaus lohnt sowohl aus fachgeschichtlichem als auch aus politischem Interesse die kritische Auseinandersetzung mit Hunkes Werk und Erbe. Schlagwörter: Nationalsozialismus, Neue Rechte, völkische Religion, Rassismus, Antisemitismus, Deutsche Unitarier Summary Sigrid Hunke (1913-1999) was one of the most influential German-speaking religious scholars of the 20th century. Hunke wrote a wide range of works, primarily popular and religious-philosophical writings, which examined the Middle East and European religious history from a nationalistic per- Submitted October 3, 2025, and accepted for publication January 15, 2026 Editor: Dolores Zoé Bertschinger spective. Her works were published by renowned publishing houses and reached a wide audience. Her most important point of reference was racial soul science, a special form of racial psychology developed by her doctoral supervisor Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974) in the 1920s. Through her prolific writing, she managed to become a thought leader of the New Right in Germany on the one hand, and to establish herself as an expert on the Middle East in the old Federal Republic on the other. Due to her influence in various social strata and far beyond the German-speaking world, a critical examination of Hunke’s work and legacy is worthwhile from both a historical and political perspective. Keywords: National Socialism, New Right, völkisch religion, racism, antisemitism, German Unitarians 1 Einleitung Sigrid Hunkes Leben stellt ein komplexes Beispiel für die Verflechtungen von Religionsforschung, rechter Ideologie und Genderfragen dar. Die Autorin, die über mehr als sechs Jahrzehnte produktiv war, vermittelte Vorstellungen der völkischen Frauenbewegung in die Bundesrepublik, baute Brücken zwischen nationalsozialistischer Ideologie und Panarabismus und wirkte als Vordenkerin einer eigenen Religion, des Bundes Deutscher Unitarier. Gleichzeitig gelang es ihr, als Public Intellectual aufzutreten und in bekannten Verlagen ihre Bücher zu veröffentlichen. Sigrid Hunke steht damit auch für die Kontinuitäten zwischen dem Nationalsozialismus und der breiteren Kultur des postfaschistischen Deutschlands. Aufgrund der Vielfalt ihrer Aktivitäten kann der vorliegende Text nur Einblicke in ihr Leben gewähren. Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass viele der biografischen Darstellungen reich an - teilweise bewusst von ihr und ihrer Anhängerschaft gestreuten - Fehlern und Verzerrungen sind. Hier möchte der vorliegende Text einen Überblick gesicherter Fakten bieten.1 2 Ein Leben für die völkische Idee Geboren wurde Hunke am 26. April 1913 in Kiel. Ihr Vater Friedrich Heinrich Hunke hatte in Kiel die größte Buchhandlung der Stadt aufgebaut und war u. a. als Verleger und Veranstalter von Konzerten tätig.2 Ihre Schwester Waltraud Hunke (1915-2004) war auch NSDAP-Mitglied und arbeitete für das Ahnenerbe (s. u.). In der Nachkriegszeit arbeitete sie als Buchhändlerin in Kiel.3 In autobiografischen Einschüben verlegt Hunke religiöses Interesse und Kritik am Christentum in ihre Kindheit - Positionen, die auch für das spätere Werk entscheidend werden sollten, aber merklich von ihren theoretischen Einflüssen geprägt sind.4 Hunke begann nach dem Abitur an einem Oberlyzeum 1932 und einem abgebrochenen Musikstudium ab 1934 ein Studium in Kiel, Freiburg und Berlin.5 Sie profitierte sowohl von der Bildungsexpansion der Weimarer Republik als auch von der Tatsache, dass zum Zeitpunkt ihrer Promotion große Zahlen an Studenten zur Wehrmacht eingezogen wurden, was ihr die Möglichkeit eröffnete, weiterhin im akademischen Betrieb tätig zu sein. Während ihres Studiums war sie für verschiedene nationalsozialistische Organisationen tätig und trat nach dem Aufnahmestopp 1937 der NSDAP bei.6 Hunke bewegte sich wie ihr Lehrer Clauß …
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten