Sigrid Hunke (1913‒1999) I - 5.8.7
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 87. EL 2026 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Hunke verfasste ein breites Werk vor allem populärer und religionsphilo-
sophischer Schriften, die aus völkischer Perspektive u. a. den Nahen Os-
ten und die europäische Religionsgeschichte in den Blick nahmen. Ihre
Werke erschienen in namhaften Verlagen und erreichten ein breites Pub-
likum. Wichtigster Bezugspunkt war die Rassenseelenkunde, die spezielle
Form der Rassenpsychologie, die ihr Doktorvater Ludwig Ferdinand Clauß
(1892‒1974) in den 1920ern entwickelt hatte. Durch ihre rege schriftstelle-
rische Tätigkeit vermochte sie zum einen zu einer Vordenkerin der Neuen
Rechten in Deutschland zu werden, zum anderen sich über Jahrzehnte als
Nahostexpertin in der alten Bundesrepublik zu etablieren. Durch ihre Wir-
kung in verschiedenste Milieus hinein und weit über den deutschen Sprach-
raum hinaus lohnt sowohl aus fachgeschichtlichem als auch aus politischem
Interesse die kritische Auseinandersetzung mit Hunkes Werk und Erbe.
Schlagwörter
Nationalsozialismus, Neue Rechte, völkische Religion, Rassismus, Antise-
mitismus, Deutsche Unitarier
I - 5.8.7 Sigrid Hunke (1913‒1999): Völkische Religion in
der Bundesrepublik
[Sigrid Hunke (1913–1999): Völkische Religion in
the Federal Republic of Germany]
Moritz Maurer
Submitted October 3, 2025, and accepted for publication January 15, 2026
Editor: Dolores Zoé Bertschinger
SummarySummary
Sigrid Hunke (1913–1999) was one of the most influential German-speaking
religious scholars of the 20th century. Hunke wrote a wide range of works,
primarily popular and religious-philosophical writings, which examined
the Middle East and European religious history from a nationalistic per-
--- Seite 1 Ende ---
I - 5.8.7 Sigrid Hunke (1913‒1999) 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
Sigrid Hunkes Leben stellt ein komplexes Beispiel für die Verflechtungen von
Religionsforschung, rechter Ideologie und Genderfragen dar. Die Autorin, die
über mehr als sechs Jahrzehnte produktiv war, vermittelte Vorstellungen der
völkischen Frauenbewegung in die Bundesrepublik, baute Brücken zwischen
nationalsozialistischer Ideologie und Panarabismus und wirkte als Vordenkerin
einer eigenen Religion, des Bundes Deutscher Unitarier. Gleichzeitig gelang es
ihr, als Public Intellectual aufzutreten und in bekannten Verlagen ihre Bücher
zu veröffentlichen. Sigrid Hunke steht damit auch für die Kontinuitäten zwi-
schen dem Nationalsozialismus und der breiteren Kultur des postfaschistischen
Deutschlands. Aufgrund der Vielfalt ihrer Aktivitäten kann der vorliegende
Text nur Einblicke in ihr Leben gewähren. Gleichzeitig muss festgestellt wer-
den, dass viele der biografischen Darstellungen reich an
– teilweise bewusst
von ihr und ihrer Anhängerschaft gestreuten
– Fehlern und Verzerrungen sind.
Hier möchte der vorliegende Text einen Überblick gesicherter Fakten bieten.
1
2 Ein Leben für die völkische Idee
G
eboren wurde Hunke am 26. April 1913 in Kiel. Ihr Vater Friedrich Heinrich
Hunke hatte in Kiel die größte Buchhandlung der Stadt aufgebaut und war u.
a. als Verleger und Veranstalter von Konzerten tätig.
2
Ihre Schwester Waltraud
spective. Her works were published by renowned publishing houses and
reached a wide audience. Her most important point of reference was racial soul science, a special form of racial psychology developed by her doctoral supervisor Ludwig Ferdinand Clauß (1892‒1974) in the 1920s. Through her prolific writing, she managed to become a thought leader of the New Right in Germany on the one hand, and to establish herself as an expert on the Middle East in the old Federal Republic on the other. Due to her influence
in various social strata and far beyond the German-speaking world, a critical
examination of Hunke’s work and legacy is worthwhile from both a historical
and political perspective.
KeywordsKeywords
National Socialism, New Right, völkisch religion, racism, antisemitism,
German Unitarians
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten
Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten