Alice Boner (1889‒1981) I - 5.8.5
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 87. EL 2026 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Der Beitrag analysiert das Werk der Schweizer KĂĽnstlerin und Forsche-
rin Alice Boner, die in Südasien einen eigenständigen Zugang zu religiöser
Kunst entwickelte. Im Fokus stehen ihre VerknĂĽpfung von kĂĽnstlerischer
Praxis, kunsthistorischer Analyse und Spiritualität sowie ihre Deutung der
Geometrie religiöser Skulpturen als Ausdruck kosmischer Ordnung. Der
Beitrag verortet diese Arbeiten im Spannungsfeld von Religionsästhetik,
europäischer Moderne und Geschlechtergeschichte und hebt die methodische
Originalität einer außerhalb akademischer Institutionen tätigen Forscherin
hervor.
Schlagwörter
Alice Boner, Religionsästhetik, Traditionalismus, hinduistische Skulptur,
Tanz und Religion, Geometrie und Kosmologie, transkulturelle Moderne,
Geschlechtergeschichte
I - 5.8.5 Kunst, Religion und die Suche nach kosmischer
Ordnung: Alice Boners transkulturelle
Religionsforschung
[Art, Religion, and the Quest for Cosmic Order:
Alice Boner’s Transcultural Study of Religion]
Isabella Schwaderer
Submitted October 3, 2025, and accepted for publication January 15, 2026
Editor: Dolores Zoé Bertschinger
SummarySummary
The article analyzes the work of the Swiss artist and researcher Alice Boner,
who developed an independent approach to religious art in South Asia. It
focuses on her integration of artistic practice, art-historical analysis, and
spirituality, particularly her interpretation of the geometry of religious sculp-
ture as an expression of cosmic order. The article situates her work at the
intersection of the aesthetics of religion, European modernity, and gender
history, highlighting the methodological originality of a scholar working
outside academic institutions.
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I - 5.8.5 Alice Boner (1889‒1981) 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
Der Beitrag untersucht Leben und Werk der Schweizer Künstlerin, Mäzenin
und Forscherin Alice Boner (1889–1981), die ab den 1930er-Jahren in Varanasi
lebte und einen eigenständigen Zugang zu den religiösen Traditionen Südasiens
entwickelte. Boners Arbeiten verbinden kĂĽnstlerische Praxis, kunsthistori-
sche Analyse und spirituelle Erfahrung. Zentrale Bedeutung erlangten ihre
Studien zur Geometrie hinduistischer Skulpturen, die sie in ihrem Hauptwerk
Principles of Composition in Hindu Sculpture (1962) als Ausdruck kosmischer
Ordnung deutete.
Ihr Denken war vom Traditionalismus geprägt, insbesondere von Ananda K.
Coomaraswamy, René Guénon und Titus Burckhardt, und stand zugleich in
Resonanz zu europäischen Bewegungen, die Kunst als Medium spiritueller
Wahrheit verstanden. In der Zusammenarbeit mit dem Tänzer Uday Shankar
entwickelte sie zudem ein innovatives Verständnis des Tanzes als „verkörperte
Skulptur“, das performative Praxis mit sakraler Architektur verband.
Der Beitrag stellt ausgewählte Aspekte des Arbeitens und Forschens Boners
heraus und verortet sie systematisch im Kontext der Religionsästhetik, der eu-
ropäischen Moderne und der Fachgeschichte. Ihre Position als Frau außerhalb
akademischer Institutionen zeigt sowohl ihre Marginalisierung als auch ihre
methodische Originalität als Vermittlungsfigur, deren Werk wertvolle Impulse
fĂĽr die Erforschung der Schnittstellen von Kunst und Religion liefert.
2
 Biografischer Hintergrund
Alice Boner wurde 1889 in Legnano, Italien, in eine wohlhabende und welt-
offene Schweizer Familie geboren und erhielt frĂĽh Zugang zu Bildung und
Kunst.
1
Nach einem Studium der Malerei und Bildhauerei in BrĂĽssel, MĂĽnchen
und schlieĂźlich Basel etablierte sie sich in den 1910er- und 1920er-Jahren als
Bildhauerin in der Schweiz, wohin ihre Familie gezogen war. Zwar hatte sie
ein Atelier in ZĂĽrich eingerichtet, unternahm jedoch zahlreiche Reisen nach
Italien und Nordafrika. In Marokko und Tunesien hielt sie ihre EindrĂĽcke
in Fotografien und Skizzen fest, die später zur Grundlage großer Plastiken
KeywordsKeywords
Alice Boner, Aesthetics of Religion, Traditionalism, Hindu Sculpture, Dance
and Religion, Geometry and Cosmology, Transcultural Modernism, Gender
History
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Der vollständige Artikel umfasst 14 Seiten
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