Sauter, Ungewisse Zeiten. Margarete Susman (1872–1966)

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Margarete Susman (1872–1966) I - 5.8.3 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 87. EL 2026 1 ZusammenfassungZusammenfassung Margarete Susman befragte Religion von ihren Bedeutungsrändern her. Sie war Dichterin, Essayistin und Zeitkritikerin, Feministin und Religionsphilo- sophin, dachte als deutsche Jüdin aus ihrer Zeit heraus sowohl über Verlust und Wiedergewinnung der eigenen Tradition als auch über „Religiosität“ und „das Religiöse“ allgemein nach. 1872 in Hamburg geboren, wuchs sie in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Tod des Vaters studierte sie Malerei, trat zunächst mit Lyrik in die Öffentlichkeit und wandte sich um 1900 dann der Philosophie zu. Über die Jahre reflektierte Susman über ihre Gegenwart, über die zerrütteten Zeiten, die sie durchlebte und die in die Katastrophe mündeten. Sie schrieb unter anderem für die Frankfurter Zeitung, Der Morgen und auch für die Blätter des Jüdischen Frauenbundes. In ihren Texten, Büchern und anderen Schriften spannte sie einen Frageho- rizont auf, der den Status des Religiösen insgesamt umkreiste. Insbesondere nahm sie jenes Schwinden religiöser Selbstverständlichkeit in den Blick, das Peripherien und Grenzen der Religionsforschung spiegelte. Damit leistete sie einen unverkennbaren Beitrag zur Frage der Religion in der Moderne. Schlagwörter Jüdische Renaissance, Lebensphilosophie, Religiosität, das Religiöse, Sä- kularisierung I - 5.8.3 Ungewisse Zeiten. Margarete Susman (1872– 1966) [Uncertain Times. Margarete Susman (1872– 1966)] Inka Sauter Submitted October 3, 2025, and accepted for publication February 3, 2026 Editor: Dolores Zoé Bertschinger SummarySummary Margarete Susman explored the meaning of religion from its margins. She was a poet, essayist, and social critic, a feminist and philosopher of religion. As a German Jew, she reflected on the loss and recovery of her own tradition --- Seite 1 Ende --- I - 5.8.3 Margarete Susman (1872–1966) 2© Westarp Science Fachverlag 1 Einleitende Worte I n einer Zeit, in der Religion nicht mehr selbstverständlich war, fragte Marga- rete Susman nach ihrer Bedeutung von den Peripherien her und machte damit Säkularisierungsdynamiken wie das Fortwirken religiöser Themen sichtbar. Sie war in einer akkulturierten jüdischen Familie in Hamburg und Zürich auf- gewachsen, hatte kaum noch Bezüge zur eigenen Tradition und sah religiöse Zugehörigkeit insgesamt von den Fragen der Zeit herausgefordert. Um 1900 begann sie philosophische Vorlesungen und die Privatseminare im Hause von Gertrud und Georg Simmel zu besuchen. Obwohl letztlich externe Gründe dafür verantwortlich waren, dass sie als Frau keine Universitätslaufbahn im deutschen Kaiserreich anstreben konnte, nahm sie auch dadurch in einer Zeit, in der Wissenschaft zunehmend hinterfragt wurde, Religion in offenerer Form in den Blick. Sie dachte über die Rolle der Frau, politische Revolution, den Status des Judentums im Zeitalter der Emanzipation und religiöse Erneuerung nach. In Begegnungen mit Gertrud und Georg Simmel, Martin Buber, Franz Rosenzweig und vielen anderen sowie in Monografien, Gedichten, Essays und Besprechungen in verschiedenen Medien  – unter anderem in der Frankfurter Zeitung, der deutsch-jüdischen Zeitschrift Der Morgen oder auch den Blättern des Jüdischen Frauenbundes – legte sie ein facettenreiches Werk vor, das durch as well as on “religiosity” and “the religious” in general, always linking her questions back to her own time. Born in Hamburg in 1872, Susman grew up in a wealthy family. After her father’s death, she began studying fine arts, first became publicly noticeable with poetry, and around 1900 turned to philosophy. Over the years, Susman reflected on the turbulent times she lived through, which ultimately culminated in catastrophe. She wrote articles and reviews for newspapers and journals such as Frankfurter Zeitung , Der Morgen, and Blätter des Jüdischen Frauenbundes. In her articles, books, and other writings, she has explored a range of questions that revolved around the status of religion as such. In particular, she has focused on the decline of religious self-evidence, which reflected the peripheries and boundaries of religious studies. In doing so, she made a distinctive contribution to the debate on religion in modernity. KeywordsKeywords Jewish Renaissance, philosophy of life, religiosity, the religious, seculari- zation
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