Rezension XVI - 7.3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 72. EL 2022 1
XVI - 7.3 U do Tworuschka: Religionen im Unterricht.
E in geschichtlicher Abriss des interreligiösen
L ernens
Achim Riggert
Das Interesse an „Interreligiösem Lernen“ hat in der Religionspädagogik in
Deutschland seit Anfang der 1990er-Jahre stark zugenommen, worauf auch der
Autor des hier besprochenen Doppelbandes nachdrücklich und mit zum Teil
kritischen Anmerkungen hinweist (II, 272 ff.).
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Im Zuge dieser Dynamik sind
in den letzten Jahren zahlreiche Konzepte und Entwürfe entwickelt und bereits
einige zusammenfassende Darstellungen und Bilanzen veröffentlicht worden.
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Der langjährige Professor für Religionswissenschaft an der Universität Jena und
Begründer einer „Praktischen Religionswissenschaft“
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, Udo Tworuschka, der
auch das „Handbuch der Religionen“ mitherausgibt und inzwischen Ehrenvor-
sitzender von INTR°A
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ist, intendiert auf diesem Hintergrund eine umfassende-
re, historisch-systematische Darstellung, die tiefer in die Geschichte und Vorge-
schichte aktueller Ansätze zum Thema blicken und seines Erachtens wichtige,
bereits vieles vorwegnehmende Vorläufer (insbesondere der sogenannten
„Religionen-Diadaktik“ ab den 1970er-Jahren) in Erinnerung rufen möchte (I,
9 f.). Der Verfasser führt darin eine frühere, erheblich kürzere Darstellung aus
seiner Feder weiter, die eine wichtige Pionierarbeit in dieser Hinsicht darstellt.
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Entgegen einer Reduktion auf unmittelbares Begegnungslernen (gegen Folkert
Rickers [s. II, 297 ff.]), setzt der Autor dabei ein sehr weitgefasstes Verständnis
von „Interreligiösem Lernen“ voraus, das im Prinzip jegliche Beschäftigung
mit anderen Religionen zu verschiedenen Zeiten einbezieht. Der Verfasser holt
dementsprechend weit aus, beginnt mit einem Durchgang unterschiedlicher
Udo Tworuschka Religionen im Unterricht. Ein geschichtlicher Abriss des interreligiösen Lernens Band 1: Von den Anfängen bis zum Nationalsozialismus Band 2: Von 1945 bis zur Gegenwart Westarp Science Fachverlag, Hohenwarsleben 2022 Bd. 1: 340 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-86617-188-6, 42,00 € Bd. 2: 400 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-86617-189-3, 42,00 € Gesamtausgabe: 740 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-86617-190-9, 84,00 €
Editor: Michael A. Schmiedel
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XVI - 7.3 Udo Tworuschka: Religionen im Unterricht
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© Westarp Science Fachverlag
Epochen und Phasen von den ersten Spuren im Neuen Testament und in der
frühen Kirche bis zur Zeit der Nationalsozialismus (Band 1: Von den Anfängen
bis zum Nationalsozialismus), um dann in der zweiten Hälfte (Band 2: Von 1945
bis zur Gegenwart) den engeren Zeitraum der letzten 75 bzw. insbesondere 50
Jahre eingehender zu behandeln – wobei der Schwerpunkt auf dem evangeli-
schen Religionsunterricht liegt, ohne die Entwicklung im katholischen Raum
gänzlich auszusparen (s. II, 76 ff., 337 ff.). Dabei setzt der Verfasser insgesamt
als Begründung für seinen ausholenden Ansatz voraus, dass die gegenwärtigen
Diskussionen zum Thema oftmals von „Argumentationsmustern“ geprägt sind,
in denen sich „alte Kontroversen“ zum „ob“, „wozu“ und „wie“ einer theolo-
gischen und religionspädagogischen Beschäftigung mit anderen Religionen
abbilden (s. I, 9 f.). In der konkreten Ausgestaltung sind die Bände vor allem
von Porträts einzelner, vom Verfasser für zentral bedeutsam gehaltener Protago-
nisten und ihrer Ansätze in den jeweiligen Epochen oder Phasen geprägt – was
auch die Cover der beiden Bände anzeigen. Zugleich bieten die Bände aber auch
thesenartige Zusammenfassungen, zum Beispiel zum Ertrag der Aufklärung (I,
148–150) oder zu den konstitutiven, neueren Entwicklungen seit den 1970er- (II,
261–271) und den 1990er-Jahren (II, 368–392). Ebenso sind erhellende, stärker
systematisierende Darstellungen zu spezifischen Aspekten und Bereichen zu
finden, zum Beispiel zu terminologischen Fragen hinsichtlich der Bezeichnung
anderer Religionen im Bildungskontext und ihrer Implikationen (I, 15 ff.) oder
zu Typologien didaktischer Ansätze (II, 108 ff.) u. a. Schließlich fügt der Autor
auch „narrative Autobiografien“ von seiner Frau und sich selbst in die Darstel-
lung ein, die anschaulich die eigenen, oftmals avantgardistischen Bemühungen
zum „Interreligiösen Lernen“ nachzeichnen (s. II, 180–234).
Die materialreiche, viele Porträts einzelner, interessanter Protagonisten integrie-
rende Darstellung macht das Buch sehr facettenreich und lebendig, bringt aber
zugleich eine Fülle von Einzelinformationen mit sich, die manchmal schwer
zu bewältigen ist. Insofern ist es auch nicht einfach im begrenzten Rahmen
einer Rezension wesentliche inhaltliche Stränge herauszufiltern, geschweige
denn auf Einzelnes genauer einzugehen. Ich möchte mich deshalb auf einige
Schlaglichter und inhaltliche Punkte beschränken, die mir als interreligiös ak-
tiver Religionspädagoge und religionstheologisch interessierter Theologe aus
heutiger Sicht interessant und wichtig erscheinen.
Erhellend und hilfreich finde ich zunächst die religionswissenschaftlich aus-
gewiesenen Reflektionen zur Terminologie bezüglich anderer Religionen im
Religionsunterricht, mit der der Autor seine Darstellung in Band 1 beginnt
(I, 15–56). Diese geben einen guten Überblick über die verschiedenen Be-
zeichnungen im Lauf der Zeit und weisen eindrücklich auf die zum Teil pro-
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 6 Seiten
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