XVI - 7.2

Martin Rötting: Spiritualität vs. Religion – Eine interreligiöse Beziehungsanalyse

📖 Leseprobe – 2 von 3 Seiten
Rezension XVI - 7.2 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 72. EL 2022 1 XVI - 7.2 M artin Rötting: Spiritualität vs. Religion. E ine interreligiöse Beziehungsanalyse Sybille C. Fritsch-Oppermann Der Autor des hier vorgestellten Buches studierte Religionspädagogik und Ökumene in München und Dublin. Er promovierte und habilitierte sich in Religionswissenschaften an der LMU München. Seit 2018 ist er Professor für Religious Studies an der Paris Lodron Universität Salzburg. Martin Rötting verbindet dabei sein Interesse an religionspädagogischen und religionssoziologischen Fragestellungen mit Ergebnissen sowohl der Feldfor- schung als auch religionswissenschaftlicher und religionsphilosophischer Er- kenntnisse. Das macht dies Buch interessant für Wissenschaftler*innen und Universität ebenso wie für Religionslehrer*innen, Pfarrer*innen und ehren- amtlich in der kirchlichen und interreligiösen (Bildungs)arbeit Engagierte. Die von ihm für diese Studie methodisch eingesetzte Metapher des Tanzes wird hilfreich, wenn Leser und Leserinnen sich exemplarisch auf sie einlas- sen, ohne nach möglichen Alternativen oder nach methodologischen Gründen hierfür zu suchen. Die Metapher des Tanzens, einschließlich der Tanzschritte und Schrittfolgen, der Bühne und des Bühnenhintergrundes, der Begleitmusik und der Tanzenden (in ihrem jeweiligen Verhältnis zueinander) helfen den Leser*innen, das ungemein komplexe Verhältnis von Spiritualität und Religion auf unterschiedlichen Ebenen der Beobachtung, der Erforschung und eben auch des Erlebens, (analogisch) nachzuvollziehen. Im „vs.“ des Buchtitels wird bereits die zunehmend spürbare Spannung von Religion und Spiritualität deutlich. Denn auch wenn der Begriff „Spiritualität“ aus der christlich-religiösen Tradition stammt, wird in unserer Zeit und im Alltagsgebrauch der „Spiritualität“ deutlich mehr Sympathie entgegengebracht Martin Rötting Spiritualität vs. Religion Eine Interreligiöse Beziehungsanalyse EOS-Verlag, Sankt Ottilien 2022 292 Seiten, Softcover ISBN 978-3-8306-8111-3 29,95 EUR Editor: Michael A. Schmiedel --- Seite 1 Ende --- XVI - 7.2 Martin Rötting: Spiritualität vs. Religion 2 © Westarp Science Fachverlag als der „Religion“. Rötting geht aber nicht nur den geschichtlichen Spuren von Spiritualität nach. Er analysiert die Gegenwart vor dem Hintergrund einer zu- nehmend globaler und damit multikultureller werdenden Welt. Wie empfinden Menschen das Verhältnis von Spiritualität und Religion in unterschiedlichen kulturellen Kontexten? Wo stehen sie selbst in dieser Beziehung? Eine ausführliche Einleitung verhilft den Lesern und Leserinnen zu einem Überblick und einer Vertiefung der Fragestellung und stellt Methode und Ab- lauf in den einzelnen Kapiteln vor. Die Methode wird – wie bereits im Unter- titel des Buches konstatiert – als eine „interreligiöse Beziehungsanalyse“ cha- rakterisiert. Sowohl Spiritualität als auch Religion sind nur in ihrer jeweiligen Beziehung aufeinander zu verstehen. Beide weisen transreligiöse Bedeutungs- felder auf. „Sie sind einander Text und Kontext. Religion und Spiritualität sind dabei keine starren Gebilde, sie gewinnen ihr Leben durch ihre Verwendung im Denken, Sprechen, Handeln und Fühlen von Menschen. Die Beziehung von Spiritualität und Religion ist daher auch immer persönlich.“ (Seite 14) Sie ist aber auch und gerade in ihrer Spannung eine Geschichte der Moderne und damit untrennbar verbunden mit der Kolonialisierung. Explizit verortet sich der Autor als Religionswissenschaftler und gläubiger und suchender Mensch. Als von der Religionspädagogik (und von der Religionssoziologie, so möchte ich ergänzen) und der Ökumene geprägter Wissenschaftler ist er mit den kul- turellen Spuren von Religion und Spiritualität beschäftigt. Seinen persönlichen Zugang kennzeichnet Rötting als von einer interreligiösen Spiritualität geprägt, die es auch methodisch immer mit zu reflektieren gilt. In den der Einleitung folgenden Kapiteln soll geklärt werden, was eine inter- religiöse Beziehungsanalyse im Kontext von Spiritualität ist. Noch einmal wird die Metapher des Tanzes – auch in ihrer methodischen Anwendung und Bedeutung – näher vorgestellt. Eine Definition der Begriffe Spiritualität und Religion wird angeboten und es wird gefragt, ob Religion und Spiritualität einander (in der Moderne) zum Gegner brauchen. Martin Rötting stellt sich der Aufgabe, nach den Herausforderungen zu fragen, die besonders der Missbrauch und die Corona-Pandemie in den verfassten Re- ligionen, letztlich aber auch in spirituellen Gemeinschaften, mit sich brachten. Welche Bedeutung hat vor diesem Hintergrund eine neoorthodoxe Hinwen- dung zur Spiritualität? Und wie sind die Chancen von Moderne und Spät- bzw. Postmoderne, sich in der Auseinandersetzung mit den Formen von Religion und Spiritualität und deren Verhältnis zueinander zu erneuern?
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Der vollständige Artikel umfasst 3 Seiten