XVI - 7.1

Ulrich Dehn: Geschichte des interreligiösen Dialogs

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Rezension XVI - 7.1 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 63. EL 2020 1 XVI - 7.1 Ulrich Dehn: Geschichte des interreligiösen Dialogs Von Martin Affolderbach Der Titel des hier vorzustellenden Taschenbuchs, „Geschichte des interreligiö- sen Dialogs“, macht sicherlich vor allem solche Leserinnen und Leser neugierig, die sich gegenwärtig im interreligiösen Dialog engagieren oder Interesse an diesem Themenfeld haben. Angesichts der Tatsache, dass sich die Kontakte und Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen im hiesigen gesellschaftlichen Umfeld erst in den letzten Jahrzehnten im Rahmen von Zu- wanderung und gesellschaftlicher Pluralisierung entwickelt haben, erstreckt sich die Neugier vor allem darauf, ob solche Begegnungen denn überhaupt eine nennenswerte Geschichte aufweisen können. Ulrich Dehn, Professor für Missions-, Ökumene- und Religionswissenschaft an der Universität Hamburg, hat sich in seiner beruflichen Laufbahn mit zahl- reichen Aspekten vor allem asiatischer Religionen, des Religionsdialogs und der interkulturellen Theologie beschäftigt, sodass dieser Band wie ein gewisser Ertrag seiner umfangreichen Arbeit erscheint. In „Vorwort“ und „Einleitung“ gibt er einen kurzen Überblick über die Sta- tionen der Geschichte des interreligiösen Dialogs, die er darstellen will, ver- zichtet aber fast gänzlich auf systematische Kategorien. Vielmehr würde seine Darstellung eine Vielfalt von Schlaglichtern umfassen, denen lediglich „die Wahrnehmung der religiösen Vielfalt und der gute Wille, damit konstruktiv umzugehen“ (S. 11), gemeinsam ist. Im ersten Hauptteil mit dem Titel „Mittelalter“, der knapp ein Drittel des Buch- umfanges ausmacht, behandelt der erste Abschnitt die Geschichte des islami- schen al-Andalus, dem Emirat von Córdoba, in dem seit Mitte des 8. Jahrhun- derts bemerkenswerte Phasen relativer religiöser Freiheit für Christen und Juden im Rahmen der islamischen Gesetzgebung existierten. Der zweite Abschnitt stellt Jehuda ibn Halevi vor, der im frühen 12. Jahrhundert eine Apologie des Ulrich Dehn Geschichte des interreligiösen Dialogs EB-Verlag Dr. Brandt, Berlin, 2019 Paperback, 240 Seiten, ISBN 978-3-86893-322-2 Editor: Michael A. Schmiedel --- Seite 1 Ende --- XVI - 7.1 Ulrich Dehn: Geschichte des interreligiösen Dialogs 2 Westarp Science – Fachverlage Judentums als ein fiktives Gespräch entfaltet, das auf eine Konversionslegende aus dem 8. Jahrhundert zurückgreift. Es folgt Petrus Abaelard, der Anfang des 12. Jahrhunderts in einem seiner Werke ein auf vernunftgemäßes Argumen- tieren gründendes Gespräch zwischen einem Philosophen, einem Juden und einem Christen verfasst hat. Das vierte Schlaglicht ist das Werk von Ramon Lull aus dem 13. Jahrhundert, das vor dem Hintergrund der Kreuzzüge einen Vergleich der monotheistischen Religionen mit einem missionarischen Anliegen verbindet. Die „Göttliche Komödie“ des Dante Alighieri aus dem frühen 14. Jahrhundert ist eine kritische Verarbeitung christlicher und islamischer Vorstel- lungen. Der letzte Abschnitt des ersten Teils ist Nikolaus von Kues gewidmet, der vor dem Hintergrund der türkischen Eroberung von Konstantinopel 1453 in seinem Werk „De Pace Fidei“ ein Gespräch zwischen Vertretern verschiedener Nationalitäten und Religionen vorstellt, das von einer Akzeptanz unterschiedli- cher religiöser Traditionen bestimmt ist und auch für eine friedfertige Haltung gegenüber dem Islam plädiert. Dennoch steht für Nikolaus die Vernünftigkeit des christlichen Dogmas außer Zweifel. Der „Neuzeit“ überschriebene zweite Teil des Bandes beginnt mit der ein- drucksvollen Person des Großmoguls Akbar aus dem Indien des 16. Jahrhun- derts, der im Rahmen einer pragmatischen Integrationspolitik das Konzept einer mehrere Religionen umfassenden Metareligion erarbeitet und mit hoheitlicher Autorität umsetzt. Es folgen in den nächsten Abschnitten die Darstellung des Dramas „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing von 1779 und des „West-östlichen Divans“ von Johann Wolfgang von Goethe von 1819, zwei li- terarische Werke mit einem starken Plädoyer für religiöse Toleranz bei Lessing und einem weniger religiösen, vielmehr kulturellen Brückenschlag zwischen Okzident und Orient bei Goethe. Mit dem darauffolgenden Abschnitt über das Parlament der Religionen der Welt in Chicago 1893 wird eine Reihe von Initiativen intoniert, die zweifel- los eine neue Phase in der Geschichte des interreligiösen Dialogs markieren, indem sie dem Dialog eine gewisse organisatorische Gestalt geben wollen. Der Abschnitt über Rudolf Otto und die Gründung des „Religiösen Mensch- heitsbundes“, bei dem sich zahlreiche Querverbindungen zu den Anfängen der ökumenischen Bewegung ergeben, wird gefolgt von den vier internationalen Religionsdialogvereinigungen „Weltkonferenz der Religionen für den Frieden/ Religions for Peace“, der „International Association for Religious Freedom“, dem „Temple of Understanding“ und dem mehr auf den britischen Bereich konzentrierten „World Congress of Faiths“. An diese Organisationen schließt sich die Vorstellung eines Buches, nämlich „Der König, der Weise und der Narr“ von Shafique Keshavjee von 1998, und der Geschichte der Methode des
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