XV - 1.1.7

Thomas Ohm

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Thomas Ohm XV - 1.1.7 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 50. EL 2016 1 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 04.11.2016   2. AK   Seite 1 XV - 1.1.7 Thomas Ohm Von Pater Cosmas Hoffmann OSB Biografische Skizze Thomas Ohm wurde am 18.10.1892 in Westerholt (Westfalen) als eines von sechs Kindern des Schmiedes Philipp Bernhard Ohm und seiner Frau Maria, geb. Bröcker, geboren und auf den Namen seines Vaters getauft. Zeit seines Lebens fĂŒhlte er sich seiner westfĂ€lischen Heimat verbunden, so finden sich in seinen Artikeln und Reiseberichten immer wieder Hinweise, wenn er in der Mission auf westfĂ€lische Landsleute trifft. Auffallend ist bei ihm aber auch eine Sehnsucht nach der Ferne, eine Faszination fĂŒr fremde LĂ€nder und Kulturen, was sich z. B. wĂ€hrend seiner Schulzeit in der Vorliebe fĂŒr das Fach Erdkunde zeigt. Eine Möglichkeit, diesen Neigungen zu folgen, war der Beruf eines Mis- sionars. So bittet er kurz vor dem Abitur um die Aufnahme in das Noviziat der Erzabtei St. Ottilien, dem Mutterkloster der Kongregation der Missionsbenedik- tiner. 1913 legt er als Frater Thomas die einfachen GelĂŒbde ab und beginnt im folgenden Wintersemester dort mit dem philosophischen Studium. Allerdings muss er dieses nach einem guten Jahr abbrechen, weil er wegen des Ersten Welt- krieges am 1.12.1914 in die Reichswehr eingezogen wird. Die Zeit im Feld ist fĂŒr ihn, wie fĂŒr viele seiner Altersgenossen, eine sehr prĂ€gende Erfahrung. Ein Jahr nach Kriegsende kann Ohm schließlich seine theologischen Studien an der UniversitĂ€t in MĂŒnchen beginnen, wo er sich auch im Akademischen Missions- verein engagiert. Nach der Priesterweihe am 20.7.1920 in MĂŒnchen kehrt Ohm in seine westfĂ€lische Heimat nach MĂŒnster zurĂŒck, um dort Vorlesungen bei Joseph Schmidlin (1876–1944), der als BegrĂŒnder der katholischen Missions- wissenschaft gilt, zu hören. Doch dessen historisch aufgezogene und ausschließ- lich aus der Perspektive des Missionars her angelegte Lehre entspricht nicht den Vorstellungen Ohms, der sich mehr fĂŒr theologisch-systematische Fragen der Mission und eine stĂ€rkere BerĂŒcksichtigung ihrer Adressaten interessiert. Darum setzt er seine Studien in MĂŒnchen bei Martin Grabmann (1875–1949) fort, der als Professor fĂŒr christliche Philosophie und Dogmatik und als Freund und Kollege Schmidlins ein persönliches Interesse an einer VerstĂ€rkung des theologischen Fundaments der Missionswissenschaft hatte. 1924 reicht Ohm an der Katholisch-Theologischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t MĂŒnchen seine Dissertation ĂŒber „Die Stellung der Heiden zu Natur und Über- natur nach dem hl. Thomas v. Aquin. Eine missionstheoretische Untersuchung“ 1 ein. Hier geht Ohm der Frage nach, in welchem VerhĂ€ltnis Nichtchristen zu --- Seite 1 Ende --- XV - 1.1.7 Thomas Ohm 2 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 04.11.2016   2. AK   Seite 2 Gott stehen, inwiefern sie zu ihm in eine dem natĂŒrlichen und ĂŒbernatĂŒrlichen Anspruch entsprechende Beziehung treten können und ob das Christentum aufgrund höher gedachter Wahrheiten und göttlichen Gnadenwirkens einen absoluten Wert hat. Die Orientierung an Thomas von Aquin entspricht dabei nicht nur der damaligen thomistisch geprĂ€gten Theologie, sondern auch Ohms Interesse an der wohlwollend-einfĂŒhlenden Haltung des Aquinaten gegenĂŒber den antiken und „heidnischen“ Schriftstellern, welche die Ent- und Aufdeckung christlicher Wahrheitselemente erst ermöglicht, und eher das Verbindende als das Trennende sucht. Darum verweist Ohm ganz ausdrĂŒcklich die Missionare auf das Vorbild Thomas von Aquins: „Unsere Missionare können von ihm lernen innere Teilnahme am Los der UnglĂ€ubigen, Sachlichkeit in der Ausei- nandersetzung und Darlegung der christlichen Wahrheiten ‚mit dem Aufgebot der höchsten Geistesanstrengung‘ unter ZurĂŒckdrĂ€ngung jeder Polemik.“ 2 Voraussetzung dafĂŒr sind die grĂŒndliche Erforschung und EinfĂŒhlung in die nicht christliche Denk- und Lebenswelt und die Beachtung und WertschĂ€t- zung empirischer Materialien. Um beides hat Ohm sich zeitlebens gemĂŒht, und Mission war fĂŒr ihn das, was sie seiner Meinung nach auch fĂŒr Thomas von Aquin war „nicht so sehr das Werk Ă€ußeren Arbeitens und umfassender Organisation, sondern das Werk tiefen und stillen geistigen und innerlichen Wirkens“ 3 . Getragen ist diese offene und zuversichtliche Haltung Nichtchristen gegenĂŒber vom Glauben an den universalen Heilswillen Gottes, der neben dem in Jesus Christus geoffenbarten Heilsweg auch ZugĂ€nge zum Heil eröffnet, ohne Ă€ußere Gemeinschaft mit der Kirche. Fragestellung und Methode seiner Dissertation berĂŒhren damit die zwei Grundthemen von Ohms Forschen und Wirken: Reli- gion und Mission. Im Vorwort zu seiner Aufsatzsammlung „Ex contemplatione loqui“, in der Ohm 1961, im Jahr seiner Emeritierung, eine Gesamtschau seines Forschens und Lehrens vorstellt, heißt es dazu rĂŒckblickend: „Meine Theoria, Contemplatio oder Schau hat Jahrzehnte hindurch in der Hauptsache zwei PhĂ€nomenen gegolten: Der Religion und der Mission.“ 4 Nach seiner Promotion wird Ohm KlerikerprĂ€fekt in der Erzabtei und wirkt ein Jahr an der dortigen philosophischen Haus-Hochschule als Dozent fĂŒr Missi- onswissenschaft, zudem baut er mit religionswissenschaftlicher Akzentsetzung dort eine missionswissenschaftliche Seminar-Bibliothek auf. Die Möglichkeit, andere Religionen in ihrem Kontext kennenzulernen, eröffnet sich ihm durch seine erste Ostasienreise (1927/28). Neben zahlreichen Reise-Westarp Science – Fachverlage
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