XV - 1.1.6

Albert Schweitzer

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Albert Schweitzer XV - 1.1.6 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 47. EL 2016 1 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 16.03.2016  2. AK  Seite 1 XV - 1.1.6  Albert Schweitzer Von Sebastian Moll Lebenslauf Albert Schweitzer wird am 14. Januar 1875 als Sohn des Pfarrers Louis Schweit- zer und dessen Frau Adele (geb. Schillinger) im elsĂ€ssischen Kaysersberg ge- boren. Wenige Wochen nach seiner Geburt zieht die Familie ins nahe gelegene GĂŒnsbach, wo Schweitzer seine Kindheit und Jugend verbringt. 1893 legt er auf dem Gymnasium in MĂŒlhausen sein Abitur ab und beginnt das Studium der Philosophie und der evangelischen Theologie an der Kaiser-Wilhelms- UniversitĂ€t in Straßburg, die erst wenige Jahre zuvor (1872) gegrĂŒndet wurde, nachdem das Elsass Teil des Deutschen Kaiserreichs geworden war. Sein Theo- logiestudium schließt Schweitzer im Jahre 1898 ab, 1899 wird er mit seiner Arbeit „Die Religionsphilosophie Kants von der Kritik der reinen Vernunft bis zur Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ zum Doktor der Philosophie promoviert. Im selben Jahr beginnt sein Vikariat, 1900 wird er zum Pfarrer ordiniert. Es folgen die Promotion zum Doktor der Theologie (1900, „Das Abendmahlsproblem aufgrund der wissenschaftlichen Forschung des 19. Jahrhunderts und der historischen Berichte“) sowie die Habilitation (1902, „Das MessianitĂ€ts- und Leidensgeheimnis“). Mit der abgeschlossenen Habilitation beginnt Schweitzers Privatdozentur an der Theologischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Straßburg. Von 1903 bis 1906 bekleidet er zusĂ€tzlich das Amt des Studienleiters des Theologischen Studienstifts St. Thomas (Straßburg). In dieser Zeit entsteht sein theologisches Hauptwerk „Von Reimarus zu Wrede. Eine Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ (1906). Neben Philosophie und Theologie gilt Schweitzers Liebe vor allem der Musik. PrĂ€gend war in dieser Hinsicht der französische Organist Charles-Marie Widor (1844–1937), der es Schweitzer nach dessen Abitur ermöglichte, das Pariser Konservatorium zu besuchen und dort seine Liebe zu Johann Sebastian Bach zu vertiefen. Diese Liebe sollte sich als dauerhaft erweisen und Schweitzers gesamtes spĂ€teres Leben mitbestimmen. Schweitzer betonte in seinem spĂ€teren Leben des Öfteren, Bach habe ihm sein Medizinstudium finanziert, was nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt sein dĂŒrfte; denn tatsĂ€chlich erwiesen sich Schweitzers virtuos vorgetragene Orgelkonzerte als eine wichtige StĂŒtze seiner wirtschaftlichen Existenz. Aber nicht nur an den Tasten und Registern zeigte sich Schweitzer als Meister der Musik, sondern auch durch seine 1905 --- Seite 1 Ende --- XV - 1.1.6 Albert Schweitzer 2 erschienene Bach-Biografie, die lange Zeit als musikwissenschaftliches Stan- dardwerk gelten sollte. Vielfach ist auf Schweitzers theologischen Blickwinkel bei seiner BeschĂ€ftigung mit dem großen Komponisten hingewiesen worden. Dass Schweitzer Bach eine hohe theologische Bedeutung beimaß, ist unbestreit- bar. Richtig ist auch, dass Schweitzer den Leipziger Thomaskantor als Mystiker darstellte, der seinen Hörern durch seine Musik die Einheit mit Gott zu eröffnen suchte. Unklar ist hingegen, wer hier wen beeinflusste. In den Jahren 1905/06, also zu jener Zeit, in der er sich intensiv seinen Bach- studien widmet, durchlebt Schweitzer eine schwere Glaubenskrise (s. u.). Sein eigener Hang zur Mystik tritt allerdings erst nach dieser persönlichen Krise in den Vordergrund (s. u.), sodass die Möglichkeit in Betracht gezogen werden muss, dass nicht Schweitzer aus Bach einen Mystiker machte, sondern Bach aus Schweitzer. Mit etwa 30 Jahren setzt bei Schweitzer eine zunehmende Abneigung gegenĂŒber seiner bisherigen (akademischen) Laufbahn ein. Am 25. Februar 1905 schreibt er an seine spĂ€tere Frau Helene Bresslau: „Die Wissenschaft verblasst – ich fĂŒhle nur noch eines: dass ich handeln will [...] Ich habe nicht mehr den Ehrgeiz, ein großer Gelehrter zu werden, sondern mehr – einfach ein Mensch .“ 1 Wenige Monate spĂ€ter, am 9. Juli 1905, versendet Schweitzer einen Brief an Al- fred Boegner, den Direktor der Pariser Missionsgesellschaft, in welchem er sich der Gesellschaft als Missionar zur VerfĂŒgung stellt. Die Gesellschaft hat jedoch Bedenken bezĂŒglich der liberalen theologischen Positionen Schweitzers. Um dieses Problem zu umgehen, beginnt Schweitzer im Oktober desselben Jahres sein bereits erwĂ€hntes Studium der Medizin mit dem Ziel, nicht als Missionar, sondern als Arzt nach Afrika gehen zu können. Zum Ende dieses Studiums erwirbt Schweitzer im Jahre 1912 mit seiner Arbeit „Die psychiatrische Be- urteilung Jesu. Darstellung und Kritik“ seinen dritten Doktortitel. Im selben Jahr heiratet er seine langjĂ€hrige Wegbegleiterin Helene Bresslau (1879–1957). Karfreitag (21. MĂ€rz) 1913 verlĂ€sst das Ehepaar Schweitzer Europa in Rich- tung Lambarene (Französisch-Äquatorialafrika, heutiges Gabun), um dort ein Krankenhaus zu errichten. Doch der kurze Zeit spĂ€ter ausbrechende Welt- krieg ĂŒberschattet ihren Aufenthalt. 1917 werden Schweitzer und seine Frau als Kriegsgefangene nach Frankreich ĂŒberfĂŒhrt und dort interniert. Nach ih- rer Entlassung im darauffolgenden Jahr kehren sie ins (nun französische) El-Westarp Science – Fachverlage
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